Ich will keinen Safer-Sex!

3. Mai 2012

Ungesch√ľtzter Geschlechtsverkehr: Wie die HIV-Gefahr untersch√§tzt wird

Das Thema Kondome wird immer wieder von Männern und Frauen tabuisiert und die Gefahr sich mit Geschlechtskrankheiten anzustecken kleingeredet. Dass dies, vor allem bei häufig wechselnden Sexualpartnern bzw. Besuchen in Bordellen, zum Spiel mit dem Tod werden kann, zeigt aktuell wieder ein Fall in Griechenland.

In Athen ersch√ľttert derzeit ein HIV-Skandal das Rotlicht-Milieu. Vorausgegangen war die Festnahme von etwa 100 nicht angemeldeten Prostituierten auf den Stra√üen und in illegalen Bordellen. Die griechischen Gesundheitsbeh√∂rden lie√üen diese daraufhin auf die Immunschw√§chekrankheit HIV testen. Fazit: Elf von ihnen waren infiziert, hatten wie Medien berichten gestanden, ungesch√ľtzten Sex mit dutzenden M√§nnern gehabt zu haben. Der Ausnahmezustand ist jedoch erst mit dem Beschluss der Beh√∂rden, Bilder der Frauen im Internet zu ver√∂ffentlichen, eingetreten. Im Anschluss melden sich deren Kunden zu hunderten f√ľr HIV-Tests an.

Dass die Gefahr, sich bei ungesch√ľtztem Sex mit Krankheiten und insbesondere mit HIV anzustecken, regelm√§√üig untersch√§tzt wird, zeigt aber nicht erst die aktuelle Debatte in Griechenland. Auch in anderen L√§ndern machen immer wieder Pressemitteilungen die Runde, in denen von Ansteckungswellen mit der Immunschw√§chekrankheit im horizontale Gewerbe berichtet wird.

Rund 70.000 Menschen mit HIV/AIDS in Deutschland

Nach den aktuellen Schätzungen beträgt die Zahl der Menschen, die Ende 2010 in Deutschland mit HIV/AIDS leben, etwa 70.000. Dies bezieht sowohl Personen ein, bei denen die HIV-Infektion bereits diagnostiziert ist als auch Personen, die noch keine Kenntnis von ihrer HIV-Infektion haben. Und AIDS (Acquired Immuno Deficiency Syndrome Рerworbenes Immundefekt-Syndrom) ist nach wie vor eine unheilbare Krankheit. Laut Statistischem Bundesamt starben in Deutschland im Jahr 2009 insgesamt 431 Personen an der durch HIV verursachten Erkrankung AIDS. Das Sterbealter lag bei den Frauen im Schnitt bei 44,5 Jahren und bei den Männern bei 50,7 Jahren.

Zwar sind auch kontaminierte Spritzen und zu einem kleinen Prozentsatz Bluttransfusionen Wege der √úbertragung, dennoch ist der ungesch√ľtzte Geschlechtsverkehr √úbertragungsart Nummer eins.

Prostituierte und Freier m√ľssen sich also immer Fragen, ob Sex ohne Kondom sich und anderen gegen√ľber √ľberhaupt vertretbar ist. Zudem ist der ungesch√ľtzte Beischlaf bei Kenntniss einer bestehenden HIV-Infektion der eigenen Person nach deutschem Recht eine Straftat. Neben HIV k√∂nnen aber auch andere Geschlechtskrankheiten wie Chlamydieninfektionen, Gonorrhoe oder Syphilis √ľbertragen werden.

Situation der Prostituierten

Laut einiger Studien sind Prostituierte, insbesondere die aus dem Ausland kommenden, aufgrund ihrer gesellschaftlichen Position, sozialer Probleme oder fehlender Krankenversicherung besonders gef√§hrdet, an einer Geschlechtskrankheit zu erkranken. Obwohl die Prostitution seit dem 1.1.2002 legalisiert wurde geben viele Prostituierte ihre T√§tigkeit nicht an, sodass die behandelnden √Ąrzte somit keine M√∂glichkeit haben, diese ad√§quat auf m√∂gliche Erreger hin zu untersuchen bzw. zu behandeln.

Und da man bei einem Bordellbesuch nie die Krankenakte – ob nun die der Prostituierten oder die des Freiers – vor sich liegen hat, sollte letztendlich von beiden gar nicht die Frage gestellt werden, ob ein Kondom genutz wird oder nicht.

Kondome sind Unangenehm…

H√§ufig wird die Aussage getroffen, Kondome f√ľhlten sich unangenehm an oder veringerten die Empfindungen. Einige Sexualwissenschaftler sind jedoch der Ansicht, dass das Kondom als St√∂rfaktor mehr psychisch als physisch bedingt ist. Und vor allem sollten sich Besucher eines Bordells oder √§hnlichen Etablissements fragen, ob nicht doch das eigene Leben verglichen zu einem eventuellen Qualit√§tsverlust beim Sex im Vordergrund steht. Gleiches gilt auch f√ľr die Freudendamen in puncto eines vielleicht leicht erh√∂hten Einkommens bei Verzicht des Pr√§servativs.

Entgegen anderslautender Pressemeldungen enthalten Kondome laut mehrerer Studien auch keine gesundheitsgef√§hrdenden Mengen an krebserregenden Nitrosaminen. Latex-Allergien treten nur vereinzelt auf. F√ľr Allergiker gibt es daher latexfreie Kondome aus Polyurethan. Und sollte der Latex-Geruch als unangenehm empfunden werden, daf√ľr gibt es Kondome mit k√ľnstlichem oder gar keinem Geruch.

pd

Zufällige Beiträge aus der selben Rubrik