Sexarbeit in Berlin schrittweise wieder erlaubt

5. August 2020

Berliner Senat bringt Lockerungen auf den Weg – Geschlechtsverkehr bleibt vorerst tabu

Nach und nach gibt es seit dem Corona-Lockdown vermehrt Lockerungen unter bestimmten Hygienekonzepten. Eine Branche aber darf seit dem 22. M√§rz nicht wieder zur Arbeit antreten. Sexarbeiter_innen. Aufgrund der Coronaschutzma√ünahmen wurde ihnen verboten, ihrem Job nachzugehen. Die Folge f√ľr viele der Betroffenen: keine Einnahmen, keine Perspektive.

Bundesweit folgten einzelne Gerichtsverfahren. So gab es in Mecklenburg-Vorpommern ein Urteil, wonach f√ľr selbst√§ndige Sexdienstleister_innen Haus- und Hotelbesuche legal seien. Kurz darauf wurde die Landesverordnung angepasst und schloss auch dies aus.

Nach ersten Lockerungen in Bayern, keimt jetzt Anfang August wieder Hoffnung auf. Sexarbeit k√∂nnte in Berlin schrittweise wieder erlaubt werden. Zumindest hat das der Berliner Senat am 4. August 2020 auf Vorlage der Senatorin f√ľr Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Dilek Kalayci beschlossen. Dem „Stufenmodell zur Aufhebung des T√§tigkeitsverbotes f√ľr sexuelle Dienstleistungen mit K√∂rperkontakt“ zufolge d√ľrfen solche ohne Geschlechtsverkehr ab dem 8. August wieder angeboten werden. Das betreffe beispielsweise Domina-Studios. Ab dem 1. September dann soll auch Geschlechtsverkehr wieder zul√§ssig sein – nat√ľrlich unter strengen Hygieneauflagen.

Der Senat erklärte in seiner Pressemitteilung:

„Im Hinblick auf die h√§ufig sehr prek√§re Situation der Personen, die in der Sexarbeit t√§tig sind, erscheint es aus gesundheits-, aber auch aus frauenpolitischer Sicht geboten, auch f√ľr diesen Bereich √ľber Lockerungsma√ünahmen nachzudenken, die ein legales Arbeiten erm√∂glichen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Betroffenen aufgrund wirtschaftlicher Notlagen in Abh√§ngigkeitsverh√§ltnisse geraten und im Verborgenen unter gesundheitsgef√§hrdenden Bedingungen ihrer T√§tigkeit nachgehen.“

Zuletzt hatte auch die Deutsche Aidshilfe eine schnellstm√∂glich √Ėffnung gefordert. Vorstandsmitglied Ulf Kristal forderte, Sexarbeit nicht anders zu behandeln als andere T√§tigkeiten mit engem K√∂rperkontakt.

Derweil forderten am 29. Juli rund 80 maskierte Prostituierte, begleitet von hunderten Schaulustigen, auf der Hamburger Reeperbahn die Wiederer√∂ffnung der Bordelle. Unter dem Motto „Herr Tschentscher, wir m√ľssen reden“ hatten ihrem Unmut sie √∂ffentlichkeitswirksam Luft gemacht. „Lieber legal und kontrolliert – als illegal und unkontrolliert“, lautete eine der Forderungen. Auch im weltber√ľhmten Rotlichtviertel sind Bordelle und Am√ľsierlokale wegen der Corona-Pandemie seit mehr als drei Monaten geschlossen.

Unterst√ľtzt wurden die Demonstrierenden vom Leiter des Bezirksamts Hamburg-Mitte, Falko Dro√ümann (SPD). Er stellte den Betroffenen Lockerungen in Aussicht. „Tats√§chlich beabsichtigt die Gesundheitsbeh√∂rde, in Absprache mit unseren Nachbarl√§ndern, zum 1. September die Prostitution in Prostitutionsst√§tten wieder zu erlauben, wenn die Infektionszahlen niedrig bleiben“, so der Beh√∂rdenleiter.

Am selben Tag auf dem K√∂lner Bahnhofsvorplatz, im Schatten des Doms: Mehr als 150 Menschen versammelten sich auch hier zu einer Huren-Demo. Auf Ihren Schildern und Bannern machten sie ihren Standpunkt deutlich. „Wir sind die Diskriminierung leid.“, „√Ėffnet die Bordelle.“ und „Rotlicht an.“ postulierten sie in schwarzen und roten Lettern.

Vor Ort war auch Johanna Weber, Sprecherin des BesD. Die praktizierende Domina erkl√§rte gegen√ľber dem K√∂lner Express: „Wir hatten total viel Verst√§ndnis f√ľr diese ganzen Lockerungspl√§ne, wo wir immer noch nicht vorgekommen sind. Das war uns klar: Wir sind noch nicht dran.“ Mittlerweile aber vermutet Weber: ‚ÄěKein Bundesland hat im Moment Lust, das schmutzige Thema Prostitution anzufassen.“ Ein Unding, immerhin hat der Dachverband ein umfassendes Hygiene-Konzept erarbeitet. Ein Grund mehr, dass die Branche bundesweit ab 1. September wieder arbeiten d√ľrfe.

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