Kriminologische Forschungsinstitut ├╝bernimmt Evaluation des ProstSchG

29. Juni 2022

Untersuchung soll bis zum 1. Juli 2025 dem Deutschen Bundestag vorgelegt werden

Wie das Bundesfrauenministerium gestern offiziell bekannt gab (hier), ist das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. mit der Evaluation des „Gesetz zum Schutz von in der Prostitution t├Ątigen Personen“ beauftragt worden. Die Untersuchung des 2017 in Kraft getretenen Gesetzes ist in selbigem festgelegt.

In ┬ž 38 hei├čt es:
„Das Bundesministerium f├╝r Familie, Senioren, Frauen und Jugend evaluiert die Auswirkungen dieses Gesetzes auf wissenschaftlicher Grundlage unter Einbeziehung der Erfahrungen der Anwendungspraxis und eines wissenschaftlichen Sachverst├Ąndigen, der im Einvernehmen mit dem Deutschen Bundestag zu bestellen ist. Die Evaluation setzt am 1. Juli 2022 ein. Der Evaluationsbericht ist dem Deutschen Bundestag sp├Ątestens am 1. Juli 2025 vorzulegen.“

Laut Pressestelle des BMFSFJ wurde das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen „in einem europaweiten Vergabeverfahren und einvernehmlich mit dem Deutschen Bundestag ausgew├Ąhlt“. Aufgabe des Instituts werde es nun sein, mittels wissenschaftlicher Methoden zu ├╝berpr├╝fen, ob das ProstSchG seine Ziele wie u.a. die Eind├Ąmmung von Menschenhandel und Zwangsprostitution oder die beh├Ârdliche Erfassung aller in der Prostitution t├Ątigen Menschen erreicht habe? Kl├Ąren wolle man zudem die Fragen, wie sich das Gesetz auf die Sexarbeiter:innen als auch die Betreiber:innen von Prostitutionsst├Ątten ausgewirkt habe.

Warum gerade ein kriminologische Forschungsinstitut f├╝r die Evaluation einer legalen T├Ątigkeit zust├Ąndig sein soll, erschlie├čt sich einem nach der Lekt├╝re der Pressemitteilung jedoch nicht. Hier hei├čt es lediglich, das KFN arbeite mit wissenschaftlichen Methoden. Eine Selbstverst├Ąndlichkeit also als Begr├╝ndung. Hmmm. Aber warum denn nun ein kriminologisches Institut? Laut Selbstverst├Ąndnis des KFN, betreibe und f├Ârdere es als selbstst├Ąndige Forschungseinrichtung grundlagen- und praxisorientierte kriminologische Forschung. Zu dessen Forschungsberichten der vergangenen Jahre geh├Âren bspw. Arbeiten zu den Themen Rockerkriminalit├Ąt, „Cyberangriffe gegen Unternehmen“ oder „Strafvorschriften zur Bek├Ąmpfung des Menschenhandels„.

Menschenhandel! Hier liegt also einmal mehr der Hase im Pfeffer. Das Bundesfrauenministerium weicht trotz gegenl├Ąufiger Erkenntnisse der letzten 20 Jahre seitens der Bundeskriminalstatistik und dem „Bundeslagebild Menschenhandel“ nicht vom stigmatisierenden und victimisierenden Meinungsbild ab, Prostitution werde zu gro├čen Teilen aufgrund von Entf├╝hrung, Zwang und N├Âtigung durch Dritte ausge├╝bt. Ein Meinungsbild, dass Sexarbeitende pers├ę zu Opfern stilisiert. Ein Meinungsbild das aktuell wieder von abilitionistischen Einzelpersonen und Organisationen inflation├Ąr und fl├Ąchendeckend verbreitet sowie von Medien und -formaten unkritisch angenommen wird. Ein Meinungsbild, mit welchem stets ├╝ber ein riesiges Dunkelfeld geraunt wird. Dieser Denke zufolge sei kriminologische Forschung zum Thema Sexarbeit a priori die einzig angebrachte ForschungÔÇŽ. Na dann passt es ja auch, dass hannoveranische Institut den Zuschlag bekam.
Zum Vermerk: Die wissenschaftliche und methodische Arbeit des KFN soll hier nicht im Mindesten in Zweifel gezogen werden. Einzig die Auftragsvergabe durch das Bundesministerium.

Bleiben wir gespannt, was die Evaluation hergeben wird. Und bleiben wir gespannt, dass bis zum Forschungsabschluss die derzeitigen, unredlich gef├╝hrten Kampagnen kontra Sexarbeit und Freier – demnach auch kontra die aktuelle Gesetzeslage – m├Âglichst wirkungslos verpuffen und ab 2025 vom Tisch sein werden.

rde

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