Hinter den Kulissen des Artemis

28. November 2018

Tagesspiegel.de blickt auf und in das Berliner Großbordell / und mit einer Portion Zynismus auf das Behördenvorgehen und die Großrazzia von vor zwei Jahren

Am vergangenen Wochenende titelte ‚Der Tagesspiegel‘: „Hinter den Kulissen des Berliner Gro√übordells. Die Akte Artemis¬†– Zuh√§lterei? Menschenhandel? Eine Razzia und ein gescheitertes Verfahren erm√∂glichen tiefe Einblicke in eine Branche unter Verdacht.“ Zwei Jahre nach der Gro√ürazzia (unser Bericht hier) von Polizei Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung blickt Tagesspiegel-Reporter Sebastian Leber auf den Versuch, Berlins gr√∂√ütes Lusthaus dicht zu machen und deren Betreiber als Schwerkriminelle zu √ľberf√ľhren.

Der Text ist durchweg lesenswert. Und insbesondere wegen der Portion Zynismus erfrischend. Schon allein weil nach zweij√§hrigem Verfahren nichts, also rein gar nichts herauskam. Die anf√§nglichen Vorw√ľrfe wie Menschenhandel und Zuh√§lterei waren bereits nach einigen Monaten vom Tisch. Aber auch andere Straftatbest√§nde wie eine millionenschwere Steuerhinterziehung konnten nie auch nur ansatzweise belegt werden. Jetzt wurde der Prozess eingestellt. Wie der Autor schreibt, vermuteten Beobachter „schon damals, die Anklage sei ein Versuch, wenigstens irgendeine Verurteilung zu erreichen, um nach der Riesenrazzia am Ende nicht v√∂llig blamiert dazustehen.“ Das sei nun aber genau eingetreten. Wir lesen: „Das Kammergericht hatte den Ankl√§gern schon im Sommer 2016 schlechte Arbeit bescheinigt.“

F√ľr jede Menge Kopfsch√ľtteln gegen√ľber der Beh√∂rdenwillk√ľr? sorgen auch die Storys des interviewten Betreibers. Z.B.: Weil er t√ľrkische Wurzeln habe, sei diesem in den >>ersten Tagen in Haft alle wichtigen Dokumente auf T√ľrkisch vorgelegt worden. ‚ÄěWas soll das?‚Äú, habe er gefragt, er k√∂nne doch kaum T√ľrkisch lesen.<<

Auch habe die Berliner Frauenrechtlerin und Anw√§ltin den ganzen Prozess ger√ľgt. Im Artikel wird sie wie folgt zitiert: „Diese Razzia war nie zum Schutz der Prostituierten gedacht. Sonst h√§tten sie die Aktion √ľber die ganze Stadt verteilen und vor allem die Frauen befreien k√∂nnen, die tats√§chlich in Berlin in Wohnungen eingesperrt und zur Prostitution gezwungen werden.“

Apropos Zynismus. Den bekommt man als Leser bis zuletzt vorgesetzt. So habe die Anklage doch noch einen Missstand aufgedeckt. In Form von Orangensaft…

rde

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