Wie viele Prostituierte gibt es eigentlich in Deutschland?

Oder: Wenn Rechenschwächen und Falschbehauptungen die öffentliche Meinung beeinflussen

Äußerst schwer zu ermitteln ist die Zahl der Prostituierten in Deutschland, das steht außer Frage. Das hat verschiedene Ursachen, die sollen hier jetzt aber nicht erläutert werden. Im Folgenden soll es eher um die Schätzungen, Hochrechnungen und teils wirren Behauptungen gehen, die im Lande umhergeistern.

Offizielle Angaben zur Anzahl der Prostituierten in Deutschland

1.) Den Anfang macht die ĂĽberall zitierte Zahl 400.000 (vierhunderttausend)! Von 400.000 Prostituierten in der BRD geht das Bundesministerium aus – aufgegriffen von der Deutschen Hauptstelle fĂĽr Suchtfragen, zahlreicher Medien und Journalisten, Frauenorganisationen …

Von diesen 400tausend sollen angeblich 250.000 in Bordellen arbeiten, mehr als 200.000 seien ausländischer Herkunft, 40.000 der Sexarbeiter seien männlich.

Diese Zahlen gehen auf eine Schätzung der Berliner Prostituiertenberatungsstelle Hydra e.V. aus dem Jahr 1988 zurĂĽck. Der Verein distanziert sich mittlerweile aber von dieser Angabe. Umso seltsamer ist das, dass die Bundesregierung noch immer an dieser Zahl festhält – im Gegensatz zu den meisten Prostituierten-Beratungsstellen.

2.) 150.000 ist die nächste Zahl. Erstaunlicherweise wird sie kaum zitiert bzw. ist kaum bekannt. Im Gegensatz zur Studie, in welcher die Schätzung auftaucht. 2011 veröffentlichten die Autoren Cho, Dreher und Neumayer die viel zitierte aber unter Fachleuten stark kritisierte Studie „Does Legal Prostitution Increase Trafficking?“. Die Kernhypothese war die, dass in Ländern, in denen Prostitution legalisiert wird, Zwangsprostitution ansteige. Unabhängig einiger methodischer Fehler/Unzulänglichkeiten wird die Studie (wie hier im Blog schon mehrfach hingewiesen) oft falsch wiedergegeben oder aus dem Zusammenhang gerissen, andererseits werden weitere Aussagen einfach nicht beachtet. So z.B. jene Angabe zur Menge der Prostituierten.

3.) Die Onlinezeitung Cicero geht in ihrem Beitrag „Wir setzen männliche Sexualität mit Gewalt gleich“ von 40.000 bis 60.000 Sexworker/innen in Deutschland aus.

4.) Mittlerweile haben sich die verschiedenen Beratungsstellen sowie deren Dachverband BufaS auf eine Hochrechnung von 200.000 Prostituierten (eine Dunkelziffer mit einberechnet) geeinigt.

5.) Laut der Kölner Facheinrichtung fĂĽr mann-männliche Prostitution “LOOKS e.V.” gebe es in Köln rund 1.000 männliche Sexworker, deutschlandweit soll es 10mal soviele geben. 10.000 Männer also.

Allein an diesen Zahlen ist ersichtlich, wie schwierig es ist, auch nur eine annähernd richtige Schätzung zu tätigen. Klar sollte es nur sein, dass der Wert von 400.000 reine Fiktion ist. Vor allem, weil die Angabe in der Öffentlichkeit beinahe ausschließlich nur dazu verwendet wird, um das Millieu vorsätzlich ins falsche Licht zu rücken etc.pp.. Aber rechnen Bundesregierung und Journalisten wirklich nach? Das bleibt zu bezweifeln.

Versuch einer Hochrechnung

Im weiteren Verlauf dieses Beitrags soll versucht werden, eine eigene Hochrechnung darzustellen. Grundlage sind öffentlich gemachte Angaben von u.a. Polizei, Justiz, Gesundheits- und Finanzämtern und Beratungsstellen. Da es nicht für alle Bundesländer und Städte zuverlässige Angaben gibt, erhebt diese Überschlagung natürlich keinen Anspruch auf Richtigkeit, allerdings wird sie manch andere obskure Angaben klar widerlegen.

Bundesländer:

Laut eben jenen offiziellen Angaben gibt es in

  • Berlin 6.000 bis 8.000
  • Bremen (+ Bremerhafen) 400 – 700
  • Hamburg 4.000 bis 8.000
  • Saarland 1.200 bis 3.000
  • Nordrhein-Westfahlen bis zu 28.000
  • Schleswig-Holstein bis zu 14.000 Prostituierte.

Nun zur Rechnung: aus diesen Angaben ergibt sich eine Zahl von maximal 61.700 Sexarbeitern bei einer Gesamtbevölkerung in diesen 6 Ländern von etwa 27.124.000 Einwohnern. Das entspricht einem Verhältnis von max. 1:440 (geht man jeweils von der höchsten Schätzung aus), also einer Prostituierten pro 440 Einwohner.

Da Deutschland aktuell etwa 80 Mio. Einwohner hat, wäre dieser Rechnung zufolge davon auszugehen, dass höchstens 183.000 Menschen als Sexworker/innen arbeiten.

