GroKo is watching you! Oder: Wer Sex hat, braucht Hurenpass

27. Juli 2015

Ist das noch Satire oder schon bitterer Ernst?

Berlin. Ab dem 1.1.2016, wenn das neue Prostitutiertenschutzgesetz in Kraft tritt, werden auch Gelegenheitsprostituierte meldepflichtig. Dies sieht der vom Bundesministeriums f├╝r Familie, Senioren, Frauen und Jugend ver├Âffentlichte neue Gesetzentwurf vor. In dem uns vorliegenden Dokument vom April dieses Jahres schloss man diese Gruppe von Frauen und M├Ąnner noch aus. Warum nun dieser extreme Wandel? Und was versteht man ├╝berhaupt unter Gelegenheitsprostitution? Dies erkl├Ąrte uns die konservative CSU-Bundestagsabgeordnete Wilma Lecken in einem Exklusiv-Interview wie folgt:

„Sie m├╝ssen verstehen, Prostitution bedeutet Geschlechtsverkehr mit Menschen gegen Bezahlung haben, also Sex mit fremden Personen, mit denen man nicht verheiratet ist. Das muss man sich mal vorstellen! Und wenn eine der beteiligten Personen von der anderen daf├╝r bezahlt wird, dann spielt es keine Rolle ob dies eine einmalige Sache war oder ob sie das mehrmal in der Woche/am Tag macht.
Und lassen Sie sich sagen: Menschen, die mit mehr als einer Person Sex haben, die m├╝ssen gesch├╝tzt werden. Das gilt auch f├╝r alle diesen nahestehenden Menschen. Wir, die CSU, wollen doch nur eines: Sicherheit. Nat├╝rlich nur unsere Definition von Sicherheit. Lassen Sie mich das mal mit den Worten der EMMA ausdr├╝cken. Diese wunderbare Blatt formulierte es 2014 bereits treffend, als es schrieb: „Das Kriterium f├╝r ein Gesetz sollte seine Notwendigkeit sein. Die Notwendigkeit, die Prostituierten vor Ansteckung zu sch├╝tzen (und damit auch die Freier und ihre Ehefrauen bzw. Freundinnen).“
Genau, und da Prostituierte und Freier keine Wahl haben d├╝rfen, ob sie sich sch├╝tzen oder nicht, deshalb helfen wir nach. Wenn wir diese sexs├╝chtigen M├Ąnner schon nicht daran hindern k├Ânnen zu Prostituierten zu gehen, dann m├╝ssen wir eben alle diese wehrlosen unverheirateten Frauen vor ihnen sch├╝tzen! Deshalb bestehen wir darauf, dass alle Prostituierten erfasst sind und man sich nicht mit der Ausrede, man gehe „nur gelegentlich“ der Prostitution nach, herausreden kann.“

Wilma Leckens Fraktionskollege Karsten Pr├╝derich will sogar noch weiter gehen. Der hmhmhm-J├Ąhrige lie├č uns per Fernsprechnetz – ├╝brigens wie der „junggebliebene“ Politiker immer wieder stolz verlautbaren l├Ąsst: „ein seinesgleichen suchender, innovativer Meilenstein in der modernen Nachrichten├╝bermittlung“ – folgendes ausrichten:

„In der heutigen, sexualisierten Zeit (fr├╝her war ├╝brigens alles besser) wird doch hinter jeder Ecke Unzucht getrieben. K├Ânnen Sie sich vorstellen, dass man au├čerhalb der heiligen Ehe und zu einem anderen Zweck als zur Fortpflanzung die Vereinigung zwischen Mann und Frau begangen wird? Schuld daran ist diese moderne Popkultur, diese fehlende N├Ąhe zu christlichen Werten. So finden doch bereits in jedem x-beliebigen Tanzlokal sexuelle Anbahnungen statt. Und die jungen naiven Frauen wissen es oft nicht besser und nehmen daf├╝r noch Geschenke von den M├Ąnnern entgegen. Wer schlie├člich der Verlockung des Mammon unterliegt, macht es sp├Ąter sogar ganz gezielt. So kommt es, dass sich das Rotlichtgewerbe hierher verlagert.
Das Politmagazin Amme hatte das ja tats├Ąchlich Anfang des Jahres herausgefunden. Laut einer investigativen Recherche von Scharlice Warzer lie├čen sich mindestens 95 Prozent der Frauen (wenn nicht sogar noch 10 Prozent mehr), die eine n├Ąchtliche Musikveranstaltung aufsuchten, auf sexuelle Praktiken ein, nur um an Verg├╝nstigungen oder in den Genuss bestimmter Privilegien zu kommen.
Deshalb fordere ich, dass der Auswei├č von allen unverheirateten Diskothekenbesucherinnen, sowie von allen unter 21 Jahre, automatisch beim Kassieren des Eintritts eingelesen und an die zust├Ąndige Kontroll-Beh├Ârde ├╝bermittelt wird. Schlie├člich kann es ja sein, dass die Frauen am Ende den Eintritt sowie Getr├Ąnke in Form von sexuellen Dienstleistungen verrechnen wollen. Und die Technik daf├╝r ist auch schon da: Wir adaptieren einfach Dobrindts Maut-System.
Nur so k├Ânnen wir jegliche Form der Prostitution, also alle sexuellen Handlungen gegen Entgelt, erfassen und entsprechende Ma├čnahmen einleiten.“

Weil der daf├╝r notwendige ├ťberwachungsapparat teurer wird als erwartet – besondern in Fl├Ąchenl├Ąndern, wie Mecklenburg-Vorpommern – bedarf es nun neuer Einnahmequellen. Die Bundesregierung will daher an alle Personen, die bei einer Sexdienstleistung ├╝berf├╝hrt werden ohne dass sie eine g├╝ltige Arbeitserlaubnis vorweisen k├Ânnen, ein hohes Bu├čgeld verh├Ąngen.

Der perfide Plan: „Infolge des hohen Verwaltungsaufwands kann den sich in einer Kommune anmeldenden Sexarbeiter/innen erst nach im Schnitt f├╝nf Tagen die Arbeitserlaubnis erteilt werden. Da sich von diesen kaum jemand 5 Tage Nichtstun leisten kann, m├╝ssen sie wohl oder ├╝ber illegal anschaffen gehen. Fazit: Die regelm├Ą├čigen Polizeikontrollen werden f├╝r eine Flut an Bu├čgelderhebungen sorgen“, so ein Insider, der hier nicht genannt werden will.

Wie andere Quellen behaupten, gibt es innerhalb von CSU und CDU sogar Hardliner, welche viertelj├Ąhrliche Gesundheitsberatungen f├╝r dunkelh├Ąutige Prostituierte fordern. Ihr Argument: „Schwarze schnackseln gern und seien daher besonders gef├Ąhrdet f├╝r Geschlechtskrankheiten.“

Text: J├╝rgen von W├╝rgen

Um etwaigen Missverst├Ąndnissen vorzubeugen: Im obigen Text ist Satire mit im Spiel.

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