Heute auf Zeit.de: Streitgespr├Ąch zwischen Weinberg und Nereus

5. Juli 2018

Frauenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion deklassiert sich selbst

Sie ist emanzipierte Sexworkerin, Youtuberin (Kanal: ÔÇ×Wissen. Macht. Sex.ÔÇť) und f├╝r die ├ľffentlichkeitsarbeit beim BesD mitverantwortlich. Seit einigen Jahren setzt sich die Hamburgerin Josefa Nereus bereits f├╝r die Belange der Prostituierten in Deutschland ein. Ihren b├╝rgerlichen Namen gibt sie jedoch nie ├Âffentlich preis.

Er ist ebenfalls Hamburger. Dazu CDU Politiker, Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 2014 frauen-/familienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die „Verdienste“ von Marcus Weinberg: er hat das Prostituiertenschutzgesetz mitzuverantworten. Einen K├╝nstlernamen braucht er hingegen nicht. Versteht aber auch gar nicht, warum das bei anderen anders ist.

Die beiden „Zeit“-Autoren Ruth Eisenreich und Luisa Hommerich haben nun f├╝r Zeint Online ein Gespr├Ąch mit beiden gef├╝hrt. Und die ├╝berfette ├ťberschrift, ein Zitat Nereus‘ in Richtung Weinberg, sagt einfach alles: „Menschen wie Sie haben keine Ahnung“.

Nun mag man vielleicht meinen, ein gestandener Politiker und Wegbereiter eines Gesetzes, welches sich dem Namen nach um die Sicherheit einer ganzen „Berufsgruppe“ k├╝mmert, kann einen solchen Vorwurf mit Fachwissen und stichhaltigen Argumenten entkr├Ąften. Aber Fehlanzeige. Denn wer bereits Weinbergs Reden vor dem Bundestag kennt, als das Gesetz noch von Entwurf zu Entwurf kreuchte, der lacht hier einmal schnell auf. Nat├╝rlich kann er es nicht. Weder besitzt er Fachwissen, noch ein wirkliches Interesse daran, Prostituierten zu helfen, ihre T├Ątigkeit zu entkriminalisieren, zu entstigmatisieren oder gar Ausstiegswilligen ernstgemeinte, also realistische Auswege zu finanzieren.

Was aber macht Weinberg?

Er ist: selbstverliebt, unversch├Ąmt, dumm, kurzsichtig, starrsinnig und unbelehrbar. Kritik ├╝bergeht er schlicht mit Themenwechseln. Er kommt schnell mit Schuldzuweisungen in Richtung Rot-Gr├╝n, Verantwortungsbewusstsein fehl am Platz, gebraucht einstudierte Worth├╝lsen, verbreitet Stereotypen, Klischees, ist offenkundig voller Wissensl├╝cken. W├Ąhrend er in s├╝ffisanter Weise, zwischen den Zeilen Nereus‘ Kompetenz und Einsicht ins Milieu abspricht, gibt er an anderer Stelle sogar zu, selbst noch nie einen Erotikf├╝hrer (Werbeportal f├╝r Prostituierte) o.├Ą. betrachtet/besucht zu haben. Man beachte noch einmal: Er ist einer der Mitverantwortlichen des ProstSchG!

Die Sache mit den Schnellrestaurants…

Nat├╝rlich bleibt auch das Pommesbuden-Argument nicht aus. Allerdings schreibt er es Manuela Schwesig (SPD) zu und gibt entsprechendes „Zitat“ sogar noch falsch wider. Vor allem weil er W├╝rstchenbude sagt.

Nur: Das Zitat stammt urspr├╝nglich gar nicht von Schwesig. Ja, sie gebrauchte es seit August 2014 h├Ąufiger. Im Selben Zeitraum machte aber auch der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Strobl, also Weinbergs Fraktionsgenosse, Gebrauch von dem Vergleich. Strobel sagte gegen├╝ber der „Welt“ ├╝brigens Wurstbude.

Vor Schwesig und Strobl outete sich aber schon eine Andere als Fan von Schnellrestaurants: ÔÇ×Denn derzeit ist es einfacher ein Bordell zu er├Âffnen als eine PommesbudeÔÇť, lie├č die Jungpolitikerin Nadine Sch├Ân in einer Pressemitteilung verlauten. Und Sch├Ân ist: nat├╝rlich eine weitere Partei- und Fraktionsgenossin Weinbergs.

Zuzuschreiben ist das Zitat aber wohl dem CSU-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Uhl. Bereits 2013 wollte dieser genau wissen, wie leicht es Bordelle haben, entsprechende Genemigungen zu erhalten. Uhl machte damals gegen├╝ber dem Focus ├╝brigens Gebrauch vom Begriff Imbissbude.

Was aber viel interessanter ist, ist dass der bekennende Prostitutionsgegner Uhl ebenfalls zusammen mit Weinberg am ProstSchG schusterte.

Zur├╝ck zum Interview. Das Fazit ist schnell gegeben: Marcus Weinberg deklassiert sich selbst! Mal wieder.

Letztendlich ist das Interview f├╝r die Katz. Einem selbstherrlichen, sturen und unbelehrbaren Machtmenschen wie Weinberg ist mit konsequenzlosen Worten nicht beizukommen. Da k├Ânnte Josefa Nereus auch mit allen Erkenntnissen aus Forschung und Sozialarbeit kommen, mit Unterschriften von tausenden Sexworker_innen. Allein weil Weinberg ja null Interesse hat, aktiv Einblicke ins Milieu zu bekommen; ihm reicht sein Klischee-Wissen…

Siehe dazu auch noch einmal die Bundestagsdebatte zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes vom Juni 2015 (nur wer diese Farce noch einmal ├╝ber sich ergehen lassen will): https://www.youtube.com/watch?v=RDZt_RwcaVg

rmv

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