Kontroverse Debatte um Layla

14. Juli 2022

Der öffentliche Streit um den „Ballermann-Hit“ geht durch alle Ebenen. Am Ende steht auch die Frage: Schadet oder nutzt er uns?

„Layla“ – der Name geht aktuell durch die halbe Gesellschaft. Denn er ist titelgebend fĂĽr einen Song. Ja, auch fĂĽr eine der schönsten Liebesballaden in der Rockmusik, Eric Claptons Hit aus dem Jahr 1970, aber den meine ich nicht. Die Rede ist von dem seit Wochen die Sharts anfĂĽhrenden „Ballermann-Hit“ der beiden Schlagersänger Robin Leutner aka DJ Robin & Michael MĂĽller aka SchĂĽrze. Inhalt: Ein Puff, das „Luder“ / die Puffmama Layla und … nichts und! Das war es. Wie es so erfolgreiche Partyschlager an sich haben benötigt es auĂźer einem albernen Refrain keinen Inhalt. So eben auch bei Layla.

Und ja, der Song ist weder tiefsinnig noch von inhaltlichem Mehrwert. Er ist sexistisch, machohaft und chauvinistisch. Und die beiden dauergrinsenden Liedsänger können ein im Video ganz schön auf den Sack gehen. Das hindert nur die Leute nicht daran, den Song zu hören und zu kaufen. Vor einiger Zeit wurde er – ja, das war zum Fremdschämen – auf dem Landestagung der Jungen Union Hessen abgespielt. Schon dies sorgte fĂĽr einen kleinen Aufschrei. Nicht aber zu so einem groĂźen wie in dieser Woche. Denn der Veranstalter des WĂĽrzburger Kiliani-Volksfestes hatte angekĂĽndigt, das Abspielen von „Layla“ vor Ort zu verbieten.

Und wir wissen ja, wie sich die Deutschen verhalten, wenn das Wort Verbot ausgesprochen wird. Seitdem toben also die Kommentarspalten auf Sozial Media und unter den wirklich vielen den Medienberichten. Pro und Contra, kein Argument wird ausgelassen. Sogar die Politik, u.a. in persona des Bundesjustizministers Marco Buschmann (der ist ĂĽbrigens gegen ein Verbot), schaltet sich in die Debatte ein. Sein Argument: „Man muss Schlagertexte nicht mögen. Man kann sie sogar doof oder geschmacklos finden. Sie aber behördlich zu verbieten, finde ich, ist eins zuviel.“

Und das ist es letztendlich. Das Lied ist weder gewalt- noch den Nationalsozialismus verherrlichend, er ist weder pornografisch noch jugendgefährdend. Er ist einfach nur wahnsinnig schlecht und absolut dumm. Ein schwer durchsetzungsfähiges Verbot bedarf es letzlich nicht. Zumal, und das ist wohl längst eingetroffen, damit eher das Gegenteil bewirkt wird. Der Streisand-Effekt lässt grĂĽĂźen. Die Hooligans gegen Satzbau haben es treffend formuliert: “ Vielleicht sollten wir uns als Gesellschaft auch mal damit abfinden, dass dumme Menschen und Betrunkene einfach auch dumme und betrunkene Musik hören.“ Ja, die Gesellschaft muss „Layla“ aushalten. Dazu gehört aber auch das Lied und deren Autoren zu kritisieren. Und letztere mĂĽssen sich Fragen zu Sexismus und deren Freuenbild gefallen lassen.

