Bordell-Werbung gesetzlich verbieten?

16. Januar 2014

Pro-Argumente sind unausgegoren und greifen zu kurz

Die Diskussion rund um Sexarbeit und Co. hat viele Facetten. H├Ąufig wird sie aber schlicht nur auf der Basis „Sexarbeit verbieten oder nicht“ gef├╝hrt. Auf ka-news.de kommentiert M. Wehrhahn die Debatte und fordert ausschlie├člich Bordell-Werbung gesetzlich zu verbieten. Wehrhahns Forderung mag auf den ersten Blick zwar bereichernd f├╝r jene wiedererstarkte Debatte sein, ihre zugrunde liegenden Argumente sind es aber weniger.

So vergleicht sie Bordellreklame vor allem mit Zigarettenwerbung:

„Seitdem Zigarettenwerbung und Rauchen in Gastst├Ątten verboten wurde, ist die Sucht in Deutschland zur├╝ckgegangen. Das zeigt doch, dass sich Laster durch gesellschaftlichen Boykott durchaus auf ein ertr├Ągliches Ma├č begrenzen l├Ąsst“, schreibt sie. Durch ein Werbe-Verbot w├╝rde somit auch die Prostitution an Attraktivit├Ąt verlieren.

Doch der Vergleich hinkt. Denn der Konsum von Tabakwaren ist tats├Ąchlich ein Laster, weil schwer gesundheitssch├Ądigend (auch f├╝r Passivraucher), abh├Ąngig machend, und das Krankenkassesystem belastend. Gleiches kann man ├╝ber Sex nicht sagen. Argumente wie Geschlechtskrankheiten, etwaige psychische und psychosoziale Belastungen f├╝r die Prostituierten etc. (welche Wehrhahn aber auch gar nicht auff├╝hrt) m├╝ssen hingegen in einem anderen Kontext als im Vergleich mit Tabakkonsum gesehen werden.

An anderer Stelle sagt sie:

„Dass Zuh├Ąlter zusehends arme, junge M├Ądchen ausnutzen, um selbst das gro├če Geld zu scheffeln, k├Ânnte allerdings die vielleicht bestialischste Form des Kapitalismus sein.“

Dass Menschen andere, junge Menschen ausnutzen, um selbst das gro├če Geld zu scheffeln, ist beileibe nicht auf das Rotlichtgewerbe beschr├Ąnkt. Das findet man leider in allen Wirtschaftsbereichen. Was die Autorin hingegen meint ist Zuh├Ąlterei. Allerdings ist dieser Punkt vom Strafgesetzbuch [Besonderer Teil (┬ž┬ž 80 – 358) / 13. Abschnitt – Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (┬ž┬ž 174 – 184g)] geregelt. Im Artikel 181a „Zuh├Ąlterei“ hei├čt es:

(1) Mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu f├╝nf Jahren wird bestraft, wer

1. eine andere Person, die der Prostitution nachgeht, ausbeutet oder

2. seines Verm├Âgensvorteils wegen eine andere Person bei der Aus├╝bung der Prostitution ├╝berwacht, Ort, Zeit, Ausma├č oder andere Umst├Ąnde der Prostitutionsaus├╝bung bestimmt oder Ma├čnahmen trifft, die sie davon abhalten sollen, die Prostitution aufzugeben,

und im Hinblick darauf Beziehungen zu ihr unterh├Ąlt, die ├╝ber den Einzelfall hinausgehen.

(2) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer die pers├Ânliche oder wirtschaftliche Unabh├Ąngigkeit einer anderen Person dadurch beeintr├Ąchtigt, dass er gewerbsm├Ą├čig die Prostitutionsaus├╝bung der anderen Person durch Vermittlung sexuellen Verkehrs f├Ârdert und im Hinblick darauf Beziehungen zu ihr unterh├Ąlt, die ├╝ber den Einzelfall hinausgehen.

(3) Nach den Abs├Ątzen 1 und 2 wird auch bestraft, wer die in Absatz 1 Nr. 1 und 2 genannten Handlungen oder die in Absatz 2 bezeichnete F├Ârderung gegen├╝ber seinem Ehegatten vornimmt.

Auf der anderen Seite vermittelt Wehrhahn mit diesem Satz auch irgendwie den Eindruck, Zuh├Ąlterei h├Ątte in den letzten Jahren zugenommen. Das ist jedoch stark anzuzweifeln.

Ein wirklich wichtiger, weiterer Punkt beim Thema Werbung wird von ihr komplett ausgelassen. Sie spricht von Werbung, die Bordelle, Laufh├Ąuser, Sexkinos in Innenst├Ądten f├╝r sich machen. Was ist aber mit der Werbung/den Inseraten, welche Sexarbeiterinnen in Zeitungen und auf Internetplattformen ver├Âffentlichen? W├╝rden solche Annoncen verboten, dann w├Ąren die Prostituierten ihres Einkommens beraubt, ein Arbeiten auf selbst├Ąndiger, autarker Basis w├Ąre unm├Âglich.

rmv

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