Das Rostocker Rotlichtmilieu zu DDR-Zeiten

Wie SED, und Stasi mit Prostituierten verfuhren – Steffi Brüning forschte nach

Steffi Brüning, Studentin an der Rostocker Universität, hielt im Sommer einen Vortrag in der ehemaligen U-Haft-Anstalt der Stasi in Rostock, welcher den Titel „Rotlichtmilieu in Rostock. Prostitution und die Stasi“ trug. Dieser – als Zusammenfassung ihrer Masterarbeit – gründete auf die Auswertung von mehr als 80 MfS-Unterlagen aus den Jahren 1968 bis 1989.

Im Rahmen ihrer Forschung belegte Brüning eindeutig, dass es entgegen der sozialistischen Propaganda sehr wohl Prostitution innerhalb der DDR gab. 1968 soll es circa 3.100 Prostituierte gegeben haben. Hurerei wurde durch § 249 Strafgesetzbuch unter Strafe gestellt. Ausübende wurden als Asoziale betrachtet und konnten im Extremfall mit bis zu zwei Jahren (Wiederholungstäter mit bis zu fünf Jahren) Haft oder Arbeitserziehung bestraft werden.

In der Realität sah es dann wiederum anders aus. Statt Sexarbeiterinnen der „Asozialität“ zu bezichtigen und Prostitutionsverbot umzusetzen, wurde es staatlich geregelt. Schließlich hätten Verurteilungen ja der offiziell propagierten Auslöschung des Milieus widersprochen. Hingegen wurden diese sogenannten „Personen mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern“ dazu missbraucht als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) dem Staat zu dienen. Da wurde von von einigen u.a. verlangt, mit „operativ-interessanten“ ausländischen Gästen private Beziehungen einzugehen um so an Erkenntnisse über westliche Diplomaten und Wirtschaftsvertreter zu kommen. Laut Brüning sollen allein in Rostock, von 1968 an, mindestens 60 Prostituierte als IM für die Stasi gearbeitet haben.

Wer diesen Vortrag noch nicht kennt: man kann ihn auf der Seite des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) als PDF herunterladen (siehe hier).

Die Masterarbeit steht übrigens unter dem Titel „Häufig wechselnde Geschlechtspartner – Zur Prostitution in der Stadt Rostock“ (siehe Beitrag vom April). Aktuell promoviert Brüning über „Prostitution in der DDR 1968–1989. Ein Vergleich der drei Städte Rostock, Berlin und Leipzig“.

rmv

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