Sex-Doku im Abendprogramm

11. Oktober 2012

Von Bordellen, Swingerclubs und SM-Studios … – Privatsender Vox wird von Kommission fĂĽr Jugendmedienschutz gerĂĽgt

Die Dokumentation „Spiegel TV: Tempel der Lust – Das Geschäft mit der käuflichen Liebe“ hat die Kommission fĂĽr Jugendmedienschutz auf den Plan gerufen. Laut Pressestelle der KJM habe der Privatsender die Reportage bereits im Abendprogramm, um 20.15, ausgestrahlt und somit eindeutig gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) verstoĂźen. Da es in der Sendung um verschiedene Bordelle und Swinger-Clubs – darunter auch um ein SM- und Fetisch-Studio (Themen u.a. ungewöhnliche Sexualpraktiken wie Atemreduktion, Vollgummierung oder Fesselung) geht, verstößt die verfrĂĽhte Ausstrahlung (also vor 22 Uhr) gegen den Staatsvertrag. Die Inhalte „entsprechen nicht dem Entwicklungsstand von Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren und können von ihnen nicht eingeordnet werden“. Die Kommission mahnte den Kölner Sender folglich an.

Soweit so gut, ist ja auch alles verständlich. Jetzt wird es aber trotzdem seltsam, denn laut Medieninformationen und Pressemitteilung der KJM sei die verfrĂĽhte Ausstrahlung der Vox-Doku einer von insgesamt 16 Verstößen gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags, welche die Kommission im dritten Quartal 2012 feststellte. Jedoch strahlte Vox den „Tempel der Lust“ schon Ende Oktober des letzten Jahres aus. Ja, 20:15 Uhr zwar wirklich aber was hat eine 2011 ausgestrahlte Sendung mit dem 3. Quartal 2012 zu tun? Hat da jemand geschlafen?

Zudem heiĂźt es Jugendmedienschutz-Staatsvertrags der Länder wörtlich: „Die Verfolgung der in Absatz 1 und 2 genannten Ordnungswidrigkeiten verjährt in sechs Monaten.“ Aha! Darum bleibt es wohl bei einer RĂĽge. Andernfalls hätte eine saftige GeldbuĂźe ins Haus stehen können, denn eine „Ordnungswidrigkeit kann mit einer GeldbuĂźe bis zu 500.000 Euro geahndet werden“.

Aber auch die VOX Television GmbH selbst scheint geschlafen zu haben, so hat, „wer länderĂĽbergreifendes Fernsehen veranstaltet, einen Jugendschutzbeauftragten zu bestellen“. Der Jugendschutzbeauftragte des Kölner Unternehmens hatte damals wohl frei gehabt …

Die groĂźe Samstags-Dokumentation „Spiegel TV: Tempel der Lust – das Geschäft mit der käuflichen Liebe“ ist hier weiterhin einsehbar. Gemäß der Jugendschutzrichtlinien jetzt wirklich nur zwischen 22 und 6 Uhr.

rmv

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