SWR zeigt Reportage über das Rotlichtmilieu

betrifft: „Das boomende Geschäft mit der Prostitution“

In der letzten Woche noch gewährte der Reporter Daniel Lange im Auftrag des Fernsehsenders Sat1 einen Einblick in die Machenschaften von Menschenhändlern. Wie befürchtet, war das Format jedoch durchsetzt von Effekthascherei und fokussierter Emotionalität. Über die Investigativität von „Lange jagt die Menschenhändler“ darf gestritten werden. Klares Manko war, dass der ehemalige Akte-Reporter nicht wirklich undercover unterwegs war, noch war er auf der Jagd – die interwiewten Menschenhändler saßen ja bereits hinter Gittern und von jenem überführten Freier ging nun wirklich keine Gefahr für die Journalisten aus. Vor allem, dass in Sachen Prostitution keine differenzierte und ursachenbasierte Recherche betrieben wurde, ist der Sendung anzulasten. So gab es keinerlei Unterscheidung von Armuts- und Beschaffungsprostitution mit Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung. Es wurde kein Blick auf politische, kulturelle oder gesellschaftliche Hintergründe gerichtet. Die moralische Auseinandersetzung mit diesem wahnsinnig komplexen und somit schweren Thema bestand ausschließlich darin, anhand von Extrembeispielen (die es leider gibt) ein Schreckensbild in die Köpfe der Zuschauer zu pflanzen. Objektiv zu sein war wohl auch gar nicht die Absicht der Macher.

Fazit: Interessant und erschütternd war die Reportage, aber leider auch undifferenziert und einseitig.

SWR-Reportage am 14. Mai

Am kommenden Mittwoch, dem 14. Mai 2014, folgt gleich die nächste Reportage über das Rotlichtmilieu. So wird im SWR Fernsehen in dem Format „betrifft“ der Frage nachgegangen, wer denn die Menschen sind, welche Sexdienstleistungen für Geld anbieten. „Verkaufte Frauen – Das boomende Geschäft mit der Prostitution” lautet der Titel der um 20:15 Uhr ausgestrahlten Sendung. Dem öffentlich rechtlichen Sender zufolge haben die beiden Journalisten Sabine Harder und Edgar Verheyen mehrere Monate im Rotlichtmilieu in Rheinland-Pfalz, Saarland und Baden-Württemberg recherchiert. Da der Titel allerdings auch hier wieder mit einem überaus tendenziösen Duktus hervor sticht, darf bereits vorab zu bezweifeln sein, ob das Fazit der monatelangen Recherche nicht bereits vorher fest stand. In der Art: Prostitution ist keine Sexdienstleistung sondern ein Verkauf von Körper und Seele.

Aber es geht auch anders

Dass sich aber nicht alle undifferenziert und voreingenommen mit Prostitution auseinandersetzen, zeigt folgendes Beispiel. Zeit-Online berichtet über die Hamburger Sozialpädagogin und Leiterin der Beratungsstelle „Sperrgebiet“, Beatrice Hennig, über ihre Arbeit und die Probleme im Stadtteil St. Georg. Der Artikel „Prostitution. Nicht freiwillig, aber auch nicht versklavt“ ist auf zeit.de zu finden.

rmv

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