Kritik an „Mission Freedom“ und Gaby Wentland. Teil 3

8. Januar 2014

Alle sitzen in einem Boot

Nachdem vor einigen Tagen jene mediale Kritik an Mission Freedom und Gaby Wentland aufkam, nahm der Verein Stellung zu den VorwĂĽrfen. Aber nicht nur der Verein, auch meldeten sich der Vorsitzende der „Evangelische Allianz Hamburg“, Matthias C. Wolff und der CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Vereins „Gemeinsam gegen Menschenhandel“, Frank Heinrich, mit dem Wentland zusammen in der ERF-Fernsehsendung „Die Ware Mensch“ zusammen saĂź, zu Wort. Beide sprachen ihr Vertrauen sowie ihre Solidarität aus und zeigten sich ob der Anschuldigungen gegen Wentland und Mission Freedom bestĂĽrzt.

Wolf hob hervor: „Mit der GrĂĽndung der Hilfsorganisation […] hat Frau Wentland ein Anliegen aufgegriffen, dass vielen BĂĽrgern Hamburgs – Christen wie Nichtchristen – unter den Nägeln brennt: dem Menschenhandel und der sexuellen Ausbeutung von Frauen und Mädchen in Hamburg entgegen zu treten.“

Vor lauter brennender Nägel vergaĂź er wohl zu erwähnen, dass dieses Anliegen in Hamburg bereits seit 1999 von der Koordinierungsstelle gegen Frauenhandel (Koofra) aufgegriffen wird. Daneben informiert, berät und betreut die Diakonie junge Prostituierte ĂĽber ihr Projekt „Sperrgebiet“. Und „ragazza“ unterstĂĽtzt seit 1991 drogenabhängige Prostituierte. Allerdings: Die Arbeit von Mission Freedom „mit sexuell ausgebeuteten Frauen ist durch christliche Nächstenliebe motiviert“, so Wolf. Ja, das ist ein Unterschied!

Frank Heinrich bat sogar darum, „diffamierende Unterstellungen zu widerrufen und zukĂĽnftig zu unterlassen.“ Mit folgendem Zusatz: „Weder die Medien noch einzelne Institutionen haben das Recht, fĂĽr sich die Deutungshoheit zum Thema Zwangsprostitution zu reklamieren.“ Was diese Aussage nun mit der Debatte zu tun hat, wird nicht klar. Vor allem, da es hierbei nie um Deutungshoheiten ging, sondern um Fakten.

Mitglieder der Evangelischen Allianz greifen sich unter die Arme

Mission Freedom bekommt einiges an moralischer Unterstützung. Warum auch nicht, schließlich gilt ja für jede kritisierte Person Bzw. Institution, dass sie nicht alleine dastehen will und Solidaritätsbekundungen braucht. Das ist verständlich und auch notwendig. Aber die Solidarität mit Wentland und Mission Freedom. kommt scheinbar ausschließlich aus den eigenen Reihen.

So ist, wie angegeben, Matthias C. Wolff der Vorsitzende der „Evangelische Allianz Hamburg“. Diese gehört, wie der Name schon sagt, zur Deutschen Evangelischen Allianz (DEA),  einem Netzwerk von evangelikalen Christen verschiedener Kirchen und Gemeinschaften. Der MdB Frank Heinrich ist nicht nur ordinierter Heilsarmeeoffizier und Leiter der Heilsarmee Chemnitz, er ist auch Vorsitzender des Jugendarbeitskreises der DEA. JĂĽrgen Werth, Moderator der in Teil 2 gegenständlichen Fernsehsendung, war von 2007 bis 2011 Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz. Und Gaby Wentland? Sie sitzt im Leitungsteam der Evangelischen Allianz in Hamburg.

So sind sich also alle Beteiligten keineswegs fremd, sie haben regelmäßig eng miteinander zu tun und haben gleiche christliche Grundsätze und Ziele. Die Solidarisierung miteinander ist somit nichts Ăśberraschendes. Die Verbindung von Mission Freedom zur Evangelischen Allianz problematisierte ja bereits der Sektenbeauftragte Jörg Pegelows (taz.de). Frank Heinrich hingegen sieht da weniger ein Problem. Er erkenne darin vielmehr ein „Prädikat“.

