„Cicero Online“ klärt über Prostitutions-Klischees auf

7. März 2013

Magazin zeigt, wie man das Thema Prostitution journalistisch korrekt aufarbeitet

In einem aktuellen Artikel von „Cicero Online„, dem Berliner Magazin „für politische Kultur“, berichtet die Journalistin Marie Amrhein unter dem Titel „Wir setzen männliche Sexualität mit Gewalt gleich“ über Klischees, Mythen und Vorurteile beim Thema Prostitution. Dabei ist der Beitrag überaus gut gelungen, wird darin – was leider selten vorkommt – differenziert und objektiv über die Thematik aufgeklärt.

Die Autorin, selbst studierte Soziologin und Psychologin, lässt in ihrem Artikel unter anderem die Soziologin Christiane Howe zu Wort kommen. Diese recherchierte umfangreich vor Ort, also im Rotlichtmilieu, nahm mit Prostituierten und Freiern Kontakt auf. Das Fazit: „Dass Frauen die komplette Verfügungsgewalt über ihren Körper abgeben, wenn sie für Sex Geld bekommen, sei ein grotesker Fehlschluss.“ Freier seien oft „schüchterne Typen“. Klischees, dass Freier mit einer Dirne stets groben und wilden Sex haben wollen, sei schlicht falsch.

Auch ein Berliner Pastor kommt in Amrheins Artikel zu Wort, erzählt über den Straßenstrich an der Kurfürstenstraße, über den Wandel in den letzten 5 Jahren; weiterhin die Ex-Escortdame Vanessa Eden …

Aber immer wird es dem Leser überlassen zu urteilen und zu werten. Der Artikel ist nicht für aber auch nicht gegen die Prostitution – er berichtet einfach nur. Zudem unterlässt es die Autorin von Halbwahrheiten und pseudomoralischer Meinungsmache Gebrauch zu machen – leider geschieht das ja in vielen anderen Berichten zum Thema nicht. Zu lesen ist der ganze Artikel auf Cicero.de. Es lohnt sich!

Und wer noch mehr guten Journalismus haben will, dem sei das Interview „Der Gesetzgeber ist kein Moralunternehmen“ mit dem Grünenpolitiker Volker Beck ans Herz gelegt. Cicero-Journalist Timo Stein stellte dafür dem Mitinitiator des Prostitutionsgesetzes die Fragen.

Und das gekonnt: Stein bedient sich hier wissentlich der gesamten Palette an im Umlauf befindlichen Vorurteilen, Floskeln und Falschinformationen, versucht den Politiker aus der Raison zu locken. Und Beck? Der antwortet gekonnt, lässt sich nicht beirren und führt das Thema dahin, wo es hingehört: in die Sachlichkeit.

Das Interview ist ebenfalls im Dossier „Prostitution – Wahrheit und Mythos“ auf „Cicero Online“ zu finden.

rmv

Zufällige Beiträge aus der selben Rubrik

Medien
Wie Feminismus wirklich geht!

Wie Feminismus wirklich geht!

… das hat der edition F Award gezeigt. Das Onlinemagazin EDITION F, das seinen Fokus auf die persönliche und berufliche Weiterentwicklung von Frauen gelegt hat, hat vergangene Woche „25 Frauen, die mit ihrer Stimme unsere Gesellschaft bewegen“ ausgezeichnet. Zu den...