Schon gelesen? Gro├čes Interview von Katapult-MV mit Rostocker Escort

11. Februar 2022

Benjamin Friedrich im Gespr├Ąch mit Katharina Pieri

Wie wichtig es ist, dass Medien unvoreingenommen und respektvoll ├╝ber das Thema Sexarbeit und speziell mit Prostituierten sprechen, merkt man umso deutlicher, wenn es denn auch mal gemacht wird. Man kommt sofort raus aus seinem anerzogenen Drang vorzuverurteilen. Denn allzu oft strotzen Berichte, Artikel und Reportagen nur so vor Ressentiments, fest verankerten Klischees und den immergleichen Stereotypen. Leider l├Ąsst sich mit negativen aufgebauschten und teils voller Mutma├čungen strotzenden Berichten ├╝ber Zwangsprostitution und Ausbeutung von jeher mehr Reichweite und Aufmerksamkeit generieren. Bestes Beispiel: die letzten┬áErg├╝sse der Ostseezeitung.

Wie man auf Augenh├Âhe mit Personen in der Sexarbeit spricht, zeigte man k├╝rzlich bei der Greifswalder Konkurrenz, bei Katapult MV. Erst in der Printausgabe, jetzt auch kostenfrei als Onlineartikel. „Die Gesch├Ąftsfrau“ titelt Chefredakteur Benjamin Friedrich. Und genauso ist das Interview mit dem Rostocker Escort Katharina Pieri aufgebaut. Ein kurzweiliges Gespr├Ąch mit einer selbst bestimmten und strukturiert arbeitenden Karrierefrau. Pieri wird dabei mit knappen und ehrlichen Fragen konfrontiert. Suggestivfragen und Kliescheebehaftete Ressentiments bleiben aus. Kein Framing und kein peinlich ber├╝hrter Duktus. Pieris Antworten werden nicht hinterfragt oder relativiert. Eben ein Gespr├Ąch auf absoluter Augenh├Âhe. Die Interviewpartnerin und ihr Job werden tats├Ąchlich von Beginn an respektiert und gewertsch├Ątzt. Krass.

Klingt ja eigentlich selbstverst├Ąndlich f├╝r ein journalistisches Format im Jahr 2022. Leider ist es das aber nicht. Yellowpress, Springer-Erzeugnisse, konservative Medien und voreingenommene Lokalredaktionen haben auch nach 20 Jahren Legalisierung der Sexarbeit ein immenses Problem mit dem Thema „einvernehmlicher Sex gegen Entgelt“. Und das ist mehr als absurd. Denn sobald sich Frauen selbstbestimmt f├╝r die Prostitution entscheiden (Transexuelle und M├Ąnner werden ├╝brigens fast komplett ignoriert), sich anschlie├čend outen, dann wird ihnen von au├čen diese Souver├Ąnit├Ąt oft direkt aberkannt. Stattdessen werden ihnen eine Opferrolle und/oder Gewalterfahrungen in einem fr├╝heren Lebensabschnitt attestiert, sie werden als Spielball irgendeiner Rotlichtlobby gesehen usw. Frauen d├╝rfen in diesem Diskurs einfach nicht selbstbestimmt ├╝ber ihre Sexualit├Ąt entscheiden. In einem anderen gesellschaftlichen Diskurs d├╝rfen sie es ├╝brigens auch nicht, wenn auch die Intention eine komplett gegenl├Ąufige ist. N├Ąmlich beim Thema sexueller Missbrauch in Job und Privatleben. Urpl├Ątzlich wird hier die Wahrnehmung der Frauen als Hysterie und Mitl├Ąufertum einer herabgew├╝rdigten MeToo-Debatte angesehen. Die Belange der wirklichen Opfer werden heruntergespielt. Ja, absurd und suspekt ist das.

Umso dankbarer darf und muss man ├╝ber das oben erw├Ąhnten Interview von Katapult MV sein. Umso Dankbarer muss man auch Katharina Pieri sein, sich dem Interview und damit der ├ľffentlichkeit gestellt zu haben.

Das Interview gibt es hier: https://katapult-mv.de/artikel/die-geschaeftsfrau

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