„Tacheles“ – viel gewollt aber wenig gekonnt

30. Januar 2014

Warum der Talk am roten Tisch wenig brachteÔÇŽ

Am Sonntag lief auf Phoenix die Sendung „Tacheles – Talk am roten Tisch„. Thema: „Zwischen Lust und S├╝nde: Prostitution verbieten?“ Zwei Dinge waren im Nachhinein ziemlich erstaunlich. Zum Einen, wie die Redaktion und auch Moderator Jan Dieckmann unterschwellig immer wieder versuchten die Prostitution ins schlechte und verbotene – ja wie der Titel schon sagt ins s├╝ndhafte – zu dr├Ąngen. Und zweitens, dass dies eigentlich nur sehr wenig gelang.

So musste Dieckmann immer wieder betonen, dass die Hure in der Bibel ja der Inbegriff der S├╝nde sei. Bis zur Minute 21 warf er das gleich 6 Mal in die Runde. Ganz der Pastor verstand es der 55-J├Ąhrige neben seiner S├╝ndenfrage auch st├Ąndig von Jesus, von Glaube, christlicher Moral etc. zu palabern. Ja, die Sendung wird von der Evangelischen Kirche in Deutschland getragen. Ja, die Sendung wird in einer Kirche aufgezeichnet. Ja, der Moderator war mal Pastor. Demnach muss es wohl so sein. Aber nervig war es trotzdem. Denn mehr als altbackenes und verstocktes Blabla-Gew├Ąsch und pastorales Geplapper war es nicht wirklich. Und immer wieder tauchte ein irgendwie ├Ątzend s├╝ffisantes Grinsen in seinem Gesicht auf – in komplett unpassenden Situationen. Vielleicht ist es ja so seine Art, aber daran sollte er arbeiten.

Warum Dieckmann sein Ziel nicht erreicht hat? Weil niemand in der Runde Sexarbeit als S├╝nde betrachten wollte. Die Parteien verst├Ąndigten sich eher darauf, ├╝ber W├╝rde zu debattieren. Auch der Ausflug ins Publikum schlug fehl. Zwei der angesprochenen Damen waren Mitarbeiterinnen in Beratungsstellen (eine bei einer f├╝r Prostituierte, die andere bei einer f├╝r Opfer von Menschenhandel) t├Ątig. Einer der M├Ąnner hatte durchaus eine liberale Einstellung, der andere kam nicht wirklich auf den Punkt. Wirklich ausreden lie├č Dieckmann die Angesprochenen aber nicht, betitelte diese stets als „Fachpublikum“ und ging zum n├Ąchsten ├╝ber – wahrscheinlich war er dar├╝ber entt├Ąuscht, dass er keinen „Gutmenschen“ erwischte, der Sexarbeit pauschal verurteilte. Obwohl, der zweite Herr tat das ja, kam nur eben nicht zum Punkt.

Eine von Tacheles vorab get├Ątigte Umfrage ergab weiterhin, dass nur 11 Prozent der Befragten f├╝r ein Verbot der Prostitution stimmte. Man hat den Eindruck gehabt, dass auch das Herrn Moderator nicht zufriedenstellte. Dazu sprachen sich ja schon drei der vier Podiumsg├Ąste f├╝r die weitere Legalisierung aus. Von S├╝nde also wenig zu sehen. ├ťber Lust hingegen – schlie├člich hie├č die Sendung ja „Zwischen Lust und S├╝nde …“ – wollte Dieckmann scheinbar nicht sprechen.

Aber nun zu den G├Ąsten:

Zum Einen sa├čen wie angek├╝ndigt die Emma-Redakteurin Chantal Louis, der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen Prof. Dr. Christian Pfeiffer, der Bundestagsabgeordnete (B├╝ndnis 90/Die Gr├╝nen) Volker Beck, die Direktorin der Berliner Diakonie Susanne Kahl-Passoth und die Prostituierte und Gr├╝nderin des ‚Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen‘ Johanna Weber am Tisch . Zum Anderen sprach Jan Dieckmann dann noch separat mit einer Ex-Prostituierten – dazu aber sp├Ąter mehr.

