Erotikmesse hielt nicht das, was sie versprach

Viele gro├če Namen der Sex-Industrie fehlten auf der Venus 2012

Die Venus 2012 ging am Sonntag zu Ende. Vier Tage lang stand in Berlin Erotik, Sex und Lifestyle ganz oben auf dem Programm. Wirklich Neues oder ├ťberraschendes konnte die internationale Fachmesse jedoch nicht bieten. Auch k├Ânnte man meinen, dass das polarisierende ├Âffentliche Interesse verloren gegangen ist. Innovationen suchte man vergeblich, Skandale waren eher Skand├Ąlchen, die Pornobranche feierte sich wie in all den Jahren in gewohnt vorhersehbarer Art selbst und einige etablierte Unternehmen der Sex-Industrie blieben der Venus komplett fern.

Jedenfalls f├Ąllt unser Fazit – wir st├Âberten am Samstag auf dem Messegel├Ąnde umher – doch relativ ern├╝chternd aus. Gut, f├╝r einen gro├čen Teil der Konsumenten hat sich der Besuch sicherlich gelohnt – viel nackte Haut, eine Menge Shows, prominente Darsteller und Models hautnah erleben, hunderte Produkte rund um das sexuelle Vergn├╝gen. Auch f├╝r die Aussteller – Besucher waren ja durchaus zur Gen├╝ge vor Ort, obwohl noch keine abschlie├čenden Zahlen vorliegen – und Fachbesucher war die Venus bestimmt weitgehend erfolgreich.

Aber was fehlte? Zum Einen blieben zahlreiche deutsche Marken komplett fern – sei es die Orion Versand GmbH & Co. KG, die Joydivision international AG, die FunDorado GmbH (inkl. FunDorado-Bus) oder das Erotikportal Mydirtyhobby.de … Bei den letzten beiden Unternehmen war es vorherzusehen, denn zum Zweiten gab es dieses Jahr keine Web-Area mehr. Und das, obwohl die Branche doch mittlerweile einen gigantischen Umsatz online generiert.

Vorab publizierte der Veranstalter auf der Homepage, dass etwa 290 Aussteller, ├╝ber 29.000 Besucher und ca. 2.900 Fachbesucher zu erwarten seien. Er hat es aber auch mit der Zahl 29. Zumindest waren es letztendlich deutlich weniger Aussteller.

Auch hei├čt es auf der Webseite: „Erneut ist das Berliner Erotikportal BERLINintim wieder in der Redlight Area vertreten. Dieses hat in den letzten Jahren f├╝r viel Furore gesorgt und wird in diesem Jahr seine VenusÔÇôPr├Ąsenz, auch mit weiteren Partnern aus der Erotikszene, ausbauen.“ Jedoch war der Bereich um einiges kleiner als in den Jahren zuvor.

Womit machte die Messe noch Schlagzeilen?

Das Gesicht der Venus, Gina Lisa Lohfink, war irgendwie blass in ihrer Pr├Ąsenz. Kann sie schon nicht mit dem hellsten K├Âpfchen gl├Ąnzen, h├Ątte sie ihren Status als Aush├Ąngeschild der Messe doch wenigstens nach au├čen tragen m├╝ssen. Am Ende wurde sie jedoch h├Ąufig von ihrer sich auch auf dieser Messe wieder werbewirksam in Szene setzenden Vorg├Ąngerin Micaela Sch├Ąfer ausgestochen. Lohfink verpasste gar Jury-Urteil (deren Mitglied sie selbst war) zur Miss Venus 2011. Grund: Sie war auf Toilette.

Der angebliche Eklat bei den Venus-Awards war nun ehrlich gesagt keiner. Hat sich Pornodarstellerin und Produzentin Lena Nitro bei ihrer Auszeichnung noch gegen angebliche Absprachen und k├Ąufliche Preise beschwert, nahm sie ihren Preis dann dennoch entgegen und f├╝hrte die Anschuldigungen und ihre Abneigung so irgendwie ad absurdum. Und diverse Zwischenrufe einiger G├Ąste w├Ąhrend des stundenlangen Preisverleihungsmarathons sind nun auch nicht wirklich weltbewegend. Das erkennt man ja schon daran, das dieser „Skandal“ dann haupts├Ąchlich nur von Bild und RTL aufgeriffen wird.

Der neue Venus-Gesch├Ąftsf├╝hrer, Markus Hagewald, sollte jedenfalls einiges ├╝berdenken. Wenn die Messe noch weitere Jahre ihrem Ruf gerecht werden will, dann muss sich wieder einiges in puncto Angebot und Reiz ├Ąndern. Denn bleiben die Gro├čen Namen weg und der Anreiz f├╝r Besucher besteht ausschlie├člich aus dem Vorhandensein von nackten T├Ąnzerinnen und Shows, dann ist die Bezeichnung „Messe“ eher falsch.

rmv

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