Und nicht nur die Deutsche Evangelische Allianz verbindet die Protagonisten. Heinrich grĂĽndete im Mai 2013 den Verein „Gemeinsam gegen Menschenhandel e.V.“. Eigenen Angaben zufolge ist dies ein „BĂĽndnis von Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen, die sich auf unterschiedliche Weise gegen Menschenhandel einsetzen.“ Was diesen Verein inhaltlich allerdings vom „Netzwerk gegen Menschenhandel“ (im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden) unterscheidet wird nicht ganz klar. Vor allem da das letztere ebenfalls Mitglied von „Gemeinsam gegen Menschenhandel“ ist. Demnach ist ein deutschlandweit agierendes „Netzwerk von Einzelpersonen, Kirchengemeinden und Organisationen, die sich mit ihren Kompetenzen gegen Menschenhandel einsetzen“ Mitglied in einem „BĂĽndnis von Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen, die sich auf unterschiedliche Weise gegen Menschenhandel einsetzen.“ ??? Verstehe das, wer will.

Auf jeden Fall sind daneben auch die Vereine „Solwodi“ und „Mission Freedom“ Mitglieder in Heinrichs BĂĽndnis. Wentland und Heinrich haben also auch hierĂĽber gleiche Interessen.

Wird nun missioniert oder nicht?

Wie auf Mission-Freedom.de und deren Facebook-Profil von Heinrich, Wolff und Wentland bestritten wird, finde bei „Mission Freedom“ keine Missionierung von Andersgläubigen statt. Aber genau das behaupteten die Medien ja u.a. im Vorfeld. NDR, taz und Hamburger Morgenpost informierten ĂĽber die vermeindliche „spezifisch religiöse Ausrichtung im Umgang mit Opfern sexuellen Missbrauchs“ (mopo.de).

Hin und wieder mutet dies jedoch genau so an, wie die Zeitungen kritisieren:

  • Ziel des evangelikalen Vereins ProChrist, in dessen Vorstand JĂĽrgen Werth sitzt, ist „die Bekehrung von Menschen zum Glauben an Jesus Christus“.
  • Laut NDR-Informationen sei fĂĽr Gaby Wentland „der Glaube an Jesus der einzig wahre. Immer wieder warne sie vor Satan, rufe dazu auf BuĂźe zu tun und Gott um Vergebung zu bitten.“
  • Pastorenfrau Wentland war 18 Jahre als Missionarin unterwegs, leitet heute mit ihrem Mann die Freie Gemeinde Neugraben (Pfingstkirche).
  • Frank Heinrich kandidierte ehemals als parteiloser Kandidat fĂĽr die Partei Bibeltreuer Christen. Jene christlich-(fundamentalistische) Partei, die sich fĂĽr ein Verbot von Pornographie und Prostitution einsetzt sowie gleichgeschlechtliche und auĂźereheliche Lebensformen ablehnt, hält „die Werte und Normen der Bibel“ fĂĽr richtungsweisend. In diesem ideologischen Sinne/ in ihrer „christlichen Mission“ tritt sie sehr wohl missionarisch auf.
  • Laut Matthias C. Wolff, Pastor der Christengemeinde Elim (Pfingstkirche), versteht sich die Pfingstbewegung als „reformatorisch, evangelisch und missionarisch“.

Wie kann nun bei so viel Missionsarbeit der Protagonisten ausgeschlossen werden, dass bei „Mission Freedom“ keine ideologische Missionierung der betreuten Zwangsprostituierten stattfindet? Wie kann bei soviel Missfallen von Prostitution, Pornografie, Homosexualität ausgeschlossen werden, dass den Opfern von Menschenhandel nicht die nötige fachliche Kompetenz zur VerfĂĽgung steht?

Werth, Wolff, Heinrich und Wentland können es eben nicht ausschließen. Dazu sind sie ideologisch viel zu vereinnahmt!

rmv

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