Ein Religiöser Fanatiker auf inquisitorischer Mission

Wie ein Mathias von Gersdorff ganz unumwunden sein radikales Menschenbild in der „Jungen Freiheit“ verbreitet

Wenn religiös erzkonservativ auf politisch rechts-konservativ trifft, dann kann es nicht gut gehen. So auch in folgendem Fall. Die „Junge Freiheit„, die nach eigener Aussage konservative Wochenzeitung Deutschlands, veröffentlichte am Montag einen Artikel vom katholischen Publizisten „Mathias von Gersdorff. Unter dem Titel „Prostitution: Kein Beruf wie jeder andere“ postuliert von Gersdorff sein anti-humanistisches und verqueres Menschenbild. Er setzt im Sinne von Alice Schwarzer Pädophilie mit Prostitution gleich, gibt ungeprĂĽft und unkritisch Falschbehauptungen ĂĽber Menschenhandel, Zwangsprostitution, Sexarbeit wider, nennt völlig abwegige Zahlen, schĂĽrt Ă„ngste und Vorurteile.

So fängt der bekennende homophobe Diplom-Volkswirt gleich zu Beginn mit folgender Behauptung an: „Möglicherweise sind die pädophilen Strömungen in den achtziger Jahren nicht die einzige Zeitbombe in den Händen von BĂĽndnis 90/Die GrĂĽnen. Auch die Anerkennung der Prostitution als regelrechter Beruf könnte sich zum Bumerang fĂĽr die Gutmenschen-Partei entwickeln.“

Er behauptet „Menschenhandel geht meist mit Zwangsprostitution, Kinderprostitution und Kinderpornographie einher“ und nennt in diesem Zusammenhang eine Zahl von 120.000 bis 500.000 Frauen, die jährlich nach Westeuropa verschleppt wĂĽrden. „Nach zehn Jahren der EinfĂĽhrung des Prostitutionsgesetzes weiĂź man: Die Anerkennung und die Legalisierung der Prostitution als Beruf erleichtert den Menschenhandel“, so Herr von und zu. Und im Folgenden kommen von ihm im Zusammenhang mit irgendwelchen Floskeln und Falschbehauptungen immer Zusätze wie „man weiĂź“, „hat gezeigt“, „klar ist“, „bewiesen ist“…

Der Artikel ist schwer zu ertragen, nicht weil er gesellschaftliche Missstände aufdeckt, sondern weil jegliche journalistische Ansprüche missachtend, dilettantisch recherchiert, fanatisch erzkonservativ, sexualfeindlich und ätzend populistisch. Aber wer ist eigentlich der Autor?

Ăśber Mathias von Gersdorff

Mathias von Gersdorff, 1964 in Santiago de Chile geboren, ist Diplom-Volkswirt, Katholik, Leiter der Aktion „Kinder in Gefahr“, Mitglied der „Deutschen Vereinigung fĂĽr eine christliche Kultur“ (DVCK) und Leiter sowie Herausgeber von „Kultur und Medien“. Von Gersdorff betreibt im Netz einen radikalen Aktivismus. Sein Weltbild ist homophob, erzkonservativ, religionsfanatisch, sexualfeindlich und rĂĽckschrittig. Er ist u.a. gegen Abtreibungen, Sexuelle Aufklärung, den Christopher Street Day und Andersdenkende.

Das wird bereits bei „Kinder in Gefahr“ deutlich. Die Aktion widmet sich eigenen Aussagen zufolge „der Verbesserung des Jugendmedienschutzes, der Verbesserung der Familienpolitik, dem Kampf gegen Blasphemie und Pornographie usw.“ Auf deren Website sind dutzende erzradikale Ă„uĂźerungen und Schlagworte zu finden, bei denen man sich echt fragt, wer hier vor wem geschĂĽtzt werden soll. „Satanismus in den Medien“, „Homo-Ehe: Nein, Nein und Nein!“, „Stoppen Sie die satanisch inspirierte Rockmusik – mit all ihren Gotteslästerungen und dem Hass gegen das Christentum!“, „Stoppt endlich Bravo“ und viele weitere Hasstiraden sind auf dieser grotesk schlecht gestalteten Seite zu finden.