Zu drei G├Ąsten will ich hier jetzt gar nicht viel sagen:

Johanna Weber ├╝berzeugte durchweg mit einem sehr professionellen und ehrlichen Auftreten. Nicht nur sprach sie Misst├Ąnde in jedweder Diskussionsf├╝hrung (sobald es um Prostitution ginge) an, auch mahnte sie den Rechtfertigungsdruck und die Stigmatisierung von Prostituierten an. Dies und die damit einhergehenden Angst vieler vor einem Outing sorgen daf├╝r, dass nur eine Minderheit der Sexarbeiterinnen in die ├ľffentlichkeit treten w├╝rden. Auch in ihrer weiteren Argumentation verstand es Weber schlich zu bleiben.

Susanne Kahl-Passoth war irgendwie die Schlichterin und Mediatorin zwischen den Parteien – passend zu ihrem Sitzplatz als auch zu ihrer Stellung zum Thema. Aber auch sie war stets sachlich und vern├╝nftig. In einem Punkt wurde sie aber etwas energischer. Und zwar als sie explizit davor warnte (Mit Blick auf Chantal Louis), stets zu verallgemeinern und nur die negativen Seiten in den Vordergrund zu stellen.

Volker Beck, der 2001/2002 Mitinitiator des Prostitutionsgesetzes war, h├Ąlt weiterhin den Ansatz f├╝r wichtig, die Rechte der Sexarbeiterinnen zu st├Ąrken. Dazu z├Ąhlt auch eine notwendige Gesetzes├Ąnderung, dass opfer von Menschenhandel nicht nach einem Prozess ihre Abschiebung f├╝rchten m├╝ssen.

Die Aufreger:

Nat├╝rlich war auch die Tacheles-Redaktion der Meinung die „Emma“ mit in die Runde zu lassen – ein Frauenmagazin welches ein irgendwie verzehrtes Weltbild und eine verqueren Ideologie verbreitet. Dieses mal vertreten durch Chantal Louis. Wie es im Team der Emma wohl gang und g├Ąbe ist, z├Ąhlt Selbstverherrlichung und Respektlosigkeit zum Alltag. So verstand es auch Louis unh├Âflich, hochn├Ąsig und eingebildet aufzutreten.

Z.B. f├Ąllt sie Johanna Weber beim Thema Freiwilligkeit und Selbstbestimmtheit ins Wort und meint: „Ich h├Âre viele andere Geschichten von Frauen mit denen ich viel spreche …“ Hier meint Louis im Endeffekt wohl, besser bescheid zu wissen als insgesamt Sozialarbeiterinnen, Sexarbeiterinen, Berufsverbandsmitglieder etc.. Also hat die Emma-Redakteurin nur ein einziges Ressort, mehr noch, ein einziges Themenfeld, welches sie bedient? Besch├Ąftigt sie sich ausschlie├člich mit dem Prostitutionsgewerbe? Lebt sie im Milieu? Zumindest tut sie so, weil sie ja alles besser wei├č.

An anderer Stelle spricht sie dem Berufsverband seine Daseinsberechtigung und seine Repr├Ąsentativit├Ąt ab. Weiterhin verneint sie ins Wort fallend die von Beck genannte Statistik (beim Thema Schweden), spricht den Zahlen keine Glaubhaftigkeit zu. Selbst spielt Chantal Louis aber stets mit Prozentangaben, die ausschlie├člich auf Meinungen und Sch├Ątzungen beruhen und f├╝r die es keine empirischen belege gibt.

