Falschinformation beim Bayerischen Fernsehen

25. September 2014

Wie die „Kontrovers“-Redaktion Fakten und Tatsachen vermischt und sich in die populistische Ecke einreiht

„>Kontrovers< geht den Dingen auf den Grund, neugierig und mit sorgf├Ąltiger Recherche. Das Redaktions-Team unter Leitung von Andreas Bachmann liefert Hintergr├╝nde und Analysen zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“, hei├čt es ├╝ber das Format des Bayerischen Rundfunks.

In der Sendung vom 24.09.2014 und dem darin enthaltenen f├╝nfeinhalb-min├╝tigen Beitrag „Wenn Politiker streiten und Frauen verlieren“ sind diese selbst auferlegten Anspr├╝che jedoch komplett vergessen. Die Autoren Ralf Fischer und Katrin Schirner lassen zwar auch ein Mitglied des Berufsverbandes f├╝r erotische und sexuelle Dienstleistungen zu Wort kommen, doch wird das Anliegen der Vereinigung am Ende als unglaubw├╝rdig und unrepr├Ąsentativ dahingestellt. Prostitutionsgegnern wie Solwodi, dem Kriminalkommissar a.D. Manfred Paulus oder der CSU-Bundestagsabgeordneten Barbara Lanzinger wird hingegen unumwunden Glauben geschenkt und deren Aussagen werden nicht mal ansatzweise in Frage gestellt. Dazu kommt dann noch ein ehemaliges Loverboy-Opfer, welches dem Zuschauer als Sinnbild f├╝r alle ausl├Ąndischen Huren verkauft wird.

Fertig ist der Beitrag. Nur von sorgf├Ąltiger Recherche sowie Analysen keine Spur.

So behauptet Paulus z.B.:

„Eine junge Frau aus einem Ghetto in Rum├Ąnien oder Bulgarien die kann nicht freiwillig, von sich aus, sich aufmachen und hier der Prostitution nachgehen.“

Was f├╝r eine pauschalisierende und entm├╝ndigende Aussage…

„Sie [die Mitglieder des BesD] Behaupten typisch das Gegenteil von dem, was im Milieu passiert. Ich bin diesen Frauen auch mehrfach schon begegnet und ich kann nur schmunzeln dar├╝ber eigentlich. Es ist aber traurig, es ist zynisch den Opfern gegen├╝ber.“

Hier muss mann Herrn Paulus mal komplett einen Realit├Ątsverlust attestieren. Zynisch ist es, wegen durchaus vorhandener Kriminalit├Ąt (Schleuserbanden, Zuh├Ąlterringe etc.) einem legalen Gewerbe komplett das Daseinsrecht abzusprechen und den Sexarbeiterinnen die Aus├╝bung ihrer T├Ątigkeit verbieten zu wollen. Und mal so vollkommen alle Mitglieder eines gemeinn├╝tzigen Vereins als L├╝gner hinzustellen (wohlgemerkt ohne jegliche Beweise/Argumente) ist unter aller Sau f├╝r einen Staatsdiener.

Barbara Lanzinger (CSU Bundestagsabgeordnete) erkl├Ąrt uns:

„Es gibt ja dieses Wort „Frischfleisch“ ist wieder da. Die M├Ąnner gieren fast danach, immer j├╝ngere Frauen zu haben. Das ist unertr├Ąglich.“

Unertr├Ąglich ist hier dieses m├Ąnnerverachtende L├╝genkonstrukt. Und das von einer studierten Psychologin. Wie kann man nur so einen aktionistischen Sch… proklamieren?

Solwodi-Mitarbeiterin Soni Unterreithmeier konstatiert:

„Wir denken f├╝r die paar deutschen Frauen, die noch in der Prostitution arbeiten, brauchen wir kein Gesetz. Also da ist das, was wir haben, sagen wir mal nicht unbedingt verkehrt.“

H├Ąhh? Ein Gesetz, welches Prostitution regelt, gilt doch f├╝r alle… Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass die Bayern jetzt auch, ├Ąhnlich diesen bescheuerten Mautpl├Ąnen, ein ProstG nur f├╝r Ausl├Ąnderinnen anstreben. Au├čerdem: wenn das neue Gesetz kommt, dann sind Regelungen wie Registrierungspflicht, Mindestalter von 21 Jahre, uneingeschr├Ąnkte Polizeikontrollen oder gesundheitliche Pflichtuntersuchungen weder f├╝r die einen noch f├╝r die anderen tragbar. Geholfen wird damit keiner Prostituierten.

Und was hei├čt „die paar deutschen Frauen“? Und will Frau Unterreithmeier uns damit sagen, dass alle Ausl├Ąnderinnen Opfer von Ausbeutung und Gewalt sind? Ich krieg nen Hals…

Schlie├člich noch die Behauptungen von Seiten der Redaktion:

„Vor zw├Âlf Jahren hat die Rot-Gr├╝ne Regierung mit dem Prostitutionsgesetz auch die Rechte der Polizei eingeschr├Ąnkt.“

So ein propagandistischer Unfug. Das angef├╝gte Beispiel, dass Menschenh├Ąndler nur verurteilt werden k├Ânnen, wenn Frauen aussagen, hat hier mal sowas von gar nichts mit dem Prostitutionsgesetz zu tun. Das Beispiel haben die Autoren dann auch schnell wieder vergessen, sobald sie aufz├Ąhlen, welche Punkte alle ins neue Gesetz aufgenommen werden sollen bzw. k├Ânnten. Da ist dann nichts mehr von Verurteilungen von Menschenh├Ąndlern und Aussagepflicht zu h├Âren.

„Nach jahrelangem Stillstand soll nun endlich ein neues Gesetz kommen.“

Immer diese M├Ąr vom „Stillstand“. Auch im zuletzt kritisierten „Bericht aus Br├╝ssel“ wurde das ja schon behauptet. Richtig ist: es hat lediglich an vern├╝nftigen Gesetzesinitiativen von CDU und FDP gefehlt und weitreichendere Papiere der Opposition wurden bis dato abgeschmettert.

„Die Union m├Âchte diese Jungen Frauen sch├╝tzen, fordert sch├Ąrfere Gesetzte.“

Haha, haha, haha… eher ├╝berwachen und kriminalisieren ist das Ziel der Christdemokraten.

Fazit: F├╝r die Tonne die „Kontrovers“-Reportage…

rmv

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