Zur Erinnerung: Bei 400.000 Prostituierten läge das Verhältnis von Sexworker zu Einwohner bei 1:200.

Städte:

Folgende Städte (bis auf Plauen alles GroĂźstädte mit mehr als 100.000 Einwohner) und die jeweilige „offizielle“ Zahl der Huren sind zu betrachten:

  • Berlin: 6.000 bis 8.000
  • Bochum: 400
  • Bremen: 400 – 700
  • Dortmund: 1.500
  • Frankfurt/Main: 3.000
  • Freiburg: 120 – 200
  • Hamburg: 4.000 bis 8.000
  • Kassel: 500
  • Kiel: 250
  • Leipzig: 400+
  • MĂĽnchen: 500 – 2.900
  • Offenbach: 200
  • OsnabrĂĽck: 220
  • Plauen: 70
  • Rostock: 100 – 200
  • Stuttgart: 3.400
  • Ulm: 200

Insgesamt haben diese Städte rund 11.190.000 Einwohner. Die Zahl der Prostituierten liegt zwischen 21.260 bis 30.140 Daraus ergibt sich ein Verhältnis von ca. 1:371 (Maximum) bis 1:526 (Minimum) – im Mittel also bei 1:448. Auf Gesamt-Deutschland hochgerechnet wĂĽrden hiernach etwa zwischen 152.000 und 215.600 Männer und Frauen in der Prostitution tätig sein.

Fazit

NatĂĽrlich reicht das nicht, um einen Anspruch von Vollständigkeit zu gewährleisten. Baut man jedoch mehr Variablen ein und versucht zu differenzieren, dann allerdings schrumpft die Zahl der Sexarbeiterinnen – und das, wo ja sonst gerne noch eine um zigtausende erhöhte Dunkelziffer addiert wird.

Aber Warum? Eine solche Hochrechnung hat folgendes Problem: nicht alle Einwohner haben direkten Zugang zu Prostituierten, was heißt, die Daten von Großstädten sind nicht eins zu eins ins Verhältnis mit allen 80 Millionen Bürgern übertragbar.

In Deutschland leben rund 30 % der Bürger verteilt auf aktuell 76 Großstädte (Stand Dezember 2012; 2011 fielen noch 80 Städte in die Kategorie Großstadt). Mittelstädte (20.000 und mehr Einwohner) gibt es in der Bundesrepublik aktuell 589 (Stand 2012). Vor allem in diesen beiden Städte-Größenordnungen verdingt sich die Mehrzahl der Prostituierten. Zumal auch, weil die Sperrgebietsverordnung offiziell ein Verbot der Prostitution in Kleinstädten und kleinen Mittelstädten vorsieht. Natürlich kommt es vor, dass in jenen Sperrgebieten Sexdienstleistungen angeboten werden. Verglichen mit dem zahlenmäßigen Angebot in Ballungsräumen ist dieses aber fast vernachlässigbar.

Noch deutlicher wird es im ländlichen Raum. Aktuellen Angaben zufolge leben dort rund 17. Millionen Menschen. Für bezahlten Sex werden jene Freier dann wahrscheinlich in die nächste Stadt fahren, denn nicht jedes 400-Seelen-Dorf hat eine Prostituierte (müsste es aber laut obigem errechneten Verhältnis).

Was bedeutet das? Die 17 Mio. Einwohner mĂĽssten aus der Rechnung herausgenommen werden! Gehen wir also wie im zweiten Beispiel von einem mittleren Wert von einer (1) Prostituierten pro 448 Einwohner aus. Ohne die Landbevölkerung (80 Mio. – 17 Mio.) ergibt sich dann eine Summe von rund 140.000 Sexarbeiter/innen. Beim Minimalwert wären das gar 120.000 und beim Maximalwert auch nur 170.000 Dienstleister/innen.

Ein weiterer Umstand ist ja der, dass nicht allein die Einwohnerzahl/Bevölkerungsdichte die Anzahl an Sexdienstleistern/innen beeinflusst. Weiterhin spielen verschiedene demografische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und touristische Faktoren, Einzugsgebiete etc. eine Rolle. Das die meisten Frauen von Ort zu Ort durch ganz Deutschland reisen wird häufig auch unterschlagen. So tauchen garantiert etliche Huren in den Statistiken mehrerer Städte/Bundesländer auf. Das macht eine Rechnung noch schwieriger, würde die Maximalzahl aber ebenfalls senken.

Und: Frankfurt/Main ist nicht gleich Offenbach. So stehen ja 688.000 Frankfurtern rund 3.000 Prostituierte gegenüber (1:230), während Offenbach auf ein ungefähres Verhältnis von 1:590 kommt.

Gleiches gilt fĂĽr die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, Schwerin. Allein beim Offenbacher Wert mĂĽssten hier zeitgleich ĂĽber 150 Prostituierte arbeiten. Tun sie aber nicht. Nicht im geringsten.

Ergebnis

Wie dem auch sei, egal wie man es dreht und wendet, man kommt schwer ĂĽber ein Ergebnis von 200.000 Prostituierte in Deutschland. Wahrscheinlicher ist wohl ein Wert zwischen 100.000 und 150.000.

rmv

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