Gl├╝cklicherweise kommt die Frau nicht sehr oft zu Wort, dazu ist sie zu wenig Alice Schwarzer. Auf der Webseite der Sendung leider umso mehr. Hier taucht dann wieder die g├Ąngige Stammtischpolemik auf. Z.B.: ÔÇ×Dass man sich f├╝r Geld Sex von einer Frau kaufen kann, ist f├╝r ein gleichberechtigtes Miteinander desastr├Âs.“ Also wieder das typische Opfer-T├Ąter-Gebaren. Fazit: Louis redet h├Ąufig totalen Mist.

Zu Prof. Dr. Christian Pfeiffer: Der ehemalige Justizminister Niedersachsens entt├Ąuscht. Zumindest was seine wissenschaftliche Qualifikation angeht.

Er argumentiert insgesamt sehr unseri├Âs, platt, verallgemeinernd, polemisch und unreflektiert. Er postuliert nicht viel mehr als Meinung. Aber das scheint ganz so wie bei der in Wikipedia getroffenen Aussage zu sein: „Er wurde jedoch des ├ľfteren wegen seiner Art und Weise der Argumentation kritisiert, die viele als polemisch und verk├╝rzt empfinden.“ Pfeiffer, der auch einer der sch├Ąrfsten Kritiker von digitalen Unterhaltungsmedien ist, geriet in der Vergangenheit bereits h├Ąufiger wegen seiner Aussagen, ├ťberzeugungen und wegen mangelhafter Studien in die Kritik.

Der 69-J├Ąhrige erw├Ąhnte u.a. auch ein vermeintlich statistisches Verh├Ąltnis zwischen Prostituierten und Missbrauchsopfern. So habe eine Studie aus den 90er Jahren ergeben, dass rund 50 Prozent der Prostituierten in Berlin in der Kindheit misshandelt wurden. Welche Studie das sein soll, lie├č er unerw├Ąhnt. (Wenn ich die ausfindig machen sollte, werde ich zu einem sp├Ąteren Zeitpunkt hier im Blog was zu schreiben.) Daneben h├Ątte eine modernere Studie ergeben, dass das sogar auf ├╝ber 80 Prozent der Sexarbeiterinnen zutreffen w├╝rde. Auch diese Studie nannte er nicht beim Namen. Wahrscheinlich bezog er sich auf die hier bereits ├Âfter als v├Âllig repr├Ąsentativ bewertete Erhebung ÔÇťProstitution and Trafficking in Nine Countries: An Update on Violence and Posttraumatic Stress DisordeÔÇŁ. (siehe┬áhier).

Kurze Zeit sp├Ąter behauptet Herr Doktor Pfeiffer: „Was in Bordellen/Flatrate-Bordellen tagt├Ąglich passiert ist: die Menschenw├╝rde mit Fu├čen treten lassen„. Und das, obwohl er seinen Ausf├╝hrungen zufolge nie Einblick in auch nur ein einziges Bordell gehabt habe.

Pfeiffer Vermischt Menschenhandel und Prostitution nur allzu gern, er kommt mit Halbwahrheiten, Mythen und Zerrbildern daher und betont ein paar mal ganz theatralisch die W├╝rde des Menschen. Ja, er hat recht wenn er zitiert „die W├╝rde des Menschen ist unantastbar“. Aber was ist mit der W├╝rde und dem Recht der Frauen ihren Beruf frei w├Ąhlen zu d├╝rfen… Pfeiffer argumentiert nicht ein einziges Mal faktisch und seri├Âs. Insgesamt argumentiert das SPD-Mitglied eher wie ein CDU/SCU-Politiker, zumindest was die Ziele ├ťberwachung, Kontrolle, und Polizeigewalt betrifft.

Den Beifall, den er einheimst, bekommt er wahrscheinlich weniger ob seines ├╝berzeugenden Gebarens, denn mehr aufgrund mehrerer ganz trivialen Tatsachen. Sein Vorteil: er besticht durch eine angenehme Stimme, ein charismatisches Auftreten, durch Lebenserfahrung und einer erfolgreiche Karriere – er ist und war Amtstr├Ąger. W├Ąre Herr Pfeiffer eine unsympathische Person, Anfang 20 mit kr├Ąchzender Stimme, w├╝rde er wohl kein Geh├Âr finden.

