„Emma“ zieht in Schwedische Botschaft ein

In Berlin traf man sich am Freitag zum Thema „Prostitution. Der Schwedische Weg“

Am vergangenen Freitag luden die „Emma“ und die Schwedische Botschaft in Berlin zu einer angeblichen Fachtagung ein. Thema des Vormittages war „Prostitution. Der Schwedische Weg“. Der schwedische Umgang mit Prostitution wird ja vielerorts und in populistischen Berichterstattungen stets als DER einzig wahre Weg mit Prostitution umzugehen angesehen. So beschloss leider auch das Europ├Ąische Parlament vor zwei Wochen eine Resolution, mit welcher ganz nach dem Abolitionsprinzip Sexarbeit letztendlich verboten und kriminalisiert werden soll.

Laut Ank├╝ndigung der Schwedischen Botschaft sollten am Freitagmorgen „erfahrene schwedische Experten aus den Bereichen Justiz, Polizei und Sozialarbeit ├╝ber ihre Erfahrungen berichten und zusammen mit deutschen Experten diskutieren“.

Die Redner waren die Justizkanzlerin Anna Skarhed (Initiatorin des schwedischen Modells), die Kommissare Jonas Trolle (Schweden) und Uwe D├Ârnh├Âfer (Deutschland), die Staatsanw├ĄltInnen Thomas Ahlstrand (S) und Kerstin Lotz (D), die Sozialarbeiterinnen Lisa Green (S) und Sabine Constabel (D). Die Moderation ├╝bernahm Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar (D), der als einer der Ersten die letztj├Ąhrige Emma-Petition unterzeichnete. Die EMMA-Redakteurin Chantal Louis und der Schwedische Botschafter Staffan Carlsson traten als Gastgeber auf.

Schon anhand dieser G├Ąsteliste wurde eines deutlich: Kritische Stimmen, also Bef├╝hrworter eines liberalen Prostitutionsgesetzes wie Sexarbeiterinnen oder Vertreter/innen von Hurenverb├Ąnden, waren weder eingeladen, noch sollten sie in jener Runde zu Wort kommen. So bemerkt auch der Tagesspiegel auf seinem Onlineportal:

„Kritische Stimmen, und das ist das gro├če Manko dieser Veranstaltung, gibt es nicht. […] Schade. Wenn die Verfechter des schwedischen Weges von seiner Richtigkeit so ├╝berzeugt sind, h├Ątten sie doch locker den Gegenargumenten der Kritiker standhalten k├Ânnen. Sind sie sich also selber noch nicht ganz sicher? Dann w├Ąre es umso fruchtbarer gewesen, sich auch die Gegenseite anzuh├Âren.“

Auch seien keinerlei belastbare Zahlen, pro oder kontra schwedisches Gesetz, geliefert worden. Weder sei zwischen freiwilliger, erzwungener und Armutsprostitution unterschieden worden. Noch habe man versucht die ungel├Âsten Fragen zum Thema aufzuarbeiten.

Was mich auch hier wieder enorm verst├Ârt ist, dass so ein intelligenter, investigativer und humanistisch gebildeter Journalist wie Ranga Yogeshwar, sich auf solche eingleisigen und ungen├╝genden Argumentationsstr├Ąnge begibt. Dass er die Emma-Petition unterschrieb, war mir schon ein R├Ątsel. Aber auch er kann ja mal einen Fehler machen. Dass jene Petition teilweise mit unwahren und propagandistischen Behauptungen daherkam, sollte mittlerweile aber eigentlich bekannt sein. Auch Alice Schwarzer selbst wurde in diesem Bezug (Diffamationen in ihrem Buch) vom Frankfurter Landgericht abgemahnt.

Warum Herr Yogeshwar aber nun die Moderation einer solchen einseitig durchgef├╝hrten Veranstaltung ├╝bernahm, kann ich mir nicht erkl├Ąren. Das entt├Ąuscht. Wo war sein Sachverstand, sein Hang zum kritischen Denken?

Wenn eine Lisa Green als Argument f├╝r ein Prostitutionsverbot sowas hervorbringt, wie:

„F├╝r die vielen ausl├Ąndischen Zwangs- und Armutsprostituierten w├╝rde der Ausstieg Hunger und Elend bedeuten. Ich habe noch keine einzige gl├╝ckliche Hure gesehen“,

dann muss einem doch das Paradoxe daran f├Ârmlich ins Gesicht springen. Wenn Ein Ausstieg Hunger und Elend zur Konsequenz hat, warum verteidigt man dann die Wahnidee einer Abschaffung von Sexarbeit. W├╝rde dann nicht genau jenes Schreckensszenario eintreten? Die Logik dahinter verstehe ich nicht? Nat├╝rlich ist Armutsprostitution nichts l├Âbliches, aber wie kann die Kriminalisierung jener letzten ├ťberlebensgrundlage moralisch zu vertreten sein?

Gleiches gilt f├╝r jegliche Sexarbeiterinnen, ob nun Deutsche, EU-B├╝rger oder Personen anderer Nationalit├Ąt. Au├čerdem: Deutschland hat eine Arbeitslosenquote von 7,3 Prozent (Februar 2014) – Erwerbslose und durch die Statistik fallende Personen sowie Geringverdiener etc. nicht mit eingerechnet. Entzieht man nun allen Personen, die sich durch einen Job im Rotlichtmilieu finanzieren oder ihr Gehalt durch Gelegenheitsarbeit aufstocken, diese Verdienstm├Âglichkeit, dann w├╝rde ich mal gerne wissen, in welche Stellen die Damen und Herren dann vermittelt werden sollen? Woher sollen dann diese zigtausend neuen Arbeitsverh├Ąltnisse kommen?

Vielleicht gibt es demn├Ąchst mal ein paar Mitschnitte oder Aufzeichnungen zur Veranstaltung im Netz. W├Ąre jedenfalls zu bef├╝rworten. So oder so, eine Illegalisierung von Prostitution oder auch eine Kriminalisierung von Freiern und/oder Sexarbeiter/innen ist definitiv der falsche Weg.

rmv

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