SPD hat nichts gelernt: Nach ProstSchG folgt Prost-Verbot

27. Juni 2019

Ja, die Meldung macht schon seit zwei Wochen die Runde, ist nicht neu. Wer es aber noch nicht mitbekommen hat, der darf sich jetzt noch einmal ganz neu entsetzt zeigen. Denn wie unterschiedliche Medien berichten, streben mehrere F√ľhrungskr√§fte der SPD ein bundesweites Sexkaufverbot, in Anlehnung an das sogenannte Nordische Modell an.

War man bei den Sozialdemokraten bislang eher liberal eingestellt, folgt nun die Kertwende in Richtung Kriminalisierung der Sexarbeit. Obwohl das stimmt eigentlich auch nicht ganz mit der Liberalit√§t. Immerhin hat die SPD unter Federf√ľhrung von Manuela Schwesig ja den Unionsvorsto√ü hin zum alles andere als sch√ľtzenden „Prostituiertenschutzgesetz“ mit begleitet. Und dennoch war der allgemeine Konsenz, dass ein Verbot der Prostitution bzw. das Nordische Modell f√ľr Deutschland und f√ľr die SPD nicht infrage k√§me.

Nun aber scheinen die Sozialdemokraten, speziell um die Bundesabgeordneten Maria Noichl und Leni Breymaier, die ehemalige Ministerin Herta Däubler-Gmelin einen weiteren Schritt in Richtung radikal konservatives Menschenbild zu gehen. Stereotypisierung und verklärt vorverurteilende Ressentiments inklusive. Und auch die alten ausgelutschten Phrasen sind wieder am Start.

So weiß Noichel:

„Mit einer liberalen Prostitutionsgesetzgebung verkommt Deutschland zum Puff Europas.“

Parteikollegin Breymaier lie√ü gegen√ľber der taz verlauten:

„Ich k√§mpfe f√ľr eine Welt ohne Prostitution“.

Ihre Fachkompetenz hat sie durch die Erkenntnis, dass ein Stuttgarter Betreiber zur Beihilfe des Menschenhandels verurteilt wurde sowie den Auftritt von Alice Schwarzer beim von Abolitionistinnen veranstalteten „Weltkongress Prostitution“. 

Na dann sollen Breymaier und Co. doch „k√§mpfen“. Nur, wenn sie genauso tendenti√∂s und h√∂lzern die Probleme in allen Gesellschaftsbereichen angehen, dann m√ľssen sie ganz sch√∂n gewaltig nachziehen:

  • Verbot von Fleischkonsum (weil: Billigl√∂hner, „Lohnsklaven“ in Schlachtereien; weil: Massentierhaltung, K√ľkenschreddern…)
  • Verbot von Spargelkonsum etc. (gnadenlose Ausbeutung von ausl√§ndischen Erntehelfern…)
  • Stigmatisierung von Haushaltshilfen und Reinigungspersonal (k√∂nnen sie ja nicht freiwillig machen, so als Zwangsarbeiter – schlie√ülich

–> siehe dazu die vielen Berichte wie z.B. jenen von Deutschlandfunk Kultur: „Moderne Lohnsklaven in Deutschland“

  • Abschaffung von Pflegeberufen (immer mehr Fachkr√§fte leiden unter extremen, krankmachenden physischen und Belastungen – siehe u.a. BKK-Gesundheitsreport)
  • Kriminalisierung von Haustierhaltung (wegen illegalen Handels mit Hunden und exotischen Tieren – der illegale Jungtierhandel gilt als weltweit drittgr√∂√üter Schwarzmarkt)
  • … Wer hat noch Ideen? Einfach hier nach Lust und Laune was erg√§nzen…

Liebe SPD,

da habt ihr ja noch viel zu tun, ähh zu kämpfen. Immer schön alles persé kriminalisieren. Nur die Missstände der einzelnen Branchen und deren Ursachen zu bekämpfen wäre ja mit Arbeit verbunden.

Macht es euch leicht! Sagt einfach Buuuhhh zur Sexarbeit, verleumdet und entm√ľndigt die Prostituierten (Was ist eigentlich mit den M√§nnern und Transexuellen?), k√§ut immer flei√üig m√∂glichst viel stumpfes Gew√§sch von Schwarzer, Ackerman und Konsorten wieder und dann ist die Welt gerettet vor … ??? … ja vor was eigentlich… ach ja, vor dem b√∂sen macht- und sexbesessenen Triebt√§ter namens Mann.

rde

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