Einzig Johanna Weber wies entt├Ąuscht darauf hin, das es unverst├Ąndlich ist, warum er und Louis Applaus einheimsen, f├╝r Aussagen deren Grundlage (also die genannten Zahlen) reine Sch├Ątzungen ohne jegliche Beweiskraft sind.

Geh├Ârte und nichtgeh├Ârte Stimmen

Neben den G├Ąsten kommen aber auch andere Personen zu Wort. Da waren die oben erw├Ąhnten, kurz mal erh├Ârten Stimmen aus dem Publikum. Dann jene aus dieser eher banalen Umfrage. Ja, um die Umfrage einzublenden schnitt der Moderator noch ganz frech Volker Beck das Wort ab. Dabei war Beck gerade dabei interessanter Denkanst├Â├če in puncto Gesetzeslage anzuf├╝hren. Das geschah aber auch noch ein zweites Mal – da wechselte Dieckmann dann einfach das Thema. Au├čerdem kam Volker Beck bis zur 29. Sendeminute sage und schreibe nur ein einziges Mal zu Wort.

Zur├╝ck zu den geh├Ârten Stimmen. Ein weiterer Ausflug weg vom roten Tisch: Dieckmann gesellt sich an einen Monitor, wo ihn schon die Tacheles-Redakteurin Lena Brunn erwartet. Um den Anschein eines modernen Fernsehformats zu erwecken werden nun Meinungen aus der Facebook-Gemeinde vorgetragen. Frau Brunn liest diese lediglich vor und umrahmt das ganze mit einem ├╝berspitzt theatralischen bzw. zappelig albernen Habitus. Das ganze war nicht nur ├╝berfl├╝ssig sondern auch kontraproduktiv, da in dieser Zeit die Podiumsg├Ąste erneut nicht zu Wort kommen konnten.

Dann ein kurzer Einspieler des ZDF in Minute 28. Darin wird tendenzi├Âs und ├ängste sch├╝rend ├╝ber das Milieu berichtet, mit populistischen Vorurteilen gespielt – ganz im Sinne des Moderators. Der greift diese sogleich auf, so z.B. das Thema Flatrate-Bordelle. Und das obwohl nur kurz vorher noch Johanna Weber erkl├Ąrte, dass es verh├Ąltnism├Ą├čig gar nicht so viele Flatrate-Bordelle in Deutschland gebe.

Und schlie├člich war da noch Nadine Winterstein, eine Ex-Prostituierte aus Hamburg. Wiederum verlie├č Dieckmann die Empore und gesellte sich zu dieser an einen Stehtisch – f├╝r ganze 5 Minuten. So lange hatte keiner der anderen G├Ąste Redefreiheit am St├╝ck. Fr├Ąulein Winterstein erz├Ąhlte hier also ├╝ber ihre teils unangenehmen Erfahrungen im Milieu.

Was man sich aber fragt: In der Runde sitzt doch schon eine Prostituierte, dazu eine, die sich f├╝r ihre Zunft sowohl rechtlich als auch sozial und politisch engagiert, eine die einen Berufsverband gegr├╝ndet hat, die mit Beratungsstellen und Institutionen zusammenarbeitet. Warum nun eine Frau Winterstein? OK, sie beleuchtet eine andere Seite des Gewerbes. Aber warum findet sie mehr Geh├Âr? Warum wird sie unter vier Augen zum Interview bestellt? Achja: weil Hurerei eine S├╝nde ist…

Das wird auch deutlich, da ja ├╝ber Johanna Weber gesagt wird, sie sei nicht repr├Ąsentativ. Frau Winterstein und ihren Ausf├╝hrungen wird hingegen hellh├Ârige Aufmerksamkeit geschenkt. Mit voller Absicht werden etwaige Schattenseiten des Milieus aufgebauscht und in den Vordergrund geschoben. So auch Wintersteins Aussage 99,9 Prozent der Sexarbeiterinnen seien von psychischen Problemen betroffen.

