Venus 2018: Und das war sie jetzt?

„Die Venus 2012 ging am Sonntag zu Ende. Vier Tage lang stand in Berlin Erotik, Sex und Lifestyle ganz oben auf dem Programm. Wirklich Neues oder Überraschendes konnte die internationale Fachmesse jedoch nicht bieten. Auch könnte man meinen, dass das polarisierende öffentliche Interesse verloren gegangen ist. Innovationen suchte man vergeblich, Skandale waren eher SkandĂ€lchen, die Pornobranche feierte sich wie in all den Jahren in gewohnt vorhersehbarer Art selbst und einige etablierte Unternehmen der Sex-Industrie blieben der Venus komplett fern.

Jedenfalls fĂ€llt unser Fazit […] doch relativ ernĂŒchternd aus. Gut, fĂŒr einen großen Teil der Konsumenten hat sich der Besuch sicherlich gelohnt – viel nackte Haut, eine Menge Shows, prominente Darsteller und Models hautnah erleben, hunderte Produkte rund um das sexuelle VergnĂŒgen. Auch fĂŒr die Aussteller […] und Fachbesucher war die Venus bestimmt weitgehend erfolgreich.

Aber was fehlte? […]“

… Wortgetreu beginnt genau so unser Kommentar aus dem Jahr 2012. Heute, sechs Jahre spĂ€ter kann man das getrost so stehen lassen, teilweise sogar noch ĂŒberspitzen.

2013 waren wir dann selbst mit einem Stand dabei (damals noch unter dem Namen „Rotlicht-MV.de“). Und trotz einigen Lobes fanden wir wieder einige nicht von der Hand zu weisende Kritikpunkte:

„… die immer wieder – vor allem von einigen Stammbesuchern – aufkamen. So wurde hin und wieder die Minimierung der MesseflĂ€che oder das Fehlen von internationalen Stars aus Übersee bemĂ€ngelt. Aber das ist sicherlich ein Punkt, den es in Zukunft zu Lösen gilt. Denn nicht nur bei den DarstellerInnen fehlte es an US-Prominenz, auch immer mehr FachhĂ€ndler und Unternehmen haben sich in den letzten Jahren zurĂŒckgezogen (das haben wir ja schon 2012 festgestellt), womit die Venus einiges von ihrer einstigen GrĂ¶ĂŸe eingebĂŒĂŸt hat.“

Auch an diese Aussage schließen wir uns heute an.

Nach der Venus 2018 ist vor der Venus‘ Niedergang?

Nach 2013 waren wir nun erneut als Aussteller in den Berliner Messehallen unterm Funkturm zugegen. Diesmal als Teil des Gemeinschaftsstandes „Zukunft Rotlicht“. Doch wenngleich es Spaß gemacht hat und wir uns gut prĂ€sentieren konnten, eine Zukunft der Venus sehen wir nicht. Zumindest nicht ĂŒber ein paar wenige Jahre hinaus. Nur ein paar Beispiele:

  • Einen Skandal brauchte es natĂŒrlich wie jedes Jahr. Und dieses Mal war es sicherlich kein Marketing-Gag. Wenngleich der Aufschrei auch 2018 ziemlich klein blieb… Der Grund: Domina Charlize. Die Hamburgerin, die vor allem wegen ihrer großflĂ€chigen Tattoos ins Auge sticht, hat da nĂ€mlich eines, ĂŒber das man nicht so einfach hinwegsehen sollte. So prangt gut sichtbar auf ihrem Oberschenkel, in Teilen versteckt hinter einem Totenkopf, ein Hakenkreuz. Die ErklĂ€rung der Hamburgerin indes ziemlich HahnebĂŒchen…
  • Wie die Folgen fĂŒr sie aussehen? Neben dem Imageschaden und dem deutlichem Protest ihrer Kolleginnen und des Veranstalters muss sie auf jeden Fall mit einer Geldstrafe rechnen. Rein rechtlich könnte gar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren auf sie zukommen.
  • Es waren noch einmal spĂŒrbar weniger Fachaussteller zugegen. Schon allein wegen der plötzlich breiteren GĂ€nge und grĂ¶ĂŸeren FreiflĂ€chen muss das am Ende jeder gemerkt haben. Von den Besuchern bekam man in diesem Zusammenhang oft den Unmut ĂŒber die verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hohen Eintrittspreise zu hören.
  • Naja, es gab ein Penis-Rodeo. Aber ob der riesige rosa Phallus die Erotikmesse aufwertete und deren Zukunft retten kann, darf angezweifelt werden.
  • Von vielem gab es weniger. Eine spezielle Gruppe von „Personen“ war aber deutlich grĂ¶ĂŸer geworden. Sexdolls. So sind die uns immer Ă€hnlicher sehenden Puppen (von einigen Proportionen mal abgesehen) mittlerweile kein Kuriosum mehr. Wohin das fĂŒhrt? Wer weiß. Und vielleicht wird die Fachmesse ja schon bald umgetauft in „Automata Erotika“ oder so Ă€hnlich. 😉
  • Und auch im 7. Jahr in folge zeigt Micaela SchĂ€fer Gesicht. ReprĂ€sentantinnen waren nun zwar auch drei weitere Damen, aber seien wir mal ehrlich. Außer einem Teil der Pornokonsumenten und/oder Webcam-Zuschauer sind die niemandem ein Begriff. Ja sie sahen allesamt lecker aus, aber um die Messe national und international schmackhaft zu machen reicht das nicht. Und Micaela? Auch sie wird die Venus nicht retten können. Aber wo wir gerade bei der NamensĂ€nderung waren. Wie wĂ€re der Wechsel von „Venus“ zu „Micaela“?
  • Die Zeiten einer unĂŒbersichtlichen Masse an verliehenen Venus Awards ist dankenswerter Weise passĂ©. Zu viele Preise sind es aber noch immer. Was die ganze Preisverleihung aber ĂŒberhaupt zur Farce werden lĂ€sst, ist die im Raum stehende KĂ€uflichkeit der TrophĂ€en. Da hat sich 2018 nichts zu 2012 geĂ€ndert.
  • Von Veranstalterseite ist 2018 folgendes ĂŒber die Messe zu lesen: „Mit durchschnittlich 250 Ausstellern aus mehr als 40 LĂ€ndern zĂ€hlt die VENUS weltweit zu den grĂ¶ĂŸten internationalen Fachmessen dieser Art.“
  • Dass zu den 250 Ausstellern aber auch die ganzen Pornosternchen zĂ€hlen, das wird natĂŒrlich nicht erwĂ€hnt. Vor allem, wo ist denn die weltweit grĂ¶ĂŸte Erotikmesse geblieben? in 3 Jahren wird wohl nur noch „die VENUS ist eine Erotikmesse“ zu lesen sein.
  • „Mehr als 30.000 Besucher nutzen die Messe genauso wie FachhĂ€ndler und internationale Journalisten, um sich ĂŒber die neuesten Trends zu informieren“, heißt es auf der Webseite des Veranstalters. Das war vorher. Nach der Messe wurde eine deutlich geringere Besucherzahl veröffentlicht. Nur 27.481 sollen es offiziell gewesen sein.

Tut sich nichts, dann geht die Spirale sicherlich weiter. Weniger FachhĂ€ndler –> weniger Besucher –> weniger namhafte Aussteller und Pornosternchen–> weniger GĂ€ste –> höhere Eintrittspreise –> weniger Messebesucher…

rde

Scroll to Top