Ăśbrigens, falls jetzt irgendwer, der die Beiträge hier auf Rotlicht.de nicht kennt, sich fragt, wie denn ein Erotikportal wie das unsere ein Lied wie Layla schlecht finden kann. Das ist kein Widerspruch. Sexarbeitende, und das ist von jeher unser Anspruch, sind Menschen wie du und ich, Menschen die Achtung und Respekt verdienen, die aber leider immer mit Stigmatisierungen und gesellschaftlichen HerabwĂĽrdigungen zu kämpfen haben… Ein Lied wie Layla brauchen also weder wir noch die Prostituierten. Ja, manchmal sind sie jung, schön, geil. So werben viele immerhin auch bei uns und anderswo ganz explizit. Sogar mit noch viel deutlicherer Sprache. Nur tun sie das selbst oder beauftragen jemanden. Und sie tun das nur auf einem Portal fĂĽr Freier, also fĂĽr Erwachsene, die auf der Suche nach entgeltlichem Sex sind. Layla wirbt nicht. Sie wird von zwei Freiern besungen und objektifiziert. Wohlgemerkt im öffentlichen FSK0 Raum. Die „Layla-Hommage“ impliziert vielmehr, dass die Besungene den beiden Clowns Robin und SchĂĽrze in Persona zu eigen, dass sie verfĂĽgbar und getrost auf Ă„uĂźerlichkeiten reduzierbar ist – immer.

Warum die Layla im Video von einem Mann dargestellt wird lieĂźe sich jetzt interpretieren. Vielleicht ist es, weil sich die Sänger selbst nicht so ernst nehmen und sich damit auf die Schippe nehmen wollen. Vielleicht, weil ein Shitstorm erwartbar war und sie diesen damit abflachen wollten. Immerhin ist es ja „witzig“, immerhin machen sie damit keine weibliche Darstellerin angreifbar. Wer weiĂź. Man braucht Ballermannlieder aber gar nicht interpretieren. Das brauchte man schon nicht bei Krauses nackten Frisösen, bei HĂĽftgolds dicken Titten oder bei Lorenz BĂĽffels Schnaxeln. Es sind Lieder fĂĽr Betrunkene. Es sind Partyhits die wie viele weiterer mit Stereotypen, flachem Inhalt und mit Refrains, die auch noch mit 2 Promille im Blut mitgrölbar sind. Was geht da besser als mit Sexismus – leider.

Bei Layla gehen derzeit aber auch Kritiker steil, indem sie meinen, das Lied wĂĽrde Produktplatzierung fĂĽr Prostitution sein und Sexkauf verherrlichen. Ok, kann man so sehen. Was jene Zuwortmelder dabei aber teilweise nicht auĂźen vor lassen, ist die Gelegenheit am Schopfe zu packen, um bspw. von den angeblichen 400.000 im verborgenen arbeitenden und ausgebeuteten Frauen in Deutschland zu schwurbeln.

Das Teilen von abolitionistischen Ressentiments und Falschbehauptungen in diesem Zusammenhang schadet nur einmal mehr der real wichtigen Debatte um die Legalität und Anerkennung von Sexarbeit. Und hier tut ein Lied wie Layla nicht gut. Es ist weder förderlich noch zuträglich. Ganz im Gegenteil.

Oder kommt es gar ganz anders? Indem beispielsweise die hessische Junge Union wenig an Layla auszusetzen hat oder ein CDU-Bundesminister indirekt das Thema Kunst- und Meinungsfreiheit ins Spiel bringt…, sich damit das politisch konservative Lager ein stückweit mehr gegen Prostitutionsverbote in den Diskurs einbringt, könnte (neben der sicherlich einmal mehr notwendigen Sexismusdebatte) die Grundsatzdebatte um die Legitimität der Sexarbeit in eine wieder liberalere Richtung geschoben werden.

Was uns „Layla“ jetzt bringt ist schwer vorherzusehen. Vielleicht leistet sie der Agenda der Abolitionisten Vorschub. Vielleicht aber weicht sie die verhärteten Fronten Pro und Contra die Prostitution auch etwas auf und verlockt den einen oder die andere politische Persönlichkeit zu Statements zugunsten einer sachlich und nicht ideologisch gefĂĽhrten Diskussion zur Sexarbeit.

Vielleicht kann sie auch dafĂĽr sorgen, dass letztlich alle von der Sexarbeit profitierenden Lager den Spiegel vors Gesicht halten – und sei es nur kurz – um sich zu fragen: Wie halte ich es mit der Wertschätzung?

rde

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