Schweiz: Das Tessin wird zum „Bordell Europas“

1. April 2014

Oder: Wenn osteurop├Ąische Prostituierte und Freier aus der ganzen Welt auf einen Schlag 2800 qkm Land ├╝berfallen

Das Bordell Europas“ – f├╝r gew├Âhnlich wird Deutschland, manchmal auch ├ľsterreich und ab und an die Niederlande als solches bezeichnet. Nun will uns offensichtlich der Schweizer Kanton Tessin diesen Rang ablaufen. Zumindest, wenn es nach dem ehemaligen Staatsanwalt Paolo Bernasconi geht. So wird er auf 20min.ch mit den Worten „Das Tessin wird zum Bordell Europas werden. Es wird wegen des Gesetzes eine Masseneinwanderung von Prostituierten und Freiern aus der ganzen EU und aus Skandinavien geben“, zitiert.

Masseneinwanderung von Prostituierten und Freiern aus der ganzen EU und aus Skandinavien? Na holla die Waldfee. Aktuell soll es auf 341.652 Einwohner rund 1.000 Sexarbeiter/innen geben. Der Kanton sei bisher vor allem bei der italienischen Kundschaft beliebt. Warum nun soll es mit einer ├╝berarbeiteten Prostitutionsgewerbeverordnung, egal wie liberal diese auch sein mag, denn zu einer Masseneinwanderung kommen? Bzw. wo sollen die ganzen Sextouristen denn alle her kommen? Herr Bernasconi wei├č es wohl selbst nicht so genau.

Zumal sich die vielen Millionen Freier ja bereits in ├ľsterreich, Deutschland und den Niederlanden herumtummeln. Haben die sich dann dort entlich ausgetobt, geht es garantiert erst einmal weiter nach Brasilien. In dem s├╝damerikanischen Staat, welcher 2014 Ausrichter der Fu├čball-WM ist, ist Prostitution bekanntlich ebenfalls legal. Huren und Fu├čball – mehr kann sich ein M├Ąnnerherz kaum w├╝nschen. (Obwohl … sowohl bei der letzten EM in Polen und der Ukraine als auch bei Olympia in England blieb ein Anstieg des Sextourismus ja komplett aus.)

Also, bei solch einer platten und dystopischen Argumentation – von wegen Masseneinwanderung – kann die Antwort nur zynisch sein. Tut mir leid liebe Tessiner. Ein horrend hoher Sextourismus wird es bei euch wohl nicht geben! Vor allem, da wir Deutschen allein – erst recht, seitdem wir nicht mehr Papst sind – den Status des Zuh├Ąlters/Bordellbetreibers Europas auch weiterhin innehaben wollen … .

rmv

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