Filmtipp: „Lilalicht“ von Anna Wagner

10. Mai 2022

Das Leben ist nicht schwarz-weiß Рauch nicht zwischen Rot- und Blaulicht

Und es geht doch anders. Anders n√§mlich in Sachen filmischer Umgang mit der Thematik Sexarbeit. Denn zuletzt gab es da tierisch was zum Aufregen. Erinnern wir uns an die tendenzi√∂se und stereotype bedienende Machwerke wie die Filme einer Kristine Tauch. Denken wir an die SWR-Doku ‚ÄěRaus aus der Prostitution‚Äú. Oder schauen wir auf den derzeitigen PR-Feldzug der Abolitionistin Huschke Mau, die mit fraglichen Statements und selektiver Fakten-Resistenz ihr Buch promotend durch die deutschsprachige Medienlandschaft tingelt. U.a. war da ihr fragw√ľrdiger Auftritt beim Funk-Talk „deep und deutlich“ inkl. peinlichem „eingeschnappte Leberwurst“-Abgang.

Wie man anders mit dem Thema umgehen kann, ist derzeit in Anna Wagners Kurzfim „Lilalicht“ zu sehen. Die Dokumentation ist als Erstsemesterprojekt an der Internationalen Filmschule K√∂ln entstanden und hat den Anspruch, abseits von Klischees und Vorverurteilungen einen kleinen Einblick √ľber die Schaupl√§tze der Prostitution zu geben. In der Filmbeschreibung hei√üt es etwa: „Allt√§gliche Orte und klischeebehaftete Schaupl√§tze zeigen, dass unterschiedlichste Personen in der Sexarbeit t√§tig sind: vom kriminellen 19-j√§hrigen Teenager bis hin zur gl√ľcklich verheirateten Juristin.“

Zwar ist Wagners Einblick nicht weniger selektiv. Denn mit den Sexworkern Nadine Kopp und Thomas Aeffner kommen lediglich zwei Insider zu Wort. Letzten Endes ist es aber auch nur ein zweieinhalb-min√ľtiger Kurzfilm. Und daf√ľr hat die Regisseurin vorab echte Recherche betrieben – ohne sich direkt im aktionistischen Abolitionismus (√† la EMMA, Solwodi, K√§√ümann oder Breimeyer) zu verlieren. Zum Beispiel hat Wagner vorab den BesD kontaktiert. Das sollte ja eigentlich der erste Schritt sein. Wenn ich etwas wissen m√∂chte, informiere ich mich beim Berufserband. Leider aber ist solch eine Vorgehensweise oftmals nicht der Fall. Wagner hingegen will die Bandbreite der Sexarbeit abbilden. Sie blickt √ľber die „klassische“ Prostitution hinaus auf Dienstleistungen wie Escortservice, Sexualbegleitung oder erotischen Massagen. Dazu kommt: Wagner hat ein Teil ihrer Eindr√ľcke √ľber Undine de Rivieres Buch „Mein Huren-Manifest. Inside Sex-Business der Sexarbeiterin“ gewonnen.

K√ľrzlich war „Lilalicht“ unter 55 weiteren Werken Teil des FiSH Filmfestivals im Stadthafen Rostock. In der Kurzfilm-Kategorie „Junger Film“. Zwar ging Anna Wagner bei der Preisverleihung leer aus, Aufmerksamkeit bekam sie dennoch in w√ľrdigem Rahmen. So ver√∂ffentlichte die Zeitung Katapult MV neben einer Filmrezension auch ein ausf√ľhrliches Interview mit Wagner.
Wer sich erinnert: die Greifswalder machten vor ein paar Monaten bereits ein Interview mit Katharina Pieris (f√ľr die Print sowie die Online-Ausgabe) unter dem Titel „Die Gesch√§ftsfrau“.

Aktuell ist „Lilalicht“ leider nicht online einsehbar. Wenn der Kurzfilm wieder im Netz zu finden ist, dann schaut ihn euch an!

rde

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