Freier: „Hallo auch. Sagen Sie, wo gehts denn hier zum Laufhaus?“

Anwohner: „Hilfe nein, ich wurde angesprochen. Wir m├╝ssen unsere Kinder sch├╝tzen! Der Puff stellt eine Gefahr f├╝r die Allgemeinheit dar!“

Im nordrhein-westf├Ąlischen Siegburg geht es schon seit einem Jahr kontrovers zur Sache. Ausgangspunkt war der Antrag des Bordells im Stadtteil Zange sich zu vergr├Â├čern. Da sich das Haus in einem „Mischgebiet“ befindet, konnte der Antrag rechtlich nicht untersagt werden. Also stellten sich einige Anwohner der Stra├če quer. Sie klagten ├╝ber Verkehrsl├Ąrm und Bel├Ąstigung. Dass aufgrund des nahen Industriegebiets ein gewisses Verkehrsaufkommen zu verzeichnen ist, ist jedem klar, warum aber ein paar zum Laufhaus fahrende Taxen die Wohnqualit├Ąt der Anwohner unverh├Ąltnism├Ą├čig mindern soll, erschlie├čt sich nicht so recht. Muss auch nicht, denn die „Betroffenen“ – wie Medienberichten zu entnehmen ist, soll es sich lediglich um 5 Hausbesitzer handeln – sollten Geh├Âr finden. An ihrem Stra├čenende wurden Poller aufgestellt und der Verkehr somit deutlich eingeschr├Ąnkt. Die Folge: der Verkehr hat sich verlagert, jetzt geht’s direkt durchs reine Wohngebiet.

Zum Thema Bel├Ąstigung bzw. Sicherheit: laut General-Anzeiger habe sich w├Ąhrend eines eigens einberufenen runden Tisches ein einzelner Anwohner ├╝ber einen unerw├╝nschten Kontakt mit einem Freier beschwert. Danach habe der Freier nach dem Weg zum Laufhaus gefragt. Gegen├╝ber der Zeitung bekr├Ąftigte einer der Anwohner (ob es der selbe war, wird im Artikel nicht klar) seine Sorge um die Sicherheit der B├╝rger. Seine Tochter sei von Kunden des Bordells angesprochen worden. „Das muss nicht sein.“

Und so geschieht es hundertfach in deutschen St├Ądten. ├ťbertriebene ├ängste einzelner B├╝rger, die durch den nicht gew├╝nschten Dialog mit Betreibern/Sexarbeitern Seitens der Anwohner bestehen bleiben, schaffen es, das ├Âffentliche Bild des Rotlichtmilieus weiter negativ zu beeinflussen. Mehr noch: diese einzelnen, meist unberechtigten ├ängste begr├╝nden dann Verordnungen, Verbote, B├╝rgerentscheide oder Rechtsauslegungen. Sexarbeiter_innen und Betreiber_innen sind am Ende die Benachteiligten.

Auch in Schwerin gibt es ja einen Fall mit einigen Parallelen (siehe hier und hier).

Dazu passend auch unser Artikel über die seltsame Argumentation von Prostitutionsgegnern.

rmv

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