Männer gehen heimlich ins Bordell, Frauen öffentlich …

16. Juli 2013

Tag der offenen Tür zog hunderte Besucher in Schalksmühler Bordell

Das der öffentliche Umgang mit dem Thema Rotlichtmilieu paradox und teils schizophren ist, wird mindestens an der Tatsache deutlich, dass es einerseits mehr als eine Millionen Freier pro Jahr in Deutschland geben soll, aber andererseits keiner zugibt zu einer Sexarbeiterin zu gehen oder je gegangen zu sein – kaum jemand outet sich freiwillig und offiziell als Bordellgänger. Die Scham, die Angst vor Anfeindungen ist groß – hinterrücks dann wird das Gewerbe häufig diskriminiert.

Daneben bedienen sich die härtesten Gegner von Prostitution und Co. gängiger Klischees, Falschbehauptungen und schwurbeliger Floskeln.

In der Nordrhein-Westfählischen Gemeinde Schalksmühle öffnete zuletzt der Erotik-Club Golden House seine Pforten, um allen Interessierten einmal die Möglichkeit zu bieten, abseits des sonstigen Betriebs, einen Einblick in des Haus zu bekommen, mit den Prostituierten ganz privat zu sprechen und sich von der Seriösität im Club zu überzeugen. Zwar steht das Bordell wahrscheinlich kurz vor dem Aus, da der Immobilienbesitzer die Mieterin aus dem Gebäude heraus haben will, es aber nicht an diese verkaufen möchte. Aber davon ließ sich die 29-jährige Bordellbetreiberin nicht abschrecken und hielt daran fest, den „Tag der offenen Tür“ zu veranstalten. Mit Erfolg.

Wie das Onlineportal come-on.de berichtet sollen mehrere hundert Besucher mit Interesse, Neugier und Aufgeschlossenheit in das Golden House gekommen sein. Vornehmlich Frauen machten sich von zu hause auf und lernten das Bordells sowie deren Mitarbeiterinnen kennen und informierten sich über das Leben der Prostituierten. Zudem soll die Akzeptanz und der Zuspruch gegenüber der jungen Unternehmerin mehrheitlich positiv gewesen sein, heißt es.

Wenn sich jenes Konzept der Transparenz durchsetzen würde, also viel mehr Rotlichtbetriebe ab und an einen Einblick in ihre Räume gewähren würden, wäre das vielleicht ein Schritt hin zu mehr öffentlicher Akzeptanz. Natürlich bedeutet das auch, dass die Gegner der Prostitution ihrem eigenen widersprüchlichen Denken Einhalt gebieten müssten. Denn einerseits fordern sie Transparenz aber andererseits verlautbaren sie häufig, solche oder ähnliche Aktionen (u.a. auch Einlass von Fernsehteams und Journalisten) dienten ausschließlich der PR – ein „Tag der offenen Tür“ sei reine Werbemaßnahme. Hier mag man noch mal anmerken: Natürlich ist es eine Werbemaßnahme, aber warum auch nicht? Warum sollen seriöse und vorbildliche Betriebe eines legalen Gewerbes nicht öffentlich auf sich aufmerksam machen und Aufklärung leisten?

Es bleibt dem Golden House ein Weiterbestehen nur zu wünschen …

rmv

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