Warum eine Razzia in der „Finca Erotica“?

Im Dierdorfer FKK-Saunaclub schaffen Frauen an – 150 Beamte ermittelten mehrere Stunden vor Ort

Normalerweise ist es nachzuvollziehen, warum Polizei, Staatsanwaltschaften, Landeskriminalämter und/oder Steuerfahnder Razzien im Rotlichtmilieu durchfĂĽhren. Zumindest ist deren Ziel klar und deutlich erkennbar. So laufen z.B. weiterhin die Ermittlungen zum DĂĽsseldorfer Bordellskandals rund um Bert Wollersheim.

Am vergangenen Samstag fĂĽhrten in Dierdorf (Rheinland-Pfalz), im FKK- und Saunaklub „Finca Erotica“ rund 150 Einsatzkräfte von Polizei, Bereitschaftspolizei und Landeskriminalamt umfangreiche Ermittlungen durch. Ziel der Razzia, so bspw. die Rhein-Zeitung, war die Bestätigung eines Anfangsverdachtes, dass >>im landesweit medial beworbenen Lokal Damen „anschaffen“<<. An dieser Stelle bleibt irgendwie ein riesiges Fragezeichen stehen. Prostitution in einem FKK- und Saunaclub? Doll! Guckt man sich nur mal die Website der seit sechs Jahren bestehenden „Finca Erotica“ an, dann wird einem das Erotikangebot (Erotikkinos, Liveshows, Pole- und Lapdance etc.) des AmĂĽsierbetriebes ganz klar verdeutlicht. Gut, es werden keine Sexdienstleistungen beworben, aber um auf die Idee zu kommen das solche möglich sind, dazu muss man kein Genie sein (Gästebucheinträge, Blogbeiträge …). Am Ende bieten ja die meisten Saunaclubs Sex und Co an. Braucht man fĂĽr diese Erkenntnis nun eine so groĂź angelegte Razzia?

Aber in Dierdorf sitzt der Teufel im Detail. Denn der Betrieb hat Medienberichten zufolge das Prostitutionsgewerbe nicht angemeldet, verfĂĽgt nur ĂĽber eine Konzession fĂĽr einen Gaststättenbetrieb sowie ĂĽber eine Gewerbegenehmigung fĂĽr einen Saunaclub mit FKK. Laut Mitteilungen der Polizei, sei die Razzia auch in dieser Größenordnung durchgefĂĽhrt worden, weil eine Gewaltbereitschaft seitens der Security-Beschäftigten der „Finca Erotica“ vermutet wurde.

Ob 150 Einsatzkräfte am Ende nun notwendig waren, darf bezweifelt werden. Auch muss die Gemeinde/der Landkreis wohl auch erstmal seine eigene Rechtsverordnung ĂĽberarbeiten. So scheint es innerhalb der Kommune und deren Umgebung eine „Grauzone“ zu geben, es nicht eindeutig geklärt sein, ob Prostitution in der Verbandsgemeinde erlaubt ist oder nicht.

Wie es mit der „Finca Erotica“ weitergeht, hängt jetzt wohl von den Ergebnissen der Ermittler, den Entscheidungen des Dierdorfer Ordnungsamtes sowie des Rathauses ab.

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