Genauso extreme ist’s bei der „privaten Initiative ohne offizielle Bindung an Kirchen oder politischen Parteien“, DVCK: „Hintergrund ist der selbstlose Schutz der geistigen, sozialen und kulturellen Werte der christlich-abendländischen Kultur und Zivilisation die von einer seit mehr als fĂĽnf Jahrhunderte anhaltenden zersetzenden Revolution nach und nach zerstört werden soll.“ Die DVCK kämpft also fĂĽr „die Wiederherstellung der christlichen Zivilisation“.

Vor einigen Jahren machte von Gersdorff bereits auf sich aufmerksam, als er eine öffentliche Kampagne zum Verbot der Jugendzeitschrift „Bravo“ startete. Damals berichtete u.a. die taz darĂĽber und bezeichnete von Gersdorff als „Feind Nr. 1“ der „Bravo“. Das Bundesfamilienministerium warf ihm daraufhin vor, die öffentliche Diskussion vorrangig dafĂĽr zu nutzen, um Spendengelder einzuwerben.

Auf einschlägigen Seiten und Foren wird von Gersdorff häufig selbst als Opfer von „Angriffen durch Volksverhetzer“ dargestellt. Ă„hnlich verhält es sich bei Aussagen der DVCK wie „Eine aggressive Christenfeindlichkeit, die keine Toleranz kennt, macht sich in Deutschland und in Europa breit.“ Agressiv und -feindlich ist hier eindeutig jemand anderes!

Ăśber die Junge Freiheit

Die Berliner Wochenzeitung bietet sowohl gedruckt als auch online nach eigenem Verständnis „eine einmalige Mischung aus brisanten Hintergrundinformationen, kontroversen und heiĂź diskutierten Interviews und präzisen Analysen zur Lage in Deutschland und der Welt.“ Dabei bedient sie ein demokratisch-konservatives Spektrum mit einigen Facetten nach RechtsauĂźen. Gerade dieses nach RechtsauĂźen gerichtet sein sorgte in den letzten 15-20 Jahren bereits fĂĽr viele Kontroversen, Anfeindungen und Kritiken.

Aber zurĂĽck zu unserem Beispiel. Die „Junge Freiheit“ behauptet ja von sich selbst, „präzisen Analysen zur Lage in Deutschland“ zu veröffentlichen. Im eigenen Leitbild heiĂźt es weiter, hier fände man „Seriöse und kompetente Information durch professionelle journalistische Leistung.“ sowie „kritische Berichterstattung im Interesse der freien und unabhängigen Information.“ Die Berliner wĂĽrden eine „Korrekturfunktion marktbeherrschender Medien“ wahrnehmen.

Aha. Das ist doch ein Witz, oder? Was hat denn kritische Berichterstattung mit unbegründeter und menschenverachtender Homophobie, mit fanatischer Prüderie und aufklärungsfeindlichem Populismus zu tun?

Wer wie ein Mathias von Gersdorff im 21. Jahrhundert noch behauptet, es sei ein „unglaublicher Skandal“, dass Kinder lernen sollen, was Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität und „sexuelle Vielfalt“ sind um ihnen möglichst frĂĽh beizubringen, dass es so etwas wie eine „Sexuelle Vielfalt“ gibt, der sollte nicht ungefiltert die Möglichkeit bekommen, seinen Irrsinn – egal zu welchem Thema – bei einer professionellen Zeitung zu verbreiten.

rmv

PS: Der Artikel von „Hetze-Gersdorff“ wird hier nicht verlinkt, da man so einen Mist nicht noch fördern muss.

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