Wenn CSU-Politiker einen Überwachungsstaat wollen …

7. Januar 2013

Hans-Peter Uhl: „Rotlichtmilieu hauptsĂ€chlich von kriminellen Banden aus dem Ausland beherrscht“

Warum man Hans-Peter Uhl regelmĂ€ĂŸig als vermeintlichen Fachmann fĂŒr Prostitutionsfragen zu Wort kommen lĂ€sst, ist ein RĂ€tsel (auch in diesem Beitrag haben wir uns das gefragt). Mit eloquenten und sachlich fundierten Aussagen zum Thema glĂ€nzt er zumindest nicht. Der Bundestagsabgeordnete und Innenpolitiker macht da eher durch zĂ€nkische und plakative WorthĂŒlsen von sich Reden. Aktuell kommt er auf Schwaebische.de, dem Onlineportal der SchwĂ€bische Zeitung, in einem Interview zu Wort.

Und in diesem GesprÀch ist es nicht anders. So verbreitet er wieder sein eindimensionales und verklÀrtes Weltbild von einem durchweg kriminellen und menschenverachtenden Millieu, welches völlig losgelöst jedweder Kontrolle durch die exikutiven Organe des Staates vor sich hin floriert. Hier seien einmal ein paar Aussagen Uhls zitiert:

– „Die Zwangsprostitution hat sich genauso wie der Menschenhandel immens verstĂ€rkt.“

Leider wird diese Behauptung regelmĂ€ĂŸig von Milieugegnern ohne Erbringen von Beweisen und Zahlen aufgestellt. Zugrunde liegt aber meistens eine Aussage aus der Göttinger Studie von 2011 (im Blog oft thematisiert, z.B. hier), die dann aber unvollstĂ€ndig wiedergegeben wird.

– „Es ist heute ja einfacher ein Bordell zu betreiben, als eine GaststĂ€tte.“

Dieses unwahre Blabla-GewÀsch scheint ein wahnsinnig geliebter Satz Uhls zu sein. Kaum ein Interview zum Thema ohne diese Behauptung. Schade, dass er damit Gehör findet. Und der Abgeordnete setzt in seinem nÀchsten Satz noch einen drauf:

– „In Bordellen können die Betreiber unkontrolliert machen was sie wollen und das ist ein guter NĂ€hrboden fĂŒr KriminalitĂ€t.“

Es ist auch so angenehm einfach, hat man mal einen SĂŒndenbock, aufgrund von EinzelfĂ€llen das ganze Gewerbe zu stigmatisieren.

– „Erstens möchten wir eine Erlaubnispflicht fĂŒr Bordellbetriebe durchsetzen. Durch Razzien könnte dann kontrolliert werden, ob die Auflagen eingehalten werden. […] „Zweitens möchten wir Gesundheitsuntersuchungen fĂŒr Prostituierte zur Pflicht machen.“

Klar, Herr Uhl will einen Überwachungsstaat, eine polizeiliche KomplettĂŒberwachung. NatĂŒrlich bestreitet er das im weiteren Verlauf des GesprĂ€chs. Diese Annahme sei irrefĂŒhrend, so der 68-JĂ€hrige. Außerdem fĂ€nde momentan gar keine Überwachung statt, behauptet er weiter.

– „TatsĂ€chlich herrschen hauptsĂ€chlich organisierte kriminelle Banden aus dem Ausland ĂŒber das Rotlichtmilieu.“

NatĂŒrlich braucht man nicht die Augen davor verschließen, dass z.B. Rockervereinigungen, rumĂ€nische ZuhĂ€lterbanden und einzelne Kriminelle einen bestimmten Bereich beherrschen und damit das allgemeingesellschaftliche Bild der Prostitution prĂ€gen. Aber diese Aussage ist ja nun völlig unqualifiziert und falsch. In welcher MĂ€rchenwelt lebt Hans-Peter Uhl eigentlich?

An dieser Stelle darf man vielleicht mal ebenso oberflÀchlich und vorurteilsbelastet Argumentieren:

Wie soll man einen solchen Umgang mit dem Thema Prostitution auch anders von einem christlich konservativen und patriotischen CSU-Mann erwarten, der Mitglied in einer studentischen Burschenschaft ist, dessen Credo „bedingungslos loyaler Zusammenhalt“ ist, der die Mitglieder des Chaos Computer Clubs als „Pseudo-Computerexperten“ und „moralisch verkommen“ diffamierte, der sich vor terrorverdĂ€chtigen MinderjĂ€hrigen fĂŒrchtet und daher Daten von ZwölfjĂ€hrigen auf Vorrat speichern wollte, der meint, „Killerspiele“ wĂŒrden stets „ĂŒble Instinkte im Menschen wachrufen“, der sich beim Thema AuslĂ€nderpolitik keine Freunde macht …

rmv

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