Wenn Medien „Wahrheiten“ konstruieren

Wie die Bild-Zeitung ├╝ber ein Bordell und einen angeblichen Nachbarschaftsstreit in Delmenhorst berichtetÔÇŽ

Die Bild-Zeitung ist das Sinnbild schlechthin f├╝r eine verquere Doppelmoral. So wird vor allem vom Thema Sexualit├Ąt so unterschiedlich Gebrauch gemacht, das es nur so vor Widerspr├╝chen strotzt – Hauptsache man erzielt damit die gew├╝nschten Effekte. Zum Beispiel lebt das Boulewardblatt (print und digital) von Nackter Haut, vom vermeintlich aufgekl├Ąrten Umgang mit den Themen Erotik und Pornografie. Sex sells… Auf der anderen Seite reiht man sich regelm├Ą├čig in den Kreis der Zeigefinger erhebenden Moralapostel ein, welche Sexarbeit in all seinen Facetten verteufeln.

So geschehen auch in einer Berichterstattung zu einem vermeintlichen Nachbarschaftsstreit in Delmenhorst. „Schr├Ąger Streit um Puff-Parkpl├Ątze Bordell-Besucher parken Siedlung zu“ titelte die Bild k├╝rzlich. Zwar bestach der Bericht weniger durch journalistischen Informationsgehalt als durch eine kleine nichtssagende Fotostory (gut, ist ja bei der Bild so ├╝blich), aber dennoch konnte man erfahren dass es in einer Siedlung in der kreisfreien Stadt ein offensichtliches Problem der Anwohner mit Freiern gebe.

Gestern meldete sich dann das Delmenhorster Kreisblatt zu Wort – genauer einer seiner Redakteure. Wie es in diesem Bericht hie├č, sei der angebliche Nachbarschaftsstreit jedoch reine Fiktion: „vor Ort stellt sich die Situation anders dar als von der Boulevardzeitung geschildert.“ Zu Problemen komme es selten, so das Fazit.

Nun brauchen wir ja nicht viel von der Bild erwarten, schlie├člich wei├č man, dass man es dort nicht so ernst mit der Wahrheit nimmt. Nur allzu gern wird zugunsten der Quote Rei├čerisches hinzu gedichtet. Auch ist dieser vermeintliche Nachbarschaftsstreit kaum relevant f├╝r jene europaweit gef├╝hrte Prostitutions-Debatte. Allerdings ist der Fall sinnbildhaft f├╝r den Umgang vieler Medien mit dem Thema Sexarbeit. Schlie├člich geht es ja vor allem dem Boulevard darum, Emotionen zu wecken. Dazu muss dann der Inhalt nicht uneingeschr├Ąnkt richtig sein …

Tragisch nur, dass die so ins Bewusstsein der Menschen eingepflanzten Halbwahrheiten von diesen f├╝r bare M├╝nze genommen werden. Und mit moralischem Denken hat das am Ende herzlich wenig zu tun.

rmv

├ťbrigens: das Thema „parkende Autos“ gibt’s bekanntlich auch bei uns in Schwerin (siehe┬áhier).Was sich Leute nicht so alles f├╝r ihre Argumentation ausdenken…

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