Was hei├čt psychische Probleme? Sind die 99,9 % in psychologischer Behandlung, leiden sie unter Depressionen …? Wie kategorisiert sie jene Probleme? Worin haben die ihre Ursache? Welche empirische Relevanz hat diese Aussage? Woher hat die Interviewte ├╝berhaupt diese Zahl? Etliche Menschen in anderen Berufszweigen (Leiharbeit, Pflegeberufe, Reinigungsdienst etc.) sind doch auch von ├ängsten und seelischen Problemen betroffen. M├╝sste die L├Âsung dann nicht sein, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und nicht den Beruf abzuschaffen?

Unstimmigkeiten in der Vita von Nadine Winterstein

Sehr seltsam ist in der Person Nadine Winterstein aber was ganz anderes. Auf der Webseite von Tacheles wird das Interview zwischen Dieckmann und Winterstein wie folgt wiedergegeben – also der Teil, in dem es um den Grund f├╝r ihren Ein- bzw. Ausstieg aus dem Milieu geht:

„Ich war mit einem Mann zusammen, der schon ein Bein im Milieu hatte. Ich habe zu der Zeit auf dem Hamburger Kiez in einer Kneipe gearbeitet und somit den Kontakt in das Milieu gehabt, also zu Zuh├Ąltern und Prostituierten. Ich musste bei der Trennung unter Drohungen binnen 24 Stunden aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen. Da blieb f├╝r mich nur die Frage, unter der Br├╝cke zu schlafen oder ins Bordell zu gehen. Und da habe ich mich f├╝r den Weg ins Bordell entschieden. Ich wollte aber nur kurz bleiben, bis ich meine wohnliche und finanzielle Situation wieder im Griff habe. „

„Mein Ausstieg ging ├╝ber eine Razzia, ich habe ausgesagt und Zeugenschutz bekommen. Der Ausstieg ist nicht leicht. Wenn man da einmal drin h├Ąngt, ist es wie eine Sucht, weil es eine Welt f├╝r sich ist. Von den Leuten wird einem suggeriert, dass es eine Familie ist. Es ist Zuckerbrot und Peitsche.“

Der Teil zum Ausstieg h├Ârte sich w├Ârtlich in der Sendung aber anders an:

Frage:„Sie sind 2007 ausgestiegen aus diesem Gewerbe. Ist das leicht gefallen?“

Antwort:„├ähhm, ich muss dazu sagen, ich habe da nur aufgeh├Ârt zu arbeiten und das ist mir leicht gefallen, weil ich habe haupts├Ąchlich in der Tagesschicht gearbeitet, die es damals da noch gab. Und ├Ąhhm, bin dann … ich bin aber dem Haus treu geblieben als Freundin … das ist jetzt ein bisschen schwer zu erkl├Ąren. Mein Ausstieg war im September 2009 und das ging ├╝ber ne Razzia und ne Aussage und Zeugenschutz. Ich sag mal das war nicht ganz freiwillig. Der Ausstieg ist nicht leicht, also es ist wirklich wie … wenn man da einmal drin h├Ąngt, wie ne Sucht, weil es ist ne Welt f├╝r sich. Und und die Leute suggerieren auch immer: das ist die Familie und und … hmmm … Zuckerbrot und Peitsche. Es ist wirklich schwer, das jemandem zu erkl├Ąren, der da so gar keinen Blick hat.“

Also ich wundere mich… Aber damit noch nicht genug, denn was bei Tacheles komplett unerw├Ąhnt bleibt ist, dass Winterstein ├Âffentlich eigentlich als Fach-Journalistin und Autorin auftritt. Sie schrieb die B├╝cher „Stop Loverboys“ und „IM ROTLICHT – Journalistin drei Jahre undercover im Rotlichtmilieu“.

