Bild-Zeitung jetzt ohne Oben-Ohne-Models?

12. M├Ąrz 2012

Wird Deutschlands rei├čerischtes Tagesblatt am Ende noch seri├Âs?

Am Weltfrauentag gab die BILD bekannt, dass nach 28 Jahren Schluss sei mit dem Seite-1-Girl. Die Redakteure feiern sich nun selbst. Sei dies doch eine gelungene Entscheidung, die seit Jahren ge├Ąu├čerte Forderungen von Kirche, Politik und tausenden Frauen entspreche. Wird das Boulevardblatt nun etwa seri├Âser und inhaltsschwerer? Findet man bald objektive Berichterstattung zwischen der Druckerschw├Ąrze? Wer’s glaubt…

Guckt man genauer hin, ist das nichts weiter als eine geschickte PR-Kampagne. Das Thema scheint nun in aller Munde zu sein. Das Blatt selbst spricht von einer deutschlandweiten „Debatte“. Die allgemeinen Reaktionen w├╝rden zwischen „Begeisterung und Entsetzen“ schwanken. Klar wird es hei├č diskutiert, schlie├člich hei├čt es ja so sch├Ân: „sex sells“. Aber „Debatte“? Die Bild bleibt schlie├člich die Bild! Das Seite-1-Girl wird lediglich ins Zeitungsinnere verlegt. Warum das jetzt eine historische Entscheidung von globaler Tragweite sein soll – Die Bild- Redaktion informierte ganz stolz von Berichten der „USA Today“ und des BBC“ – erfasst vielleicht nur der gemeine Bild-Leser.

Barbusige Frauen sind also weiterhin im Axel-Springer-Spr├Âssling zu finden – der Kioskg├Ąnger muss in Zukunft lediglich einen Handgriff mehr tun, um die halbnackten „Sch├Ânheiten“ zu bestaunen. Die Redaktion feiert sich selbst ob dieses grandiosen, emanzipatorisch gelungenen Schrittes und bleibt dennoch die Klatsch-Zeitung, die sie ist.

Liebe Bild-Redakteure: Sch├╝ttelt ich den Inhalt eines W├╝rfelbechers kr├Ąftig durch, ver├Ąndern sich nicht die Ziffern auf den W├╝rfeln. Es bleiben immer die gleichen von Eins bis Sechs, lediglich die Seite, die oben liegt kann sich ├Ąndern. Dennoch sprechen die wenigsten W├╝rfler gleich von einem Gro├čereignis, liegt mal keine „SEX“ oben.

Ach ja, was w├╝rden die Leser nur dazu sagen, wenn eingekaufte B-Promis mal die Klappe halten w├╝rden und die „Bild-Girls“ mal nicht nur von sich g├Ąben „Ich bin stolz auf meine Br├╝ste“ und „ich tr├Ąume von einem Schloss“, sondern vielleicht einmal „Ich w├╝nsche mir von der Bild investigativen Journalismus“. Warscheinlich nichts, denn da muss man halt auch an dieser Stelle anf├╝gen: wer’s glaubt…

pd

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