Sexdienstleistungen sind Dienstleistungen

Sprechblase beschrieben mit "Facts" auf hellbraunem Teppichhintergrund

Medienempfehlung: NĂĽrnberger Hochschulprojekt und „Pro/In-Stitution“ informieren wertfrei ĂĽber Prostitution

„Eine scheuklappenlose Betrachtung der Institution >Prostitution<“ verspricht die Webside „Pro/In-Stitution„. Sie ist zwar schon seit ein paar Jahren online, aber aus aktuellem Anlass sei sie als Ergänzung zu den bekannten Infoseiten wie u.a. jenen des BesD, des BSD an dieser Stelle Erwähnung finden. Die Betreiberin/Autorin will nach eigenen Worten „nicht provozieren, nichts beschönigen, sondern den Blickwinkel erweitern, Verborgenes sichtbar machen, Schweigenden Stimme geben.“ Ein wichtiges Statement und klare Gegenbewegung zum derzeit wieder auffachenden, unsachlichen Vormarsch von SPD-Politikerin Leni Breymaier, die mitsamt des aus wenigen aber sehr lauten Abolitionist:innen bestehenden Netzwerks pauschale Freierbestrafungen und die Victimisierung von Prostitution fordert. Fest an ihrer Seite: rechtskonservative Medien, allen voran die unseriöse Springerpresse. Breymaiers Kampagne ist somit enorm reichweitenstark. Ă„hnlich medienwirksam, wir kennen das, sind die öffentlichen Auftritte speziell von Huschke Mau und Alice Schwarzer. Mit einer ehrlichen Auseinandersetzung haben es die genannten nicht. Es geht ihnen um emotionalisierende Meinungsmache und die Verbreitung ihrer persönlichen Agenda. Immer mit an Bord und seit Jahren Teil jenes Netzwerks sexworkerfeindliche Vereinigungen wie Sisters, Mission Freedom und Solwodie.

„Alle Teilbereiche der Prostitution neutral thematisieren“

Aber zurĂĽck zu „Pro/In-Stitution“. Auf der Startseite lesen wir von zwei aktiven Strömungen. Einer klaren Pro- und einer diametral entgegen stehenden Contra-Bewegung. Zu letzterer heiĂźt es:

Sie „will Prostitution komplett abschaffen und das aus Schweden bekannte Nordische Modell einfĂĽhren. Das Nordische Modell hat ja eigentlich ein lobenswertes Hauptziel: Zwangsprostitution und alle damit zusammen hängenden Verbrechen zu bekämpfen, Ausbeutung durch Zuhälter etc. Leider konzentriert sich unter dem Begriff „Abolitionismus“ der Blick von Aktivistinnen wie Alice Schwarzer oder Huschke Mau allein auf diesen einen Teilbereich bzw. sie verschwurbeln andere Teilbereiche mit Hilfe irgendwelcher Männergewalt-Theorien in den Bereich „Zwangsprostitution“ mit hinein oder schweigen sie einfach tot.
Vertreter/innen von extremen, undifferenzierten Ansichten dürfen bei dieser Debatte nicht die alleinige Meinungs-, Definitions- und Interpretationshoheit innehaben. Deshalb hält es diese Seite für dringend geboten, auch die anderen Teilbereiche der Prostitution neutral zu thematisieren.
Und gerade wegen dieser anderen Teilbereiche der Prostitution will sich diese Seite nicht bedingungslos der Aktion #rotlichtAN anschlieĂźen, denn da hieĂźe ja, auch die negativen Zustände in den Rotlichtvierteln zu unterstĂĽtzen – und nicht zuletzt die Situation auĂźerhalb der Rotlichtviertel zu vernachlässigen, um die es hier ja gerade gehen soll.“

Hier bekommen wir einen ersten Eindruck vom sich im folgenden fortsetzenden Duktus der anonym verfassten Texte. Auf der einen Seite wollen sie ungeschönt „den Blickwinkel erweitern“, andererseits steht auch fest: Aktivistin Husche Mau kommt hier definitiv nicht gut weg. Da stellt sich doch gleich ein wohliges GefĂĽhl ein. Es muss aber angemerkt sein, dass wir hier kein plattes Huschke-Mau-Bashing bekommen. Die nicht namentlich erwähnte Webseitenbetreiberin fĂĽhrt sukzessive mit Fakten und Beispielen auf, wie wenig an Maus Verlautbarungen dran ist. DarĂĽber hinaus gibt es Kritik auch gegenĂĽber diversen anderen illiberalen Stimmen.
Wie eingangs zitiert, will die Seite beide Lager sowie auch das Dazwischen abbilden. In Teilen gelingt ihr das auch. Wobei man sagen muss, dass sich die Positionen der Autorin nur kaum von denen der „Rotlicht an“-Kampagne oder der Prostituiertenverbände, die durchaus selbstreflektierend auftreten, unterscheiden.

Ein Besuch der Seite https://proinstitution.wordpress.com ist in diesem Sinne definitiv empfohlen. Eine kleine Vorwarnung noch: die Page ist jetzt optisch nicht so der Hingucker, also nicht erschrecken. Wem es aber um Inhalte geht, wird auf seine/ihre Kosten kommen.

Ist Sex Arbeit? – Ein Interview mit dem Kassandra e.V. NĂĽrnberg

Ein Projekt, dass dieser Tage den Weg ins Web fand, ist die „Ist Sex Arbeit? – Ein Interview mit dem Kassandra e.V. NĂĽrnberg“ titulierte, knapp 6-minĂĽtige Reportage auf dem Youtubekanal ohmcast. Verantwortlich dafĂĽr ist der Studiengang Design an der Technischen Hochschule NĂĽrnberg Georg Simon Ohm.

Nun kann man sich fragen warum gerade Designstudent:innen einen Film zu Prostitution machen. Muss man aber auch nicht. Allein weil er durchweg gelungen ist. Unaufgeregt und wertefrei gewähren die Filmemacher einen kleinen Einblick in die vielschichtige Arbeit der Beratungsstelle Kassandra und damit auf die Vielseitigkeit der Sexdienstleistungen. Vor allem auch werden hier einmal – und das ist selten in der öffentlichen Debatte – Probleme wie Behördengänge, fehlende Sozialleistungen während der Coronakrise oder auch Gefahren eines allgemeinen Prostitutionsverbotes angerissen.

Ja, die Themen werden runtergebrochen. Andererseits ist es auch nur ein 5:46 Minuten kurzer Film.

Halten wir fest: Ein wirklicher Diskurs zu Sexarbeit und sexuellen Dienstleistungen kann nur gefĂĽhrt werden, wenn man sich nicht auf die Ebene der zumeist antifeministischen, sexualfeindlichen und rein ideologiebasierten Prostitutionsgegner:innen begibt. Laut „Verbot“ und Freier sind Gewalttäter“ zu schreien hat einzig nur etwas von Verschwörungsideologie. Ăśberlassen wir die BĂĽhne also nicht allein der abolitionistischen Bewegung. Ăśberlassen wir Mau, Schwarzer, Breimayer und Co. nicht die Meinungs-, Definitions- und Interpretationshoheit.

Halten wir fest: Sexarbeit ist Arbeit! Sexdienstleister:innen sind mĂĽndige Menschen!

rde


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