228 Prostituierte haben sich in Mecklenburg-Vorpommern registriert

3. Januar 2019

Und: Denkfehler beim Hamburger Abendblatt sorgt f├╝r Falschinterpretation

Am 22. Dezember schrieb das Hamburger Abendblatt ├╝ber die Sexarbeit in MeckPomm: „Rund die H├Ąlfte der Prostituierten im Land sind angemeldet“. Wie die Redaktion zu diesem Schluss kommt? Sie hat beim Sozialministerium in Schwerin angefragt. Danach sollen sich seit Inkrafttreten des ProstSchG bislang 228 Prostituierte beim zust├Ąndigen Amt angemeldet haben. Und weil in MV gesch├Ątzt mehr als 400 Sexarbeiterinnen der Prostitution nachgehen sollen, stellt das Hamburger Abendblatt einfach mal diese zwei so nicht miteinander vereinbare Zahlen ins Verh├Ąltnis. Was ein Murks!

Ja 200 ist die H├Ąlfte von 400. Aber:

1.) Im Artikel steht selber: „Prostituierte k├Ânnten sich bundesweit anmelden. […] So gebe es gerade in den „Model-Wohnungen“ einen permanenter Wechsel der Prostituierten.“ Das hei├čt, der Wechsel geschieht mindestens republikweit. Nur weil eine Prostituierte nicht das MV zum zust├Ąndige Amt aufgesucht hat, hei├čt es also nicht, dass sie keine Anmeldebescheinigung besitzt. Die Aussage „die H├Ąlfte ist angemeldet“ ist also nicht haltbar.

2.) Die 228 Anmeldungen wurden ├╝ber einen mehr als einj├Ąhrigen Zeitraum bearbeitet (vom 04.10.2017 (M├Âglichkeit f├╝r Sexarbeiterinnen sich in MV im Sinne des ProstSchG anzumelden) bis Mitte Dezember 2018). Die Zahl 400 beruht aber auf eine Sch├Ątzung, die ├╝ber einen tempor├Ąren Zeitraum aufgestellt wird.

Das hei├čt, wenn man davon ausgeht, dass sagen wir mal f├╝r 2 Wochen etwa 400 Prostituierte in MV arbeiten, dann m├╝ssen das nicht ├╝ber den ganzen Zeitraum von 2017 bis 2018 die selben sein. Immerhin kann das bedeuten, dass im Verlauf eines Jahres mehrere tausend Prostituierte in MV t├Ątig sind. M├╝sste dann die ├ťberschrift des Hamburger Abendblattes lauten „Unter 10 Prozent der Prostituierten im Land sind angemeldet“? Die Herleitung ist auch weiterhin nicht haltbar.

Leider gehen viele Tageszeitungen bekanntlich st├Ąndig so oder ├Ąhnlich fahrl├Ąssig mit dem Thema um. Mal, weil Redakteure und Journalisten keine Ahnung vom Thema haben, Statistiken oder Studien nicht verstehen oder interpretieren k├Ânnen/wollen, Falschaussagen von Prostitutionsgegnern unkritisch und ungepr├╝ft widerk├Ąuen oder oder oder. In der Folge ist dann auch bei ernst zu nehmenden Medienh├Ąusern allerlei Murks zu finden.

Ich meine, der Artikel selber ist ja an sich OK. Aber warum diese falsche Schlussfolgerung und dann gleich noch als ├ťberschrift?

rde

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