Prostitution und Kirche im Mittelalter

12. März 2021

Die käufliche Liebe ist schon so alt wie die Menschheit selbst. Schon immer gab es Frauen und auch Männer, die ihren Körper aus den unterschiedlichsten Gründen für erotische Abenteuer verkauften. Zwar tauchte der Begriff der Prostituierten erst im späten Mittelalter auf, dennoch hat der käufliche Sex die Epoche stets begleitet. Auch die Kirche war zum Teil involviert und duldete die Prostitution im Mittelalter nicht nur.

Prostitution ist so alt wie die Menschheit selbst
Bis heute ist die Prostitution ein Thema, über das man meist nur hinter vorgehaltener Hand spricht. Huren sind nach wie vor oft geächtete Frauen, die tabuisiert werden. Auch früher waren die Huren, die im Mittelalter als öffentliche Frauen bezeichnet wurden, ein Tabu. Dennoch gab es auch schon damals immer wieder die Möglichkeit, sich Liebesdienste zu erkaufen ohne dafür gescholten zu werden. Als Mann hatte man damals bereits einen Freifahrtschein, der nur die Liebesdame beschuldigte, dem Mann aber keinerlei Schuld angedieh. Unverheiratete Männer durften sich bei den sogenannten öffentlichen Frauen abreagieren. Selbst die Kirche hieß dies gut, denn so wollte man damals sexuelle Gewalt an unschuldigen Damen verhindern. Als eine Art Kloake, in der sich Männer abreagieren konnten und so ihre Kräfte in eine bestimmte Richtung bringen konnten, wurden die mittelalterlichen Prostituierten bezeichnet.

Doppelmoral damals wie heute
Einerseits galten die Prostituierten des Mittelalters also als eine Art Ventil, an der sich Männer vergehen konnten. Andererseits wurden die Dirnen fĂĽr ihre Tätigkeit von den Obrigkeiten der Kirche und natĂĽrlich auch von vielen BĂĽrgern des Mittelalters verachtet. Mancherorts mussten die Liebesdienerinnen sogar ein Zeichen an der Kleidung tragen, die die Prostituierten von den normalen BĂĽrgern der Mittelalters unterschieden. Die sogenannten Schandfarben, die in Teilen der Kleidung, zum Beispiel als Tuch oder Kopfschmuck getragen werden mussten waren: Gelb, GrĂĽn oder auch rot. BĂĽrgerliche Frauen des Mittelalters durften oder konnten sich nicht durch zierende Kleidung schmĂĽcken. So konnte man die als Prostituierte tätigen Frauen schnell von den ehrbaren BĂĽrgerinnen des Mittelalters unterscheiden. Historiker nennen heute noch den Begriff „HĂĽbschlerinnen“ als eine der ersten Bezeichnungen fĂĽr die Prostituierte.

Frauenhäuser waren früher etwas anderes als heute
Gelten Frauenhäuser heute als Schutzort für Frauen in bedrohlichen Situationen. Doch im Mittelalter waren Frauenhäuser Bordelle, in denen Prostituierte meist eine gewisse Anzahl an Herren zu bedienen hatte. Am Frauenhaus, dass oft der städtischen Institution oder aber auch einem Privatmann gehörte, verdienten die Stadtherren mit, denn die Frauen gehörten der Stadt und wurden mit Frauenhausregeln zu ihrer Tätigkeit gezwungen.

Als Frauenwirt wurden Männer bezeichnet, die zwar über einen gewissen Reichtum verfügten, jedoch eher als ehrlos galten. Der Frauenwirt bot seine Damen oft auch als Gäste auf Festen und Umzügen an. Die hübschen Frauen nahmen so an wichtigen Veranstaltungen des mittelalterlichen Stadtlebens teil. Zwar wurden die Huren des Mittelalters als Zwangsarbeiterinnen eingesetzt, jedoch wurden Sie durch ihren Wirt bei Krankheiten oder einer Schwangerschaft gut geschützt und sollten dann nicht mehr ihrer Tätigkeit nachgehen. Außerdem sorgte der Frauenwirt für Essen und Unterkunft der Damen. Seitens der Kirche galten die Damen jedoch als Sündenbock, die sittliche und religiöse Normen schwer verletzten und somit kein Bürgerrecht erlangen konnten.

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