Pro

Was spricht f√ľr Prostitution und Sexarbeit?

1. Jeder Mensch hat ein Recht auf Selbstbestimmung.

2. Jeder Mensch hat eine freie Wahl der Arbeitst√§tigkeit.

3. Die freiwillig ausge√ľbte Prostitution ist eine autonome Entscheidung des Einzelnen. Sie sollte zudem bereits mit der Erlangung der Vollj√§hrigkeit getroffen werden k√∂nnen. Eine Arbeitserlaubnis ab 21 Jahre ginge hingegen an der Wirklichkeit Vorbei, da hier nicht, wie bspw.in Berufen aus dem Bereich der Personenbef√∂rderung oder auf Grundlage des Sprengstoffgesetzes, andere Menschen vor der Unerfahrenheit der Berufseinsteiger zu sch√ľtzen sind. Warum sollten also Prostituierte vor sich selbst gesch√ľtzt werden m√ľssen.

4. Eine √∂ffentliche Pr√§senz bewirkt mehr Sicherheit und weniger Gesundheitsrisiken f√ľr die Sexarbeiter/innen.

5. Nur wenn Prostitution legal ist, kann klar zwischen Sexarbeit auf der einen Seite und ‚ÄěMenschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung‚Äú sowie Vergewaltigung auf der anderen Seite getrennt werden.

6. W√ľrde Sexarbeit kriminalisiert, w√§re die rechtliche Sicherheit der Sexarbeiter/innen kaum noch gew√§hrleistet.

7. Tatbest√§nde wie Vergewaltigung, gemeinschaftliche Vergewaltigung, N√∂tigung, Freiheitsberaubung oder K√∂rperverletzung werden bereits ausreichend durch gesetzliche Regelungen abgedeckt. D.h. auch Prostituierte werden durch die Sanktionierung entsprechender Rechtssverletzungen gesch√ľtzt.

8. Prostitution ist nicht das gleiche wie Zwangsprostitution, denn ersteres ist eine berufliche T√§tigkeit. Dabei wird kein K√∂rper verkauft sondern eine sexuelle Dienstleistungen gegen Entgelt angeboten.

9. Eine √Ąchtung und Stigmatisierung der Sexarbeiter/innen ist nicht mit ethischen und humanistischen Grunds√§tzen vereinbar.

10. Zum Thema freiwillige Berufsaus√ľbung: Freiwilligkeit ist nicht daran gekn√ľpft, ob jemand etwas gerne oder nicht gerne tut. Somit darf einem/r ungl√ľcklichen Sexarbeiter/in nicht pauschal unterstellt werden, den Beruf unter Zwang auszu√ľben. Von einer Vermischung der Begriffe ‚Äěfreiwillig‚Äú und ‚Äěgerne‚Äú muss deutlich Abstand genommen werden.

11. Nur in einem Land, in dem Prostitution uneingeschr√§nkt legal ist, k√∂nnen Sexarbeiter/innen Sozialversicherungen abschlie√üen, in die Rentenkassen einzahlen, steuer- und arbeitsrechtliche Anspr√ľche geltend machen, ihren Lohn einklagen usw..

12. Jeder Berufst√§tige m√∂chte in seinem Job verst√§ndlicherweise angenehme und sichere Arbeitsbedingungen vorfinden. Damit auch Sexarbeiter_innen, ob nun in einem Besch√§ftigungsverh√§ltnis befindlich oder selbst√§ndig t√§tig, sicher und unter gewissen Standarts in Bordellen, Laufh√§usern, Clubs etc. arbeiten k√∂nnen, muss gesetzlich weiterhin gelten, dass sich Betreiber/Vermieter bei Schaffung jener Standarts nicht der ‚ÄúF√∂rderung der Prostitution‚ÄĚ strafbar machen. Auch d√ľrfe diesen damit nicht pauschal unterstellt werden, die dort eingemieteten Frauen seien eigentlich scheinselbstst√§ndig. Zu sicheren Arbeitsbedungungen z√§hlt ebenso, dass Prostituierte ‚Äď allein aus pers√∂nlichkeitsrechtlicher Sicht ‚Äď von Seiten des Staates vor beh√∂rdlicher Willk√ľr, Stigmatisierung, Zwangsouting und -registrierung gesch√ľtzt werden.

13. Vermeindlich unzureichende Handlungsspielr√§ume und Kontrollm√∂glichkeiten der Polizeibeh√∂rden sind im Gegensatz zu h√§ufig verlautbarten Behauptungen keine Sache eines wie auch immer gearteten Prostitutionsgesetzes. Entsprechende rechtliche Regelungen und Befugnisse sind ausschlie√ülich im Polizeigesetz verankert ‚Äď zudem L√§ndersache. Dass die Entkriminalisierung der F√∂rderung der Prostitution nach ¬ß 180 a Abs. 1 Nr. 2 StGB a.F. die polizeilichen M√∂glichkeiten zur Kontrolle des Milieus einschr√§nke und dadurch Zwangsprostitution und Menschenhandel beg√ľnstige, ist indes unbewiesen. Ebenso etwaige Verlautbarungen, Sexarbeit f√§nde pers√© in einem kriminellen Umfeld statt. Mit solchen Behauptungen werden statt dessen gezielt √Ąngste, Klischees und Abwehrhaltungen gegen√ľber Prostitution erzeugt.

14. Das vermehrte Aufkommen von Armutsprostituierten aus z.B. Bulgarien und Rum√§nien hat seine Ursache nicht in der Liberalisierung der Prostitution in Deutschland, sondern in der EU-Osterweiterung.

15. Der Wunsch/das Bed√ľrfnis nach Sex sowie dessen Ausf√ľhrung ist ein menschliches Grundbed√ľrfnis und somit weder gesellschaftlich noch politisch zu unterbinden ‚Äď Verbot (Prohibition), Repression oder Segregation daher v√∂llig realit√§tsfern.

16.¬†Sexarbeit ist viel zu facettenreich, als dass man es pauschal auf nur ein paar Professionen eingrenzen k√∂nnte. Beispiele (hier jeweils die weibliche Form): Prostituierte in Bordellen, Clubs, Terminwohnungen oder auf dem Stra√üenstrich, Dominas, Escorts, Callgirls, Thai- und Tantramasseurinnen, Sexualbegleiterinnen/-assistentinnen, Pornodarstellerinnen, Livecam-Girls (Sybersex) uvm.. Sexarbeit als Haupterwerbst√§tigkeit ist die eine Sache. Daneben gibt es etliche Hobby- und Gelegenheits(prostituierte), Frauen, die √ľber Auktionsb√∂rsen, Crowdfunding- und Seitensprungportalen oder auch im erweiterten Bekanntenkreis private Sex-Treffen gegen ein Entgelt anbieten um damit ihre Haushaltskasse etwas aufzustocken.