OsnabrĂŒck ist keine „Hochburg der Prostitution“

1. Oktober 2012

Film von Rita Knobel-Ulrich gab den Anstoß

Die Stadt OsnabrĂŒck will keine „Hochburg der Prostitution“ sein. Das schrieb dieser Tage die OsnabrĂŒcker Zeitung auf ihrem Onlineportal. So stellen die Stadt und die ansĂ€ssige Projektgruppe „Milieu“ der Polizei anhand einiger Zahlen klar, dass die Rotlichtszene auf einem Ă€hnlichen Niveau zu vergleichbaren StĂ€dten liege. Doch warum sollte OsnabrĂŒck eine Hochburg sein? Was war der Anlass? Hintergrund war eine Reportage des ZDF vom April dieses Jahres, welche u.a. die Polizei der niedersĂ€chsischen Großstadt bei ihren Kontrollen begleitete.

Unter dem Titel „Menschenhandel in Europa. Billignachschub fĂŒr deutsche Puffs.“ informierte die ZDFzoom-Dokumentation von der Journalistin Rita Knobel-Ulrich ĂŒber Zwang und Freiwilligkeit von Prostituierten in Deutschland. Kurze Einblicke werden in Etablissements und Wohnungen u.a. in OsnabrĂŒck, Berlin, Bonn und im Saarland gewĂ€hrt, es wird versucht weitreichende EinflĂŒsse rumĂ€nischer MenschenhĂ€ndlerringe aufzuzeigen.

Der Film ist, im Vergleich zu manch anderen Formaten und Reportagen, zwar durchweg gut gemacht, dennoch ist er nicht völlig befreit von Falschbehauptungen und Verallgemeinerungen. So hĂ€lt sich auch bei Knobel-Ulrich die MĂ€r: „In Deutschland gibt es fĂŒr jede Eckkneipe und jede Dachwinkelneigung mehr gesetzliche Vorschriften, als fĂŒr ein Bordell“. Dennoch begleitet das Kamerateam stets Polizeibeamte und Steuerfahnder bei diversen Kontrollen. Da stellt sich schon die Frage, warum die Polizei dann Kontrollen und Razzien durchfĂŒhren darf, wenn es keine gesetzliche Regelungen fĂŒr Bordelle und Co. gebe?

Auch wird erwĂ€hnt, dass eine EU-Studie festgestellt habe, dass das liberale deutsche Prostitutionsgesetz zu mehr Prostitution und Menschenhandel gefĂŒhrt hat.“ Zwar wird nicht gesagt, welche Studie das sein soll, aber wahrscheinlich bezieht sich die Aussage auf die nicht unumstrittene Studie der UniversitĂ€t Göttingen. Hier ist die Studie nachzulesen.

Das Fazit der Autorin: „Das Prostitutionsgesetz: Gut gemeint. Nicht gut gemacht!“ Knobel-Ulrich fordert schleunigst Handlungsbedarf beim Prostitutionsgesetz und beim Umgang mit ZuhĂ€lterbanden. Zumindest hĂ€lt sie Prostitution an sich nicht fĂŒr sittenwidrig und schlecht.

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