#RotlichtAN – FÜR legales Arbeiten – GEGEN Sexkaufverbot

2. Juni 2020

BesD und BufaS begehen Internationalen Hurentag – Unterstützung der Verbände und deren Arbeit erwünscht!

Am 2. Juni 1975, besetzten mehr als 100 Prostituierte die Kirche Saint-Nizier im französischen Lyon. Ziel der Frauen war es, auf ihre Situation aufmerksam zu machen, denn zu dieser Zeit kam es zu vermehrten Gewalttaten gegen “Sexarbeiterinnen”. Nach zwei Morden und der fehlenden Bereitschaft der Regierung die Situation der Prostituierten zu verbessern, besetzten die Frauen schließlich die örtliche Kirche und traten bis zur Auflösung nach acht Tagen durch die Polizei in den Streik. Dies wird allgemein als Startpunkt der Hurenbewegung angesehen.

Der Internationale Hurentag, der in englischsprachigen Ländern International Sex Workers’ Day genannt wird, findet seitdem jährlich am 2. Juni statt – in Deutschland wurde er erstmals 1989 begangen. Und jedes Jahr werden von Interessensverbänden, NGOs, Beratungsstellen etc. mehr oder minder öffentlichkeitswirksame Aktionen und Events veranstaltet.

45 Jahre später, wir schreiben das Jahr 2020. Was hat sich getan in Sachen Hurenstigma, Gleichberechtigung, Anerkennung der Einnahmequelle Sexarbeit? Tja irgendwie nicht viel. Der Mensch ist Mensch geblieben, da hat sich nichts verändert. Das schließt leider auch Eigenschaften wie Homophobie, Minderheitenverachtung, Doppelmoralität, Sexualfeindlichkeit usw. mit ein.

Für Sexworker ein nicht zu ertragender Zustand. Und die Politik. Indes schreitet die seit einigen Jahren großen Schrittes voran. Nein falsch. Zurück. Sie schreitet rückwärts. Anders sind auch die aktuellen Bestrebungen einzelner Bundestagsabgeordneter nicht zu erklären. Unter dem Vorwand der Chorona-Pandemie holen jene Vertreter die alte „Moral“-Keule raus und schreien ein Verbot von Sexarbeit herbei.

#RotlichtAN

Glücklicherweise leben wir im 21. Jahrhundert. Das wissen mehr und mehr die Hurenverbände und Interessensvertreter_innen für sich zu nutzen. Das heißt sie wissen Internet und sozial media für sich und ihre Anliegen zu nutzen. Da also zurück zum Hurentag. Der BesD und das BufaS begehen den Jahrestag unter dem Motto #RotlichtAN – FÜR legales Arbeiten – GEGEN Sexkaufverbot.

Deutschlandweit finden heute Ausstellungen, Besichtigungen, Workshops und Aufklärungsgespräche statt. Live vor Ort und im Netz. Und ganz im Sinne dieses Jahres, wo Webkonferenzen beinahe an der Tagesordnung stehen, wurde eine Online-Ask a Sexworker-Fragerunde bei ZOOM initiiert.

Man vernetzt sich mehr den jeh, tauscht sich aus, klärt die Öffentlichkeit auf. Bei all dem stehen ganz klar existenzielle Forderung im Vordergrund.

  • „Finanzielle Unterstützung für Sexarbeitende in Not: Sexarbeit hatte schon immer einen hohen Anteil von Menschen, die von einen Tag auf den anderen leben. Aktuell haben sie keinerlei Einnahmen und oft keinen Anspruch auf Grundsicherung o.ä. Der auf Spenden basierende Nothilfe-Fonds des BesD geht zu Neige. Dies sollte eine staatliche Aufgabe sein.
  • Langfristige Perspektiven für die Sexarbeits-Branche: Wir brauchen kein Sexkaufverbot (schwedisches Modell), sondern eine sinnvolle, praxisbezogene Alternative zum ProstituiertenSchutzGesetz. Ziel sind die Verbesserungen von Arbeitsbedingungen, nicht weitere unpassende Regulierungen. Fachwissen der Sexarbeitsbranche sowie der unabhängigen (Sozialarbeits-) Beratungsstellen muss dabei berücksichtigt werden.
  • Zeitplan zur Wiederaufnahme der Sexarbeit nach Corona-Verbot: Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nimmt auch unserer Branche ernst. Wir fordern allerdings Gleichbehandlung mit vergleichbaren körpernahen Dienstleistungen – Hygienekonzepte liegen vor. Wir brauchen einen betriebswirtschaftlichen Planungshorizont, wie lange wir noch ohne Einnahmen überbrücken müssen.“

– Auszuge aus berufsverband-sexarbeit.de –

RotlichtAN

Seitenempfehlungen zum Thema:

Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD): https://berufsverband-sexarbeit.de

Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter (BufaS): http://www.bufas.net/

Aufzeichnung der Online-Ask a Sexworker-Fragerunde auf Vimeo: https://vimeo.com/besd

Spenden und Unterstützung der obigen Verbände sind nicht nur gerne gesehen sondern auch dringend notwendig. Unterstützt deren tolle und wichtige Arbeit! Entweder finanziell oder mit eurer Stimme…

rde

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