Prostitution in der Geschichte: Mädchenhandel vor einhundert Jahren

6. August 2012

Berlin und Bremerhaven zeigen Ausstellung „Der Gelbe Schein. Mädchenhandel 1860 bis 1930“

Leider hat das Geschäft mit der Prostitution stets seine Schattenseiten. Ein weitgehend unbekanntes Kapitel der europäischen Geschichte als auch der Prostitution wird aktuell in einer Ausstellung der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum und des Deutschen Auswandererhauses Bremerhaven zum Leben erweckt. Zeitgleich, aber mit unterschiedlichem Schwerpunkt, behandeln beide Häuser einen wichtigen Ausschnitt der jüdischen Sozialgeschichte.

Unter dem Titel „Der Gelbe Schein. Mädchenhandel 1860 bis 1930“ werden FundstĂĽcke aus weltweiten Archiven präsentiert, anhand von Bildern, Texten, Landkarten, Briefen und Audiodokumenten die Schicksale von zur Prostitution genötigten Frauen dokumentiert.

In der Ausstellungsbeschreibung heiĂźt es:

„Der Gelbe Schein. Mädchenhandel 1860 bis 1930“ ist eine gemeinsame Ausstellung der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum und des Deutschen Auswanderhauses Bremerhaven. Sie greift ein bislang ungeschriebenes und weitgehend unbekanntes Kapitel der europäischen Massenauswanderung auf. „Der Gelbe Schein“, ein umgangssprachlicher Ausdruck für den Prostituierten-Ausweis im vorrevolutionären Russland, ist ein Symbol für die Zwangslage vieler junger Frauen in jener Zeit: Ein Umzug vom Shtetl in Städte wie Moskau oder St. Petersburg war Jüdinnen in Russland offiziell nur erlaubt, wenn sie sich als Prostituierte registrieren ließen. Auch in Österreich-Ungarn und im Deutschen Reich hatten junge Mädchen aus den ärmeren Bevölkerungsschichten oft keine andere Überlebenschance, als ihren Körper zu verkaufen. Eine Auswanderung in die Neue Welt wurde für sie fast immer zur riskanten Gratwanderung: Sie suchten Arbeit in Privathaushalten, Gaststätten oder Tanzpalästen und landeten im Bordell. Mit Gewalt verschleppt, mit märchenhaften Versprechen verführt oder aus freien Stücken? Die Diskussion darüber wurde schon damals vehement geführt. Um die Wende zum 20. Jahrhundert bildeten sich zahlreiche Komitees und Initiativen zur Bekämpfung des „internationalen Mädchenhandels“.

Ingeborg Bachmann sagte einmal: „Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine SchĂĽler“. Ob das zutrifft, darĂĽber muss sich jeder Besucher der Ausstellung wohl ein eigenes Bild machen. Sicher ist nur, dass ja ĂĽber Freiheit und Zwang im Rotlichtgewerbe auch heute noch kontrovers diskutiert wird.

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