Der Umgang mit Sexualität und Prostitution in der religiösen Welt

22. Mai 2013

Bordell in Bagdad angegriffen – 12 Tote

Der Neuropsychologe und Kulturanthropologe James W. Prescott vertritt die These, dass „die größte Bedrohung für den Weltfrieden von jenen Nationen ausgehe, die ihre Kinder in der reizärmsten Umgebung aufziehen und die sexuelle Zuneigung und weibliche Sexualität am stärksten unterdrücken“.

Da mag was dran sein … In puncto Sexualität auf jeden Fall, wenn man die Aussage nicht unbedingt auf den Weltfrieden, sondern auf vorherrschende/s Sozialethik und Gesellschaftsrecht bezogen sieht. So geschieht es immer wieder in konservativ religiösen und patriarchaischen Gemeinschaften, dass ein öffentlicher Umgang mit Sexualität nicht nur unerwünscht ist sondern auch bestraft wird – sei es nun von „Rechts“ her entschieden oder im Sinne einer Selbstjustiz vollstreckt. Meist äußert sich das in Gewalt gegenüber Frauen.

So macht aktuell die Meldung über ein Attentat in einem Bagdader Bordell die Runde, wobei zwölf Personen von unbekannten Tätern getötet wurden. Laut Medienberichten eröffneten diese im Viertel Sajuna, in welchem sich mehrere Bordelle angesiedelt haben, das Feuer und richteten damit sieben Frauen und fünf Männer hin. Als Hintergrund der Tat wird das Verbot von Prostitution angegeben.

Sexualfeindlichkeit in Morgen- und Abendland

Auch in der Vergangenheit waren Meldungen über Gruppenvergewaltigungen von emanzipierten Frauen, Ehrenmorde oder Tötungen von Prostituierten uvm. keine Einzelfälle. In diesem Sinne werden doch Behauptungen wie „Die islamische Kultur ist nicht sexualfeindlich“ (siehe hier) ad absurdum geführt. Vielleicht trifft die Aussage ja für einen bestimmten Bereich jener Kultur zu, jedoch eher nicht in jenen der burkatragenden, in ihren Rechten und Möglichkeiten eingeschränkten muslimischen Frauen. Allerdings gilt gleiches auch für das europäische Morgenland, schließlich ist der diesbezügliche Unterschied zur islamischen Kultur gar nicht so groß. So hat Gewalt gegen Sexualität in der christlichen Kultur sehr tiefe Wurzeln. Dazu zählt insbesondere der Umgang mit Homo- und Bisexualität, sexuelle Freizügigkeit etc.pp.. Vor allem in Zeiten/Gesellschaften in denen die Bibel nur allzu wörtlich ausgelegt wurde. Hier ein paar Beispiele:

Das Buch Levitikus, Kapitel 20

  • „Ein Mann, der mit der Frau seines Nächsten die Ehe bricht, wird mit dem Tod bestraft, der Ehebrecher samt der Ehebrecherin.“
  • „Schläft einer mit seiner Schwiegertochter, so werden beide mit dem Tod bestraft. Sie haben eine schändliche Tat begangen, ihr Blut soll auf sie kommen.“
  • „Ein Mann, der mit einer Frau während ihrer Regel schläft und ihre Scham entblößt, hat ihre Blutquelle aufgedeckt und sie hat ihre Blutquelle entblößt; daher sollen beide aus ihrem Volk ausgemerzt werden.“

Aber auch heute noch hat die Katholische Kirche ja bekanntlich ein Problem mit sexueller Aufgeklärtheit.

Ein Problem von Religion? Mitnichten! Auch philosophische oder politische Idiologien sowie totalitäre Gesellschaftsformen waren in der Vergangenheit bzw. sind noch heute durchdrungen von misogynem und homophobem Gedankengut. Und Prostituierte kämpfen weiterhin um ihre gesellschaftliche Anerkennung und Gleichberechtigung

rmv

PS: Zum Thema Islam und Sexualität sei hier noch einmal auf das Buch „Sex und die Zitadelle. Liebesleben in der sich wandelnden arabischen Welt“ hingewiesen (siehe hier).

Zufällige Beiträge aus der selben Rubrik