Undercover im Rotlichtmilieu? Wie jetzt? Was hei├čt Undercover? Laut kress Mediendienst habe sie 2006 – 2007 eine Undercover-Recherche im Hamburger Rotlichtmilieu gef├╝hrt. Auf epubli.de seht ├╝ber sie:

„Erstmals in Kontakt kam die Autorin mit Menschenhandel bei einem Volunteering in der Mongolei. Dort arbeitet sie f├╝nf Monate f├╝r die Asia Foundation, die sich in Asien aktiv um Opfer von Menschenhandel k├╝mmert. Zur├╝ck in Deutschland wusste die heutige Fach-Journalistin genau, worin ihr Ziel lag. Sie wollte aufkl├Ąren. Neben drei Jahren verdeckter Recherche im Hamburger Rotlichtmilieu absolvierte sie ein Volontariat sowie ein Studium zur Fach-Journalistin. Seit November 2010 arbeitet Nadine Winterstein als freiberuflich Fach-Journalistin mit Schwerpunkt Menschenhandel.“

In der Beschreibung zu ihrem Buch „Im Rotlicht“ steht:

„Drei Jahre recherchierte die Autorin verdeckt in einem Hamburger Nobel-Puff. Herausgekommen ist ein Enth├╝llungsbuch der Superlative. Niemals zuvor erhielt der/ die Leser/in einen schonungsloseren Einblick in die angebliche Glamourwelt des Rotlichtmilieus. Zus├Ątzlich liefert das Buch zahlreiche Fakten zu den Themen Menschenhandel, Zwangsprostitution, das deutsche Prostitutionsgesetz, die Gefahr Loverboy, die Hierarchieebenen im Rotlichtmilieu sowie die ganz eigenen Erfahrungen der Fach-Journalistin.“

Die Qualit├Ąt der B├╝cher jetzt mal au├čen vor, ich kenne sie (noch) nicht, und vielleicht sind sie ja wertvoll und erkenntnisreich. Aber was soll die Sache mit der Undercover-Recherche? Und wenn Winterstein wirklich Journalistin w├Ąre, zumindest eine ernstzunehmende, dann l├Ąse es sich auf ihrem Twitter-Account anders. Dort n├Ąhmlich zeigt sie sich v├Âllig tendenzi├Âs: verlinkt beinahe ausschlie├člich und komplett unkommentiert Negativschlagzeilen.

Hat die Tacheles-Redaktion hier geschlampt oder wissentlich falsche Tatsachen verbreitet, bzw. wichtige Tatsachen einfach au├čen vor gelassen? Das kennen wir doch nun schon von┬á„Mission Freedom“. Oder ist Winterstein selbst hier die Schauspielerin? Warum geht hier ihre Geschichte inhaltlich soweit auseinander? Wer ist die Frau?

Jetzt an dieser Stelle ist die Sendung endg├╝ltig bei mir unten durch. Es reichte ja schon, dass sich der Moderator in der ersten H├Ąlfte mit seinem pastoralen Gelaber inszenieren musste und seinen G├Ąsten stets an v├Âllig unpassender Stelle, nach nur drei-vier S├Ątzen das Wort abschnitt. Nachdem die Tacheles-Macher verzweifelt versuchten der Prostitution ein kriminelles und s├╝ndhaftes Gesicht zu geben. Nachdem diese sich vergebens bem├╝hten, die Sendung modern (multimedial) und liberal zu gestalten – vergebens, weil man nie aus der verstaubten und konservativen Ecke (Bibelzitate en masse) heraus kam. Und dann noch diese komische Ex-Prostituierte.

rmv

Zuf├Ąllige Beitr├Ąge aus der selben Rubrik