„Emma“ macht „Bestandsaufnahme zum Thema Prostitution“

28. September 2012

Herbstausgabe des Magazins mit umfangreichem Dossier

Seit gestern ist die neue Ausgabe des feministischen Magazins „Emma“ erhältlich. Darin geht es vor allem um das Thema Prostitution. Es soll gar eine „Bestandsaufnahme“ sein. So fragt das Heft mit fetten Lettern gleich auf dem Cover: „Kann Prostitution wirklich freiwillig sein?“ U.a. sprachen die Autorinnen dazu mit zwei Frauen, die sich freiwillig prostituieren. Ein Interview mit einem Ehepaar unter dem Titel „Hilfe, mein Mann geht ins Bordell!“ soll weiteren Aufschluss geben. Und das Dossier beinhaltet noch mehr Artikel und Schlagzeilen. So auch Berichte mit dem Titel „Die Tricks der Loverboys“, „Menschenhandel in Europa“ oder „Wir werden das System Prostitution angreifen!“.

Ăśber allem steht eine gefestigte und unumstößliche Meinung der Redaktion. Der Report mit dem Titel „Deutschland, ein Paradies fĂĽr Freier und Menschenhändler“ gibt diese seit Jahren bestehende Auffassung von „Emma“ ganz gut wider.

Eine neutrale und sachliche Auseinandersetzung mit Problemen der Branche und immer wieder kursierenden Falschinformationen ĂĽber das Rotlichtmilieu ist hier wohl eher nicht zu erwarten. Mit Meinungsmache und Einzelbeispielen gewinnt man Leser(innen) …

Seit Beginn an – das Magazin mit dem Schwerpunkt Frauenrechte wurde Ende der 1970er Jahre von der deutschen Feministin Alice Schwarzer gegrĂĽndet – setzt sich die Redaktion unter anderem fĂĽr eine Abschaffung der Prostitution ein. Das Prostitutionsgesetz wird seit Inkrafttreten häufig scharf kritisiert.

Auch veröffentlichte „Emma“ im FrĂĽhjahr dieses Jahres schon einmal einen umfangreichen Bericht unter dem Titel „Deutschland ist Drehscheibe des Menschenhandels“ und rechnete darin gnadenlos mit dem deutschen Prostitutionsgesetz und dem Sexgewerbe im allgemeinen ab. So löblich das Ziel dem Menschenhandel und der Zwangsprostitution entgegen zu wirken auch ist, die Autoren unterschlagen jedoch – ja, Lösungsvorschläge, wie man ein Verbot umsetzen könnte, haben sie aufgefĂĽhrt – wie die Konsequenzen eines Verbots der Prostitution aussehen wĂĽrden. Dass vielen Männern freier Sex nicht zur VerfĂĽgung steht, oder nur begrenzt, und der Sexualtrieb nicht einfach wegzuwĂĽnschen ist (wer wollte das auĂźerdem schon), das wird rigoros ignoriert. Was geschieht mit den zehntausenden Frauen, die ihre Brötchen mit der Prostitution verdienen? Diese Frage findet keine Antwort … . Zeitungen, Magazine, Internetseiten, Agenturen etc. verdienen nicht unerheblich an Annoncen und Anzeigen des Milieus. Auch keine Erwähnung.

Und Kriminalität erwächst immerhin aus vielen Lebens- und Arbeitsbereichen. Betrachtet man mal die Baubranche, kann einem schon schwindelig werden: Unterbezahlung, Ausbeutung, Schwarzarbeit, Schleuserringe, Steuerbetrug, Pfusch am Bau, Nichteinhalten von Sicherheitsrichtlinien, Gesundheitseinschränkungen in frĂĽhem Alter …

Vielleicht ein schlechter Vergleich, aber einen Versuch war’s wert.

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