Mehr oder weniger Prostitution? Was bringt uns die Fußball-EM?

Was passiert eigentlich, wenn in einem Land ein sportliches Großereignis von weitreichendem sozialen und wirtschaftlichem Interesse – wie demnĂ€chst die Fußball-EM – stattfindet? Na? Genau! Die illegale Prostitution steigt in ungeahnte Höhen, tausende Sextouristen strömen ins Land, Ausbeutung wohin das Auge reicht und so weiter und so fort. NatĂŒrlich stimmt das nicht! Aber dennoch streuen insbesondere die Gegner:innen des Sexgewerbes jedes Mal aufs Neue dieses MĂ€rchen. Erfolgreich. Denn immer wieder nehmen unterschiedlichste Medien diese Geschichte fĂŒr bare MĂŒnze und verbreiten sie krĂ€ftig weiter.

Sieht man einmal zurĂŒck, haben Welt- und Europameisterschaften, Olympia und Co. eigentlich immer das Gegenteil gezeigt. Bordelle blieben weitestgehend leer, Missbrauchsstraftaten nahmen nicht das befĂŒrchtete, gewaltige Ausmaß an. Diverse seriöse Auswertungen und Datenlagen gibt es mindestens seit der Fußball WM 2006 in Deutschland. Doch bekanntlich interessiert sich niemand fĂŒr Richtigstellungen und nachtrĂ€gliche AufklĂ€rung. Der emotionalisierte, dystopische Aufschrei, das „den Teufel an die Wand malen“, die Hexenjagt etc. sind es, die die Menschen an sich binden und sich in deren Köpfe festsetzen. In unserem Fall schafft es diese Legendenbildung erfolgreich, Prostituierte a priori als Opfer und Freier als TĂ€ter zu bestĂ€tigen.

GlĂŒcklicherweise gibt es auch Ausreißer, die nicht auf den populistischen Zug aufspringen und hinter diese Urban Legend blicken. Nichts an seiner Richtigkeit hat beispielsweise der 9 Jahre alte Artikel „Die Spur der 40.000 Prostituierten – Ein GerĂŒcht und sein Weg in die Medien“ von Deutschlandfunk Kultur verloren. Der Autor J. Delcker stellt sich darin die Frage, ob die Zahlen, wonach wĂ€hrend der Fußball-WM 2006 zehntausende Sex-Arbeiterinnen aus Osteuropa nach Deutschland geschleust worden seien, ĂŒberhaupt stimmen. Es geht um falsche Quellen, jede Menge viralen Klatsch, eine ErzĂ€hlung, der man nicht Herr werden kann und skandalisierender Berichterstattung. Es geht gar um eine akribische und fast unmögliche Spurensuche zurĂŒck zur Quelle des GerĂŒchtes.

Daher unsere absolute Empfehlung:

Deutschlandfunk Kultur
„Die Spur der 40.000 Prostituierten
Ein GerĂŒcht und sein Weg in die Medien“
vom 29.01.2015

Gerne auch unsere frĂŒheren BeitrĂ€ge auf Rotlicht.de lesen (hier oder hier oder hier).

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