Bald „Runder Tisch Prostitution“ in MV?

Ministerin Hesse will Lage der Sexarbeiterinnen verbessern

Heute berichtete der NDR dar├╝ber, dass Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin, Birgit Hesse, einen landesweiten „Runden Tische Prostitution“ ins Leben rufen wolle – angelehnt an jenen in Nordrhein-Westfalen. Wann dieser aber genau zusammentreffen wird, steht offensichtlich noch nicht fest. Naja, dar├╝ber geredet wird ja seit Jahren, passiert ist aber wenig. Hier mal ein┬ákommunales Zusammentreffen in Rostock, dort mal eine landesweite┬á„Fachtagung Prostitution“┬áin G├╝strow, das war es dann auch schon. Wenn man den NDR-Beitrag auf dessen Onlineportal aber weiter liest, m├Âchte man nicht unbedingt, dass Frau Hesse (SPD) da mitwirkt, zumindest nicht mit ihrem aktuellen Wissensstand.

Denn einerseits gehe es ihr um das Selbstbestimmungsrecht der Sexarbeiterinnen, die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen sowie Schutz vor Gewalt. Aber in gleichem Atemzug hei├čt es, es gehe vor allem um „Rezepte gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution“. Es werden also wieder rigoros Prostitution und Menschenhandel vermischt, so scheint es.

Abschlie├čend schreibt der NDR folgenden Satz:

„Seit Gr├╝ndung der landesweiten Beratungsstelle ZORA f├╝r Frauen und M├Ąnner, die zur Sexarbeit gezwungen w├╝rden, sei die Zahl der Hilfesuchenden st├Ąndig gestiegen, schreibt das Ministerium. Offizielle Daten zur Anzahl und zur Situation der Prostituierten im Land gibt es nicht.“

Interessant! Hier wird offensichtlich einiges an Falschinformation betrieben – entweder von Seiten des NDR-Redakteurs oder des Ministeriums, denn:

1.) Zora ist eine Fachberatungsstelle f├╝r Betroffene von Menschenhandel und Zwangsverheiratung aber nicht „f├╝r Frauen und M├Ąnner, die zur Sexarbeit gezwungen w├╝rden“. Im Detail steckt der Unterschied. So ist Menschenhandel nicht gleich Zwangsprostitution, denn Menschenhandel kann auch zum Zwecke der Ausbeutung der Arbeitskraft geschehen. Und Zwangsverheiratung ist auch ein anderer Tatbestand als der des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Das hei├čt also bei „Zora“ werden nicht nur zur Sexarbeit gezwungene Menschen betreut.

Zum Thema Zwangsprostitution in MV sagte die ZORA-Leiterin Nicole Asbrock im letzten Jahr in G├╝strow gegen├╝ber dem NDR noch: „Wir haben keine dramatische Situation.“ Sie Antwortete damit auf die Frage eines Journalisten, wie man mit der ganzen Situation „Herr werden“ k├Ânnte. In einem Bericht im 2014er Informationsblatt des Fl├╝chtlingsrates MV „Human Places“ gab Nicole Asbrock bekannt, dass in der Beratungsstelle „in den f├╝nf Jahren des Bestehens (Anmerkung: seit 2009) 106 Personen Beratung, Betreuung und Unterst├╝tzung erhalten haben“. Wie viele davon nun Opfer von ÔÇťMenschenhandel zum Zweck der sexuellen AusbeutungÔÇŁ waren, wird aus dem Text nicht ersichtlich. Hingegen: Laut SVZ-Recherchen, die sich auf Angaben des LKA beziehen, habe es 2012 neun und 2013 vier entsprechende Ermittlungsverfahren gegeben.

Es bleibt zu konstatieren, dass es hierzulande nat├╝rlich tragische und entsetzliche F├Ąlle von Zwangsprostitution gibt, doch letztendlich geschehen sie nicht in der Masse, wie sie nur zu gern postuliert werden. Also noch mal zur├╝ck zur obigen Aussage, dass die Zahl der Hilfesuchenden seit Gr├╝ndung von ZORA gestiegen sei:

2.) Laut Asbrock (Quelle: „Human Places“ 2014) sei es bei Zora in den ersten zwei Jahren haupts├Ąchlich darum gegangen „die Stelle aufzubauen, die Partner und Partnerinnen in der Arbeit kennenzulernen und die realen Bed├╝rfnisse und Anfragen der Betroffenen herauszuarbeiten“. Wie bei jedem sozialen Projekt aber auch in der freien Wirtschaft m├╝ssen Dienstleistungen erst einmal beworben und kommuniziert werden, bevor sie optimal genutzt werden. Dass Zora also 2014 deutlich mehr Frauen betreuen konnte als noch 2009 und 2010, hat somit nichts mit einem Anstieg entsprechender Straftaten zu tun.

Und was kann man nun von einem Runden Tisch erwarten?

Hesse will ja die Arbeitsbedingungen verbessern. Zu hoffen bleibt also , dass man dort wirklich wie in Niedersachsen arbeiten will, dass also auch Hurenverb├Ąnde und Fachfrauen angeh├Ârt werden. Allerdings 2014 in G├╝strow wurden ja Berufsverb├Ąnde und Branchenvertreter komplett au├čen vor gelassen und nicht mal eingeladen.

rmv

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